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International Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot

Der deutsche Kunstsammler, dessen riesige Bestände vor zwei Jahren von der Staatsanwaltschaft in München beschlagnahmt worden waren, starb im Alter von 81 Jahren.

Legende: Video Gurlitt und sein Erbe abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.05.2014.

Der deutsche Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Er war seit längerem schwer krank. Der 81-Jährige starb in seiner Wohnung in München, wie sein Sprecher Stephan Holzinger bestätigte. Er habe sich nicht mehr von einer schweren Herzoperation erholt.

Gurlitt starb, nachdem er in der letzten Phase seines sehr zurückgezogenen Lebens noch einen Kampf um seine Sammlung ausgetragen hatte.

Bei der Zollfahndung aufgeflogen

Diese Auseinandersetzung begann damit, dass er einem deutschen Zollfahnder im Zug von Zürich nach München aufgefallen war. Bei der Befragung fiel dem Beamten auf, dass Gurlitt eine grosse Zahl druckfrischer Banknoten auf sich trug. Die Zollfahndung schöpfte Verdacht auf Steuerhinterziehung, man durchsuchte seine Wohnung in München Schwabing, fand aber statt der gesuchten Unterlagen über Bankkonten in der Schweiz 1500 Kunstwerke der erlesensten Art.

Gemälde von Monet, Renoir, Picasso und vielen anderen hoch gehandelten Malern standen ungesichert und ungeordnet in der Wohnung des alten Mannes. Geschätzter Wert: gegen eine Milliarde Euro.

Verdacht auf Nazi-Raubkunst

Gurlitt hatte diese Sammlung von seinem Vater, dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, geerbt. Dieser wiederum hatte einen grossen Teil der Gemälde in den Jahren zwischen 1933 und 1945 erworben. Weswegen jetzt, nach der Entdeckung beim Sohn, abgeklärt werden sollte, ob und in welchen Fällen es sich um Nazi Raubkunst handelt.

Legende: Video Gurlitts Handelswege in die Schweiz abspielen. Laufzeit 5:16 Minuten.
Aus Kulturplatz vom 04.12.2013.

Einer solchen Abklärung widersetzte sich Gurlitt vorerst, stimmte aber schliesslich vor einem Monat nach einer Vereinbarung mit dem Bundesland Bayern und der Bundesregierung über eine gründliche Untersuchung doch noch zu.

Er erklärte sich auch einverstanden, allfällige Raubkunst den rechtmässigen Eigentümern zurückzuerstatten. Im Gegenzug wurden ihm in einem ersten Schritt diejenigen Bilder aus der Beschlagnahme zurückgegeben, deren Herkunft unproblematisch erschien.

Bilder einem Verein vermacht?

Gurlitt soll seine Sammlung einer Kunstinstitution im Ausland vermacht haben. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) soll dies aus einem Testament Gurlitts hervorgehen. Darin sei verfügt worden, dass die Sammlung zusammenbleiben müsse.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Wie bei tagesschau.de zu lesen ist, ist die "ausländische Institution", die Gurlitts Bilder erben soll, das Kunstmuseum Bern. Ich halte das für ein "vergiftetes Geschenk", das das Kunstmuseum nicht annehmen sollte. Auch wenn alle zweifelhaften Provenienzen geklärt und die betreffenden Bilder zurück gegeben werden können, bleibt ein unangenehmes Gefühl. Und: die Bilder gehörten nie nach Bern oder in die Schweiz, sondern stammten von Besitzern in Deutschland. Ausstellungsraum fehlt in Bern auch.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @H. Klein: Da stehen Sie mit Ihrer Meinung recht alleine da. Sogar der Freistaat Bayern, hat die Zusammenarbeit mit Herrn Gurlitt sehr gelobt, nachzulesen in den dt. Medien. Ca. 500 Exponate sind zweifelhaft und deren Herkunft/Erwerb wird nun überprüft. Somit kann dass Kunstmuseum mit mind. 700 Werken rechnen. Wenn Sie es nicht sehen wollen, ist es Ihre Sache. Ich hingegen werde die Exponate in Bern gerne besichtigen.
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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    "Kunstsammler"? – Gurlitt hat keine Kunst aktiv gesammelt, sondern nur vom Vater übernommenen. Dieser hatte den Bestand wahrheitswidrig als "zerstört" angegeben. Gurlitt hat den Bestand nicht einmal halbwegs ordentlich verwaltet oder vor Zerstörung gesichert, sondern nur ab und zu zur Bereicherung ein Stück verkauft. Obwohl er wissen musste, dass diese Werke mindestens zweifelhafter Provenienz waren! Ihn als Kunstsammler zu bezeichnen ist eine Beleidigung für alle ehrlichen Sammler!
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  • Kommentar von Lena Meier, Aarau
    Ob er Nachkommen hat würde mich interessieren.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Nein, hat er offenbar nicht. Damit fallen die Bilder, die nicht als Nazi-Raubkunst an ihre ursprünglichen Besitzer bzw. deren Nachkommen retourniert werden, wohl dem Staat zu. Gut so, denn diese Bilder sollten in Museen sein, wo sie alle Interessierten sehen können.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Herr Gurlitt hat Nachkommen, testamentarisch wurde von Ihm jedoch verfügt, dass die "unproblem." Kunstwerke en-block einer nichtdeutschen Institution übergeben werden müssen. Somit wird höchstwahrscheinlich Bayern resp. die Bundesrepublik praktisch leer ausgehen. Quelle BR Fernsehen.
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