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International Krim-Krise: Pro-russische Truppen besetzen Flughafen

Während die Diplomatie versucht, den Konflikt um die Krim zu entschärfen, spitzt sich die Lage zwischen der Ukraine und Russland weiter zu. So wurden auf der Krim erneut ukrainische Stützpunkte besetzt und Journalisten verschleppt. Und auch sonst versuchen pro-russische Truppen Fakten zu schaffen.

Legende: Video Massendemonstrationen in der Ukraine abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.03.2014.

Pro-russische Kräfte haben nach ukrainischen Angaben einen weiteren Militärflugplatz auf der Krim besetzt. Rund 80 Bewaffnete in Militäruniformen ohne Abzeichen hätten dabei eine Gruppe von 50 Zivilisten unterstützt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf der Krim.

Der Eingang zum Flughafen nahe der Ortschaft Saki sei blockiert worden. An der Landebahn hätten Posten mit Maschinengewehren Stellung bezogen. Die ukrainischen Soldaten haben keinen Widerstand geleistet.

Legende: Video Posten von russischen Soldaten auf der Krim (ohne Ton) abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.03.2014.

Auf einer Militärbasis in Sewastopol haben zudem rund 200 russische Soldaten nach Angaben eines ukrainischen Militärsprechers den Soldaten die Waffen abgenommen und das Kommando über den Stützpunkt übernommen.

Die ukrainische Grenzwacht hat Luftaufnahmen aus der Ukraine veröffentlicht, die Armeelager an der Gebietsgrenze zur Krim in der Ukraine zeigen (Video). Der Beschrieb lautet: Russische Soldaten postieren sich in der Landenge von Perekop, die die Halbinsel Krim mit dem ukrainischen Festland verbindet.

Ukraine verhängt für Armee die volle Kampfbereitschaft

Seit dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch haben pro-russische Kräfte zahlreiche strategisch wichtige Einrichtungen auf der Krim unter ihre Kontrolle gebracht. Darunter befindet sich der Militärflughafen Belbek und der zivile Airport in Simferopol.

Derweil hat das ukrainische Verteidigungsministerium eine breitangelegte Überprüfung der eigenen Gefechtsbereitschaft angeordnet. Die Armee sei landesweit zu Übungen ausgerückt, sagte ein Sprecher. Es sei volle Kampfbereitschaft angeordnet. Die moskautreue Führung der Krim kritisierte die Übung als «Aggression».

Journalisten auf der Krim verschleppt

Wenige Tage vor dem Referendum auf der Krim mehren sich auch die Übergriffe auf Journalisten und Aktivisten. Russisch sprechende Bewaffnete hätten in der Hauptstadt Simferopol zwei Bürgerrechtler aus einem Zug heraus festgenommen.

Zudem seien an Kontrollpunkten der Autonomen Halbinsel drei junge Frauen und mehrere Journalisten verschleppt worden, teilte das Innenministerium in Kiew mit. Die Behörde forderte von der moskautreuen Führung auf der Krim sofortige Aufklärung.

Rubel soll direkt kommen

Die selbst ernannte Führung der Krim rechnet bei dem umstrittenen Referendum mit einer grossen Mehrheit für einen Anschluss an Russland. «Mehr als 80 Prozent der Einwohner der Krim sind für den Beitritt zu Russland», behauptete der moskautreue Parlamentschef Wladimir Konstantinow.

Zudem erwarte er bei der Abstimmung am Sonntag (16.3.) eine hohe Wahlbeteiligung. Das habe eine Umfrage ergeben, sagte Konstantinow laut russischen Agenturen. Nach einem Beitritt zu Russland sollen auf der Halbinsel die bisherige ukrainische Währung Griwna und der russische Rubel zunächst gleichberechtigt genutzt werden dürfen.

Krimtatarisch als zweite Amtssprache

Sollte in dem Referendum am Sonntag eine Mehrheit für einen Russland-Beitritt zustande kommen, bestehe für die Bürger die Wahl zwischen dem russischen und dem ukrainischen Pass, zitierte die Nachrichtenagentur Ria den selbst ernannten Ministerpräsidenten der Krim Sergej Aksjonow.

