Kritik an Netanjahu von allen Seiten

Der Krieg gegen die Hamas ist vorerst beendet. Dennoch erntet Israels Ministerpräsident dafür nicht nur Lob.

Portrait von Benjamin Netanjahu

Bildlegende: Laut Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Hamas durch den Gaza-Krieg einen «schweren Schlag» erlitten. Keystone

Der Krieg in Gaza ist vorerst beendet, doch Aufatmen kann Israels Ministerpräsident deswegen nicht. Im Gegenteil: nach der Waffenruhe hat Benjamin Netanjahu mit wachsender interner Kritik zu kämpfen.

Oppositionsführer Izchak Herzog sagte am Donnerstag, Netanjahu habe nicht nur das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren, sondern auch das Vertrauen derjenigen, die in der Nähe des Gazastreifens wohnten. «Die Armee hat gewonnen, aber die Regierung hat verloren», sagte Herzog, Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeitspartei.

Rechte fordern Sturz von Hamas

Auch innerhalb seiner eigenen Regierung war Netanjahu in die Kritik geraten. Rechtsorientierte Minister wie Avigdor Lieberman und Naftali Bennett hatten einen Sturz der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen gefordert.

Nach Medienberichten stimmte Netanjahu der Waffenruhe-Vereinbarung unter ägyptischer Vermittlung im Alleingang zu. Die Abmachungen seien nicht von seinem Sicherheitskabinett gebilligt worden. Dieses hätte das Abkommen über eine Feuerpause möglicherweise abgelehnt.

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Einschätzungen von ARD-Korrespondent Markus Rosch

1:53 min, aus Tagesschau vom 27.8.2014

«Der diplomatische Druck auf Israel war offenbar gross», urteilt ARD-Korrespondent Markus Rosch. Darum habe Premier Netanjahu auch zugestimmt. Dagegen würden laut einer Umfrage vom Mittwoch 54 Prozent der Israeli die Waffenruhe ablehnen. Das bedeutet: auch von Seiten der Bevölkerung steht Netanjahu unter Druck.

In einem Monat sollen die Feinheiten dieser Waffenruhe geklärt werden. «Das wird knifflig. Man weiss zum Beispiel gar nicht, ob die Hamas auch am Tisch sitzen wird», sagt Rosch. Wer – ausser Ägypten – genau vermitteln wird, sei ebenso unklar, wie die Rolle Europas oder der Internationalen Gemeinschaft.

«Schwerer Schlag» gegen Hamas

Netanjahu sagte am Mittwochabend, die Hamas habe im Krieg einen «schweren Schlag» erlitten. «Lasst euch nicht von den Siegesfeiern der Hamas in Gaza beeindrucken», sagte der Ministerpräsident vor der Presse. Die Organisation wisse sehr wohl, welch hohen Preis sie dafür bezahlt habe.

«Eine Terrororganisation auszulöschen ist jedoch keine leichte Sache», fügte der Regierungschef an. Die Hamas werde vom Iran militärisch und von Katar finanziell unterstützt. Die radikalislamische Organisation habe jedoch keines ihrer Ziele erreicht. Nach der Waffenruhe vom Dienstag hatte die Hamas den Sieg erklärt und in den Strassen Siegesfeiern abgehalten.

Die Bilanz von sieben Wochen Krieg

Das israelische Militär hatte nach eigenen Angaben in dem sieben Wochen dauernden Krieg rund 5230 Ziele im Gazastreifen bombardiert. Militante Palästinenser hatten demnach rund 4600 Raketen auf Israel abgefeuert. Nach palästinensischen Angaben kamen mehr als 2130 Palästinenser ums Leben. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und 6 Zivilisten.

Israel warnt die Hamas

Netanjahu hat vor einem Bruch der Waffenruhe gewarnt. Sollte auch nur eine Rakete vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert werden, werde das Land darauf schärfer reagieren als zuvor, sagte Netanjahu am Mittwoch.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Neue Hoffnung im Gaza-Konflikt

    Aus Tagesschau vom 27.8.2014

    Israel und die Palästinenser haben sich auf einen unbefristeten Waffenstillstand verständigt. Die Aussicht auf eine Lockerung der Blockade des Gazastreifens, die seit fast 8 Jahren gilt, ist Grund zur vorsichtigen Freude. Einschätzungen von ARD-Korrespondent Markus Rosch.