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Krieg in Syrien Eine private russische Truppe bekämpft den IS

Offiziell gibt es sie nicht. Und offiziell sind sie auch nicht dort. Aber die Söldner der Einheit «Wagner» sterben trotzdem im Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat.

Legende: Audio Putins Schattenarmee abspielen. Laufzeit 4:46 Minuten.
4:46 min, aus Rendez-vous vom 20.10.2017.

Es gibt eine Schnulze, die die Kämpfer der Sondereinheit «Wagner» besingt. «Wagner» ist eine Truppe, die es offiziell gar nicht gibt, von der aber russische Journalisten und Friedensaktivisten ein ziemlich gutes Bild haben. 2500 Mann soll «Wagner» mindestens umfassen, manche Quellen sprechen von bis zu 6000 Personen.

Unter Mörser-Beschuss sind wir vorgerückt – am Schluss haben wir Palmyra dann doch erobert
Autor: LiedzeilePreisung der «Soldaten des Glücks»

Die Melodie des Liedes ist ziemlich süss, martialisch aber der Text. «Unter Mörser-Beschuss sind wir vorgerückt – am Schluss haben wir Palmyra dann doch erobert», singt ein unbekannter Sänger in diesem Lied, das im Internet kursiert. Gewidmet ist der Song den «Soldaten des Glücks». So werden die Söldner genannt. So klingt Kriegsromantik auf Russisch.

Ausbildung in Südrussland

Ruslan Leviev von der Nichtregierungsorganisation Conflict Intelligence Team sagt: «Ihre Ausbildung erhalten die Söldner auf einer Basis des Militärgeheimdienstes GRU in Südrussland. Sie werden von der russischen Armee bewaffnet und mit Flugzeugen des Verteidigungsministeriums nach Syrien gebracht.»

Eingesetzt werden die «Wagner»-Söldner in den härtesten Kämpfen des syrischen Schlachtfeldes. Sie sollen etwa bei der Erstürmung der Wüstenstadt Palmyra ganz vorne dabei gewesen sein.

Aktivist Leviev erzählt: «Die russische Führung dachte wohl zuerst, man könne die Terrormiliz IS alleine mit der Luftwaffe und der syrischen Armee besiegen. Dann stellte sich aber heraus, dass es Bodentruppen braucht. Und da kamen die russischen Söldner ins Spiel.» Diese kämpften oft an vorderster Front und erlittenen entsprechend hohe Verluste.

Viel Geld für die Söldner

Die Erkenntnisse von Ruslan Leviev decken sich mit dem, was die St. Petersburger Fontanka recherchiert hat. Ein Reporter dieser Online-Zeitung hat umfangreiches Material über «Wagner» zugespielt bekommen.

Die Söldner der Gruppe «Wagner» haben offiziell mit der russischen Armee nichts zu tun. Deswegen muss das Verteidigungsminsiterium gefallene Kämpfer nicht melden. Die Statistik russischer Verluste in Syrien sieht dadurch besser aus.
Autor: Alexander GorkovChefredaktor des Onlinemagazins Fotanka

Die Kämpfer verdienen umgerechnet rund 3000 Franken. Das ist für russische Verhältnisse sehr viel Geld. Fontanka-Chefredaktor Alexander Gorkov erklärt, warum Russland in Syrien Söldner einsetzt. «Die Söldner der Gruppe ‹Wagner› haben offiziell mit der russischen Armee nichts zu tun. Deswegen muss das Verteidigungsministerium gefallene ‹Wagner›-Kämpfer auch nicht melden. Die Statistik russischer Verluste in Syrien sieht dadurch besser aus.»

Für den Kreml ist es enorm wichtig, den Syrien-Einsatz als Erfolgsgeschichte verkaufen zu können. Zu viele tote russische Soldaten würden in der Heimat zu Unruhe führen. Vielen Russen erschliesst sich nämlich bis heute nicht, warum die Armee im fernen Syrien kämpft.

Kriegsname des Gründers: Wagner

Da leistet die Söldner-Truppe «Wagner» gute Dienste. Gegründet worden ist sie von Dmitri Utkin, einem ehemaligen Oberstleutnant der russischen Armee. Sein Nom de Guerre ist Wagner, und daher rührt auch die Bezeichnung für seine Privateinheit. Finanziert wird die Gruppe «Wagner» mutmasslich von einem kremlnahen Oligarchen, möglicherweise auch mit Geldern aus geheimen Kassen des Staatsbudgets.

Die russische Regierung freilich bestreitet die Existenz der «Wagner»-Truppe und erst recht jede Zusammenarbeit mit der Armee. Es ist eine Art verdeckte Kriegsführung. Fontaka-Chefredaktor Gorkov verdeutlicht: «In Russland ist Söldnertum per Gesetz verboten. Diese Leute erhalten Waffen und nehmen an einem Krieg teil, ohne dass man weiss, was sie für einen rechtlichen Status haben. Das macht sie sehr abhängig vom guten Willen ihrer Auftraggeber.»