Zudem würde es in diesem Fall künftig Russisch und Krimtatarisch als Amtssprachen auf der Krim geben. Die Mehrheit der rund zwei Millionen Krim-Bewohner sind Russen, ein Viertel Ukrainer und gut zehn Prozent Krimtataren.

Russlands Präsident Wladimir Putin argumentiert, er verteidige nach dem Umsturz in dem Nachbarland die Interessen der russischen Bevölkerung auf der Halbinsel. Die neue Regierung in der Ukraine erkennt er nicht an.

Aussenminister Sergej Lawrow kündigte unterdessen Vorschläge zur Beilegung der Ukraine-Krise an. Diese sollten helfen, die Krise «auf Basis internationalen Rechts» zu lösen, so Lawrow bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin an. Ein Konzept, das ihm US-Aussenminister John Kerry überreicht habe, «hat uns nicht sehr überzeugt», sagte Lawrow bei dem Treffen in Sotschi weiter.

Russische Journalisten festgenommen?

Moskau zeigt sich zudem immer wieder empört über die «Gesetzlosigkeit» in der Ostukraine. Militante Nationalisten aus dem Westen der Ex-Sowjetrepublik würden mit Duldung der neuen Führung in Kiew in den Gebieten nahe der Grenze für Unruhe sorgen, hiess es aus dem russischen Aussenministerium.

In der Stadt Dnjepropetrowsk seien zudem sieben russische Journalisten festgenommen worden. Der Westen schweige beschämt zu den Vorfällen, hiess es in der Mitteilung weiter.

«Die russische Propaganda lügt wie immer»

Unterdessen hat der frühere Kremlkritiker Michail Chodorkowski auf dem Maidan Russen und Ukrainer zum Einlenken im Krim-Konflikt aufgerufen. Für Ukrainer und Russen existiere nur der «einheitliche Weg der europäischen Entwicklung».

Die frühere ukrainische Regierung sei mit Einverständnis Russlands brutal gegen Regierungsgegner vorgegangen, sagte der frühere Öl-Manager am Sonntag vor Zehntausenden Teilnehmern einer pro-westlichen Kundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz.

Chodorkowski warf Russland eine Verdrehung von Tatsachen vor. «Die russische Propaganda lügt wie immer», sagte er. In Kiew gebe es nicht mehr Rechtsextremisten als etwa in Moskau. Er habe auf dem Maidan mit vielen Menschen gesprochen. «Sie haben nur ihre Freiheit verteidigt. Ich wünsche Euch viel Glück», sagte er.

