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Lissitschansk unter russischer Kontrolle
Aus Tagesschau vom 04.07.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Situation

Nach der völligen Einnahme der Region Luhansk im Osten der Ukraine nehmen die russischen Streitkräfte jetzt zunehmend das Gebiet um Donezk ins Visier. «Slowjansk und Kramatorsk sind unter Beschuss geraten», berichtete Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko am Dienstag. «Es gibt in der Region Donezk keinen sicheren Ort mehr, der nicht beschossen wird.»

Die prorussischen Separatisten im Osten verlegten Kampfeinheiten in Richtung Donezk. Dies folge auf die «Befreiung» von Luhansk, zitierte die russische Agentur Tass den Anführer der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin.

Die russischen Truppen solllen nördlich von Slowjansk bei Masaniwka Gebietsgewinne erzielt haben. Darüber hinaus seien ukrainische Positionen an weiten Teilen der Front mit Artillerie, Raketenwerfern und Mörsern beschossen worden. Die russische Luftwaffe habe zudem Stellungen ukrainischer Einheiten bombardiert.

Rubel und russische Pässe

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Russland verstärkt die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden. Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

Selenskis Berater Olexij Arestowytsch zeigte sich zuversichtlich, dass ukrainische Truppen nach der Aufgabe von Lissitschansk die Verteidigungslinien an anderen Frontabschnitten stabilisieren können. Insgesamt könne man jedoch sagen, dass Russlands Militär das Gebiet Luhansk erobert habe, räumte er bei YouTube ein.

Zwei russische Grenzregionen werfen Ukraine Beschuss vor

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Die beiden russischen Grenzregionen Brjansk und Kursk haben der ukrainischen Seite erneut Beschuss vorgeworfen. Der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas schrieb am Dienstag auf Telegram, das Dorf Sernowo sei mit Artillerie beschossen worden, verletzt worden sei aber niemand. Auch aus den betroffenen Kursker Dörfern gab es zunächst keine Informationen über mögliche Opfer.

Russland, das vor viereinhalb Monaten selbst einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen hat, beklagt immer wieder Beschuss auch auf dem eigenen Staatsgebiet. Zuletzt gab es solche Meldungen fast täglich. Den bislang folgenschwersten Angriff auf russischem Gebiet verzeichnete bislang die Grenzregion Belgorod, bei dem in der Nacht zum Sonntag laut Behörden vier Menschen starben.

Die ukrainische Seite äussert sich in der Regel nicht zu diesen Vorwürfen. Moskau wiederum hat in der Vergangenheit mit verstärkten Angriffen auf ukrainische Ziele gedroht, sofern eigenes Staatsgebiet beschossen wird.

Russland hatte am Sonntag nach wochenlangen Kämpfen erklärt, die Stadt Lissitschansk eingenommen zu haben. Die Ukraine bestätigte am Abend, dass sich ihre dortigen Truppen zurückziehen. Lissitschansk war bisher die letzte grosse ukrainische Bastion in der Region Luhansk, die zusammen mit Donezk den Donbass bildet.

Verhandlungen und Diplomatie

Bundespräsident Ignazio Cassis und der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal haben zum Abschluss der Ukraine-Wiederaufbau-Konferenz in Lugano die «Erklärung von Lugano» vorgestellt. Darin sichern die Konferenzteilnehmer der Ukraine volle Unterstützung beim Wiederaufbau zu und bekräftigen, dass Integrität, Transparenz und Rechenschaftspflicht für den Erfolg des Wiederaufbaus unerlässlich seien.

Mehr als 40 Staaten und internationale Organisationen haben sich bei der Konferenz in Lugano zur Hilfe beim Wiederaufbau der Ukraine bekannt.

Neben konfiszierten Geldern von russischen Staatsbürgern sollten auch Mittel aus dem Budget des ukrainischen Staats sowie Zuschüsse von Partnern in den Wiederaufbau fliessen, erklärte Schmyhal.

Zu Beginnn der Konferenz in Lugano, hatte die ukrainische Regierung Vorstellungen zum Wiederaufbau des Landes vorgelegt. Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal schätzte, dass hierfür mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Franken) notwendig seien.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz traf sich am Montag zu Beratungen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris. Wichtigstes Thema war die deutsch-französische Abstimmung über das weitere Vorgehen im Ukraine-Krieg und die weitere Unterstützung für das Land, wie der Élyséepalast am Montagabend mitteilte. In dem Zusammenhang ging es demnach auch um Schritte zur europäischen Unabhängigkeit in den Bereichen Energie, Verteidigung und strategische Rohstoffe. Scholz und Macron waren im vergangenen Monat gemeinsam zu einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewesen.

Blockierter Getreideexport

Die Ukraine beklagt, dass ihre Häfen im Schwarzen Meer durch die russische Kriegsmarine blockiert seien. Beide Länder gehören zu den grössten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährungssicherheit in der Welt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der grössten Hungersnot seit Jahrzehnten.

Karte vom Schwarzen Meer
Legende: Diskutiert wird immer wieder ein möglicher Getreidekorridor durch das Schwarze Meer bis nach Istanbul. SRF

Kriegsopfer

Armeeangehörige: Ein genaues Bild über Todesopfer – sowohl auf russischer wie auf ukrainischer Seite – gibt es nicht. Die Angaben und Schätzungen gehen weit auseinander.

Etwa 10'000 Soldaten der ukrainischen Armee sind nach Angaben eines Beraters von Präsident Selenski von Mitte Juni seit der russischen Invasion im Februar bis zum 10. Juni getötet worden. Die Ukraine geht davon aus, dass mittlerweile über 35'000 russische Armeeangehörige ihr Leben verloren haben (Stand 3. Juli). Westliche Experten zweifeln diese Zahl an.

Zudem meldete Moskau am Donnerstag, bislang seien 6000 ukrainische Militärangehörige durch die russische Seite festgenommen worden oder hätten sich ergeben. Zu russischen Opferzahlen gibt es von russischer Seite keine Angaben mehr.

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldawien und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Zivile Opfer: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bislang 4731 getötete Zivilisten verifiziert (Stand 27. Juni), davon 330 Kinder. Man gehe jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher seien.

Gemäss ukrainischen Polizeiangaben sind bisher mehr als 12'000 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen. Die meisten Opfer seien durch Explosionen getötet worden, sagte der Chef der ukrainischen Polizei, Ihor Klymenko, gegenüber der Agentur Interfax-Ukraine.

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Mehr als 100 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht
Aus Tagesschau vom 17.06.2022.
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Flüchtende: Mehr als acht Millionen Menschen haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine das Land verlassen. Das teilt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Innerhalb der Ukraine befinden sich mehrere Millionen Menschen auf der Flucht.

In der Schweiz haben bis Dienstag 58'598 Geflüchtete aus der Ukraine den Schutzstatus S beantragt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Twitter bekannt gab. 56'622 Personen haben bisher diesen Status erhalten.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 03.07.2022, 19.30 Uhr;

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