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Krumme Geschäfte Zweite Chance für Obst und Gemüse

Krumme Gurken und zu kleine Äpfel schaffen es oft nicht in die Läden. Zu Unrecht, findet ein Start-up aus San Francisco.

Legende: Audio Start-up kämpft gegen Foodwaste abspielen. Laufzeit 2:40 Minuten.
2:40 min, aus HeuteMorgen vom 16.10.2017.

Früchte und Gemüse müssen heute so perfekt aussehen wie die Frisur auf dem Kopf. Ron Clark, Mitbegründer des Start-ups «Imperfect Produce», stört sich an der Haltung vieler Konsumentinnen und Konsumenten.

Er zeigt dabei auf die vielen Kisten in der grossen Lagerhalle in San Francisco. Sie enthalten Früchte und Gemüse, welche diesen unrealistischen Standards nicht entsprechen. Aber «wieso sollte man diese Kartoffeln im Laden nicht kaufen wollen», fragt er. Bis auf ein paar dunkle kleine Flecken auf der Schale seien sie einwandfrei.

Welternährungstag am 16. Oktober

Wie jedes Jahr seit 1979 findet am heutigen 16. Oktober der Welternährungstag statt. Er soll darauf aufmerksam machen, dass immer noch hunderte Millionen Menschen auf der Welt nicht genügend zu essen haben. Laut Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO, FAO, waren 2016 rund 815 Millionen Menschen auf der Welt chronisch unterernährt. Zwischen 2003 und 2014 war die Zahl der Betroffenen kontinuierlich von 947 auf 775 Millionen gesunken. 2015 nahm die Zahl leicht auf 777 Millionen zu.

Dicke Zucchini & krumme Rüebli

Mehr als drei Milliarden Kilogramm oder rund 20 Prozent aller Früchte und Gemüse werden in den USA jährlich weggeworfen – so offizielle Schätzungen. Clark glaubt, dass es sogar noch mehr seien. Das sei doch paradox, angesichts der vielen hungernden Leute.

Ein paar Schritte weiter packen rund ein Dutzend Mitarbeiter Früchte und Gemüse in kleine Kartonschachteln und stellen sie auf ein Förderband. Ein zu kleiner Broccoli, eine zu dicke Zucchini, krumme Rüebli – alles landet in der Kiste. Rund 7500 davon verschickt die Firma wöchentlich. Vor zwei Jahren, als das Unternehmen gegründet wurde, waren es erst ein paar hundert.

«Das Start-up ist extrem schnell gewachsen», stellt Clark fest. Seine Kundinnen und Kunden seien begeistert von der Idee. Auch ärmere Leute in den USA leisteten sich nun Früchte und Gemüse. Denn die Lebensmittel von «Imperfect Produce» kosten rund 30 bis 50 Prozent weniger als im Laden.

Geliefert werden die Pakete bis vor die Haustür. Das Unternehmen zielt damit vor allem auf die 20- bis 35-Jährigen, die so genannten Millenials. Das Konzept scheint aufzugehen. «Imperfect Produce» will weiter wachsen und hat bereits weitere Standorte in den USA geplant.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weidmann (Simon cw)
    liebe denise schmutz gerne stehen wir den fragen des srf red und antwort. der gmüesgarte hat seit diesem sommer mehrere tonnen früchte und gemüse die zu klein oder zu krum waren in der berner altstadt verkauft. auch wir sind ein startup und engagieren uns gegen foodwaste.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Die Grosshändler hierzulande sollen sich das zu Herzen nehmen - falls die ausser einer Registrierkasse im Kopf irgendwo ein Herz haben. Das würde das Gemüse zudem viel günstiger werden lassen, wenn viel mehr verkauft werden könnte.
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  • Kommentar von Markus Hiltbrunner (Marco Travel)
    SRF hat da wohl etwas verschlafen, Coop verkauft schon seit längerer Zeit "verzworgeltes" Gemüse. Auf dem Markt bieten auch mehrere Händler Gemüse an, welches nicht ganz perfekt ist.
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    1. Antwort von
      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Uns ist bewusst, dass Schweizer Detailhändler z.B. unter dem Namen «Unique» Gemüse verkaufen. Es tut uns leid, wenn der Artikel für Verwirrung sorgt, aber im Artikel (und im Radiobeitrag) geht es um ein Start-up aus den USA, das in den USA tätig ist, also nicht um den Schweizer Markt. Das Start-up in San Francisco setzt ausserdem auf einen Lieferdienst, welches Gemüse, das ästhetischen Standards nicht entspricht, direkt nach Hause liefert. Es ist also ein etwas anderes Geschäftsmodell, als wenn Früchte und Gemüse im Laden verkauft werden. Beste Grüsse, Denise Schmutz
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