Nato schickt Aufklärer

Zur Überwachung der Krise in der Ukraine entsendet die Nato AWACS-Aufklärungsflugzeuge nach Polen und Rumänien. Dieser Schritt sei Teil der Nato-Bemühungen, «die Krise in der Ukraine zu beobachten», teilte ein Vertreter der Allianz nach dem Beschluss des Nato-Rates mit.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Fpr die Ukrainer geht es express bergab. Die Gasrechnungen sind immer noch nicht bezahlt per 7.3 und wenn jetzt Russland die Gaslieferungen einstellt - dann geht in den Metallwerken von Rinat Achmetov relativ rasch die Produktion auf NULL. Bei 12 Mia. Umsatz und über 100'000 Mitarbeitern in rund 10 grossen Stahlwerken dürfte es dann ganz schnell dunkel werden.
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  • Kommentar von peter beutler, 3803 Beatenberg
    Nicht nur die Krim wird sich von der Restukraine abspalten,auch der Osten Dass bewaffnete Meidanern aus Kiew auf prorussische Demonstranten geschossen haben, wurde in kaum einem deutschen Medium verbreitet. Wer im Internet recherchiert, hat es bereits gestern vernommen. Es stimmt nicht, dass in der Ostukraine Tausende für die Einheit demonstrieren.Die Bilder zeigen es: einige hundert, während Zehntausende für die Abspaltung auf die Straße gehen. Wunschdenken vs. Tatsachen. Das Letztere zählt.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Der Westen war früher der Herrscher der Welt, bis die USA das Zepter übernohmen hat. Seither scheitert alles auf irgend eine Art und Weise und der Westen verliert zusehends an Boden. Mit dem Trend aus der USA zum Outsourcing, verschenkten wir unsere Technologie, unser Wissen und unsere Fähigkeiten. Nun ist der Westen nur noch eine kriminelles Überbleibsel, dass sich schon bald vor der ganzen Welt zu verantworten hat!
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Vor wem soll sich der Westen verantworten? Vor den russischen Oligarchen? Oder gar von den menschenrechtsverletzenden und umweltzerstörenden Chinesen?
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    2. Antwort von Herbert Müller, Zürich
      Der Westen wird sich, sollte es soweit kommen, und das hoffe ich, vor dem zerstörten Afrika und dem gerupften Latein- und Südamerika verantworten müssen. Ein paar arabische Länder sind auch dabei. Was der Westen bzw. die Amerikaner in den letzten 50 Jahren angerichtet haben, lässt sich kaum unter den Tisch kehren und die Geschädigten werden die Geschichte auch nicht so schnell vergessen. Die halbe Welt wartet nur darauf, bis dieses grausame Imperium zusammenbricht.
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    3. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Um das geht es in meinem Posting nicht, sondern um die Unfähigkeit der USA... ;-)
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    4. Antwort von Paul Soltermann, Fuqing
      @A.Planta: Ich moechte ihnen empfehlen, Ihr Weltbild zu aktualisieren. Es ist nutzlos, sogar gefaehrlich, staendige auf laengst veralteten Clichees aufzusetzen und damit die Realitaet zu ignorieren.
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    5. Antwort von Hans Halelr, Kölliken
      Paul Soltermann, Fuqing - Es gibt da wenig am Weltbild zu aktualisieren, nach wie vor verhalten sich die Machtblöcke so, wie sich Machtblöcke untereinander eben seit jeher verhalten. Einzig und nur die Mittel sind dem derzeitigen Stand der Technik angeglichen worden. Was uns hier vorgeführt wird, ist knall-harte Machtpolitik, wo Tatsachen geschaffen werden, die uns allen sicherlich nicht gefallen können. Und der Benjamin namens EU watschelt da brav mit im Reigen der wirklich Mächtigen.=Dummheit
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    6. Antwort von Albert Planta, Chur
      Herbert Müller, Zürich Und was hat sich so alles der Ostblock in den 70 Jahren der Diktatur des Proletariats geleistet? Wieviele Menschen wurden dort geknechtet und verschwanden in Sibirien? Es ist ein Trugschluss zu meinen, im Osten sei jetzt alles in Butter. Früher war der reale Sozialismus nichts anderes als ein Staatsfeudalismus, heute wird der Feudalismus von einigen Oligarchen betrieben.
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    7. Antwort von Paul Soltermann, Fuqing
      @HH: Immerhin gibt es inzwischen, zwischen USA und Russland auch die Stimme der EU. Dass die Schweiz da nicht mitreden/mitgestalten kann/will ist eine andere Geschichte ... die Blochergemeinde ist sich einig.
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    8. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Paul Soltermann, Fuqing - Das die Schweiz da nicht auch noch mitredet innerhalb der EU empfinde ich eher als Segen. Die Schweiz wäre da ohnehin eine Stimme, die nur sagen darf, was den Herren der Macht gefällt. Und was den Herren der Macht gefällt, kann man als "wirklicher" Schweizer kaum hin nehmen. (smile) Auf ein Mitreden im Kriegsgeheul und beim Rammeln um die Vormachtstellung darf man getrost verzichten. (smile)
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    9. Antwort von Paul Soltermann, Fuqing
      @HH: Ich staune immer wieder wie gewisse Schweizer ihr Licht unter den Scheffel stellen und wie arg sie sich vor "den Maechtigen" fuerchten. Als "Zuenglein an der Waage" koennten wir das Gesicht der EU massgeblich mitpraegen, aehnlich wie dies die Kleinkantone innerhalb der Schweiz auch koennen (SR, Ständemehr)
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    10. Antwort von Paul Soltermann, Fuqing
      zudem HH: Ich selbst bin auch kein "nix-wie-rein-in die EU", aber man muesste endlich klare Bedingungen stellen und Laendern mit aehnlicher Srtruktur damit den Ruecken staerken. Alle reden immer von Bruessel, warum nicht von Bern oder Genf?
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