«Wagner»-Söldner sollen umgebracht worden sein

Tatsächlich haben die «Wagner»-Söldner im Notfall schlechte Karten. Die Terrormiliz IS veröffentlichte Anfang Oktober ein Video, auf dem zwei russische Männer zu sehen sind. Verwandte und Freunde in Russland erkannten die beiden. Es stellte sich heraus, dass sie für die Gruppe «Wagner» nach Syrien gegangen waren und bei einem Gefecht in die Hände der IS fielen.

Auf den Fall angesprochen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kühl, man müsse erst einmal abklären, ob es sich bei den Männern überhaupt um russische Bürger handle. Inzwischen sollen die beiden Männer vom IS umgebracht worden sein.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    @bernoulli : umso wichtiger ist es mental, materiell, wo immer wir sind: abrüsten, abrüsten...das ist die einzige option in diesem wahnsinn.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    @bernoulli : ihre annahme ist, dass solche konflikte nur mit kriegerischen massnahmen zu regeln seien. vermitteln und friedenstiftung, gibt es in diesem diskurs nicht. kein staat hat das recht, einen anderen, und sei es zwecks edler absicht, zu okkupieren. wie war das schon wieder mit angriffs-und verteidigungskriegen? wären friedensmassnahmen mit gleichem budget wie kriegerische ausgesttatet und die umsetzung UNSRC 1325 konsequent überall implementiert und umgesetzt, sähe manches anders aus.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Es gibt heute wohl kaum eine geduldigere, bessere Diplomatie als die der Russen. Aber gegen dem absoluten Bösen (Hitler, IS, gewisse US-Kreise u.a.) ist jede Diplomatie vergebens.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      wenn sie mit dem argument des absolut bösen kommen herr bernoulli, heisst dass, sie kapitulieren von beginn an. falls es zur legitimierung eines kriegerischen einsatzes gebraucht wird, dieses absolute, wo es doch nur menschen sind und wo auch die schändlichsten angewiesen sind, dass sie ein tragendes umfeld haben, dann ist es reiner opportunismus, kalkül um unbehelligt kriegsgeschäfte zu machen. wie hannah arendt richtigerweise zeigte, das banal böse ist zerstörerisch genug.
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    3. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ a.kunz: was sich Menschen so alles ausdenken können: siehe "Operation Northwood", aktuell "op-ed call to nuke Germany, Iran". Diese Menschen können bezüglich ihrem Ansinnen weder emotional noch mit rationalen Argumenten erreicht werden. Psychopathen sind nicht so selten in mächtigen Positionen zu finden. Brzezinski war auch so einer, dessen Plan, den Afghanistankrieg auszulösen aufging (in nun publiziertem Interview mit ihm erklärt er, offenbar mit seiner "Leistung" zufrieden, diesen Plan).
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    4. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      psychopathen, jede armee hat ein paar wenige davon. die vielen anderen, die mitmacher tun dies aus ganz unterschiedlichen gründen. die vielen anderen, mütter, töchter, freundinnen, kinder, die anderen männer, die solches nicht wollen gilt es zu erreichen, zu unterstützen, zu ermutigen mit allen materiellen/nichtmateriellen mitteln. die jungs, die in den kriegen verbraten werden, andere auf befehl töten. sie wollten oft nur männlich genug sein, um dazu zu gehören und zahlen den höchstpreis dafür.
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    5. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ a. kunz: gerade aktuell: "For The First Time In 26 Years, US To Put Nuclear Bombers On 24 Hour Alert". Was für Abgründe sich hier auftun...Da hilft nur noch die Hoffnung, dass möglichst viele Menschen diese Verrückten aufhalten können.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Die Russen sind legitim in Syrien um das Land von denen zu befreien, welche vom Westen, Saudi-Arabien, Katar u.a. finanziert, Chaos und Zerstörung säen: siehe Operation Timber Sycamore. Russland hat im Gegensatz zum Westen noch nie mit Terroristen zusammengearbeitet und sie bewaffnet um sie als Kanonenfutter für Angriffskriege einzusetzen.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Je nach Standpunkt arbeitet Russland sehr wohl mit Terroristen zusammen. Alles nur eine Frage, auf welcher Seite man steht.
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    2. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      M.C. aus Sicht von IS Sympatisanten ist Assad Terrorist und ein Multikulturele zusammenleben ist eine Schande. Assad, Gadhafi und Hussein hatten Fähigkeit alle Stämme zu vereinen und ihnen ein ruhige Leben zu ermöglichen. Dann hat Westen sie zu Terroristen erklärt und Länder in Steinzeit zurückbefördert.
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @M. K.: Aber vorwiegend sind es westliche Staaten die bestimmen, wer nun Terrorist ist, oder wer nicht. Weiter geht da nur die Türkei, wo ja mittlerweile auch die Deutschen Terroristen sind & sämtliche Regimekritiker auch.
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    4. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ M. Koller: Nur der Westen arbeitet mit Leuten zusammen und fördert sie, der selbst diese als Terroristen bezeichnet und angibt, zu bekämpfen ("war on terror" ist eine weitere Lüge). Die Verlogenheit des Westens ist unübertroffen.
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