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International Krim-Krise: Nato verzichtet auf grobes Geschütz

Die Nato ist über den Aufmarsch der russischen Truppen an der ukrainischen Ostgrenze zwar besorgt. Doch die Militärallianz will kein grobes Geschütz auffahren.

Nato-Generalsekretär Rasmussen und der ukrainische Aussenminister Deshchytsia.
Legende: Nato-Generalsekretär Rasmussen (re) und der ukrainische Aussenminister Deshchytsia. Reuters

Für die Nato ist die Gefahr unvermindert gross, dass Russland sich nicht mit der Krim als Beute begnügen wird. US-Aussenminister John Kerry kritisierte den Aufmarsch von rund 40‘000 russischen Soldaten an der Grenze zur Ukraine. Trotz Versprechungen von Präsident Wladimir Putin habe Russland sie noch immer nicht abgezogen.

Dennoch reagiert die westliche Militärallianz vorläufig nur verbal scharf, aber militärisch milde. Verbal ist von Aggression die Rede und von einer Zeitenwende. «Wir können nicht so tun, als ob nichts geschehen wäre», erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

Entscheidungen aufgeschoben

Zwar will die Nato die Luftüberwachung in Osteuropa stärken. Aber die etwa von Polen geforderte Stationierung schwerer Brigaden lehnt sie ab. Ein Riss geht durch das Bündnis, da die russische Bedrohung in Riga, Warschau oder Bukarest ganz anders wahrgenommen wird als in Madrid, Paris oder Berlin. Deshalb hat die Nato Entscheidungen aufgeschoben. So überarbeitet sie vorerst ihre Strategie- und Trainingspläne, plant grosse Manöver und entwickelt zusätzliche Massnahmen.

Zwar hat Rasmussen jegliche Zusammenarbeit mit Russland aufgekündigt. Damit bekräftigte er aber bloss, was ohnehin schon seit einer Woche gilt. Und auch das nur begrenzt, denn der Dialog mit Russland soll weitergehen. Ebenso hofft die Nato, Moskau werde ihren grossen Truppenabzug aus Afghanistan weiter über sein Territorium zulassen.

Nato gespalten

Auch die Botschaft an die Ukraine zeigt, in welchem Zwiespalt die 28 Aussenminister der Nato stecken. Sie bieten ihr zwar mehr Beratung und Hilfe bei der Modernisierung der Armee an, aber keine Mitgliedschaft in der Allianz.

Unter dem Strich will die Nato alle Türen offen lassen und sich selber zurückhalten. «Ein solcher Konflikt ist zurzeit nicht militärisch zu lösen», sagt Deutschlands Aussenminister Frank-Walter Steinmeier. Klar wird damit: Eine härtere Reaktion zum Schutz der Ukraine gibt es von der Nato nicht. Damit müsste man erst rechnen, wenn Russland ein Mitglied des Militärbündnisses angreifen würde.
(aebn;amka)

18 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Bei allem Säbelrasseln ist eines klar: Auch wenn das östlich des ehemaligen Eisernen Vorhangs immer behauptet wurde und noch heute teilweise behauptet wird, hatte die NATO NIE den Plan, Russland direkt anzugreifen - das glauben in Russland nicht einmal die fanatischsten Ultranationalisten wirklich. Dass die "Heimholung" der Krim schon lange vor den Maidan-Unruhen geplant war, zeigt die gründliche Ausführung, aber wenigstens war Putin noch so "lieb", um bis NACH Olympia zu warten.
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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Interessant scheint die Rolle des deutschen Aussenminister Steinmeier zu sein. Er legt sich so ins Zeug für seine Chefin Merkel. Geht Alles gut, ist Frau Merkel daran schuld, geht es schief, wird Steinmeier getadelt. Ob die Deutschen auch schon einmal daran gedacht haben, dass die frühere deutsche Wehrmacht im 2.WK durch ihren blutigen Kampf um die Krim nicht ganz unschuldig an diesen heutigen Zuständen dort unten ist. Man lese einmal den Beitrag: (Google/der kampf um die krim/enter)
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      Meines Wissens hat Hitler-Deutschland vor 69 Jahren den Krieg verloren, Stalin ganz Osteuropa besetzt, eine menschenverachtende Umsiedlungspolitik betrieben und der Ukrainer Nikita Chruschtschow als sowjetischer Parteichef die Krim 1954 an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik eingegliedert hat. Was hat die heutige Situation noch mit der deutschen Wehrmacht zu tun? Am Rande sei erwähnt, dass es sich 1942 übrigens um einen deutsch-rumänischen Angriff gehandelt hat.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      @M.Chauvet. Sie können mit 500 Buchstaben keine Rechtfertigung für Angriffe des 2:WK formulieren! Jeder Krieg ist per se falsch, denn er hinterlässt immer nur Verlierer. Also wäre es sinnvoller heute den Dialog zu suchen, anstatt mit dem Säbel zu rasseln. - Gilt für beide Seiten!
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    3. Antwort von Wolfgang Blum, Basel
      Wie naiv muss jemand sein, wenn er dem Irrglauben erliegt die heutigen Zustände und Situationen hätten nichts mit der Vergangenheit zu tun. Alles erwächst aus der Vergangenheit da die Gegenwart keine Maschine mit vorprogrammierten Abläufen ist die man jeweils um 0:00 reseten kann. Wer die Geschichte kennt, kennt die Zukunft.
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    4. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @O. Toneatti: Der Krieg Hitlers auf der Krim hat die Zustände dort höchstens in der Weise beeinflusst, als dass gewisse Kreise der ansässigen Tartaren Partei für Nazi-Deutschland ergriffen und in Freiwilligen-Verbänden der Waffen-SS Dienst taten. Ein weiterer, tieferer Einfluss auf den Gang der Dinge in Bezug auf die Ukraine war nicht gegeben, dazu fehlte auch schlicht die Zeit, da der Kriegszustand auf der Krim relativ kurz dauerte.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Ist doch klar und Herr Putin hat das auch gewusst. Es stehen doch viel zu viele wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel, als dass der Westen jetzt den eisernen Vorhang wieder herunterlassen würde. Die grössten Verlierer dieser Komödie werden die Ukrainer sein.
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