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International Kurden erobern wichtige Grenzstadt

Mit Unterstützung aus der Luft durch die US-geführte Koalition haben Kurdenkämpfer und syrische Rebellen offenbar dïe Stadt Tell Abjad von den Terroristen des «Islamischen Staats» übernommen. Der Grenzübergang in die Türkei war seit Juni 2014 in den Händen des IS.

Bewaffnete Frauen und Männer in Kampfmontur auf einem Erdhügel, in der Ferne eine Stadt, Rauch steigt auf.
Legende: Kurdische Kämpfer vor den Toren von Tell Abjad. Den Grenzübergang haben sie bereits erobert. Reuters

Im Norden Syriens haben kurdische Kampfeinheiten und Kämpfer der Freien Syrischen Armee die Dschihadisten des «Islamischen Staats» IS vom Grenzübergang Tell Abjad vertrieben. Auch die Grenzstadt selbst werde inzwischen vollständig von der kurdischen YPG-Einheiten kontrolliert, sagte einer ihrer Sprecher.

Unterstützung aus der Luft

Die kurdischen Volksschutzeinheiten seien bei ihrem Vormarsch von Rebellen der Freien Syrischen Armee FSA sowie Luftangriffen der internationalen Koalition unterstützt worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, die den syrischen Aufständischen nahesteht. Mindestens 40 IS-Extremisten seien auf der Flucht durch Luftangriffe getötet worden.

Der IS verliert mit dem Vormarsch der Kurden die Kontrolle über einen wichtigen Teil der Grenze. Damit wird die schnellste Verbindung und die Versorgungsroute zwischen der rund 90 Kilometer südlich gelegenen IS-Hochburg Rakka und der Türkei abgeschnitten.

Mit der vollständigen Einnahme Tell Abjads können die Kurden zugleich die von ihnen kontrollierten Gebiete um die Stadt Kobane im Norden und die Stadt Kamischli im Nordosten des Landes vereinen. Ende Januar hatten die Kurden unter Mithilfe von massiven Luftangriffen der US-geführten Koalition den IS bereits aus Kobane vertrieben.

Legende: Video Flüchtlingsdrama in der Türkei abspielen. Laufzeit 0:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.06.2015.

Tausende Syrer flüchten in die Türkei

In den vergangenen Wochen und Tagen waren Tausende Menschen vor den Kämpfen in Tell Abjad in Richtung Türkei geflohen. Laut Berichten türkischer Nachrichtenagenturen haben allein seit Sonntagabend bis zu 4600 Syrer den Übergang zur türkischen Stadt Akçakale passiert. Aus der Region sind in den vergangenen zwei Wochen demnach rund 20'000 Syrer in die Türkei geflohen.

Am Wochenende hatten mehrere Tausend Flüchtlinge auf der syrischen Seite der Grenze festgesessen, türkische Sicherheitskräfte hinderten sie am Grenzübertritt. Schliesslich öffnete die Türkei die Grenze am Sonntagabend und erneut am Montag. Zuvor hatten IS-Kämpfer Zivilisten, die in brütender Hitze an der Grenze warteten, zurück nach Tell Abjad gezwungen. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu handelt es sich bei den Flüchtlingen vor allem um Turkmenen und Araber.

Vorwurf der ethnischen Säuberung

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei verdächtigt die YPG, bei ihrem Vormarsch Turkmenen und Araber aus deren Siedlungsgebieten zu vertreiben. Ein Bündnis von islamistischen Rebellengruppen warf den Kurden in einer Erklärung eine «ethnische Säuberung» vor.

Die Regierung in Ankara befürchtet zudem, die Kurden könnten in Syrien einen eigenen Staat ausrufen und Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befördern. In der Türkei haben nach UNO-Angaben seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor vier Jahren gegen 1,8 Millionen Syrer Zuflucht gesucht.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Grossartig wie die Kurtischen Frauen den IS (Idiotenstaat) besiegt haben!
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  • Kommentar von E. Jenni, Ottikon
    Das ist gut so. Ich mag es den Kurden gönnen, wenn sie endlich ihren eigenen Staat erhalten. Dieser ist schon lange überfällig! Die Kurden sind die einzigen in diesem Gebiet, welche von den IS nicht feige fliehen und bei welchen die Struckturen stimmen. Am Beispiel der Kurden kann man sehen, was man gemeinsam erreichen kann und wie feige der IS agiert! Stossen sie auf entschlossene Gegenwehr, ist ihr Machogehabe alleine nicht mehr ausreichend.
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    1. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      stimm so nicht, auch die Kurdenkämpfer in Irak und Syrien sind letztes Jahr vor dem IS davon gelaufen, zum Nachteil vieler Zivilisten.
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    2. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      @Anderegg: Ja, in diesem Punkt gebe ich ihnen recht, nur sie hatten zu Beginn gar keine andere Wahl. Sie mussten sich zuerst organisieren und die Waffen fehlten grösstenteils auch. Selbstmord zu begehen ist auch keine Option. Sie erinnern sich sicher noch an die Kämpfe rund um Kobane. Aber was und wieso es genau geschah, dass die Kurden fliehen mussten, wissen wohl nur sie selbst. Fakt ist, das die Kurden nun besser formiert sind und durch die jüngsten Erfolge gegen den IS auch gestärkt.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Die Kurden streben mit Recht autonome Gebiete an. Im Irak bezahlten Tausende die Autonomiebestrebungen während des 1. Irak-Krieges Anfang der 1990 mit dem Leben. Saddam liess sie mit Giftgas töten. Der Westen benutzte sie als Widerstand gegen Saddam und liess sie dann im Stich. In Syrien kämpften sie teils erfolgreich gegen die IS, unterstützt von der NATO. Aus Erfahrung sind sie aber vorsichtig. Wenn es um wirtschaftliche Belange geht, sind meist grössere Zusammenhänge wichtiger .
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      C.Szabo: Erst einmal müssen sich die YPG/PKK u. KPG in Erbil noch enger annähern, damit die Türkei keinen Keil zwischen "Irakischen" u. "syrische" Kurden treiben kann. Wichtig ist auch wie sich die Golfstaaten verhalten. Kurden und Araber gehen sich meistens aus dem Weg, ein Miteinander gab und gibt es nicht. Die Schiiten sind ebenfalls ein wichtiger Faktor. Bis jetzt rechnet "Erbil" mit bis zu 100'000 Mann schiitischer Milizen, nur im Irak!
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    2. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      die zahlenmässige Überlegenheit hat der Anti IS Allianz bis jetzt aber nicht viel genützt, der IS soll jetzt schon bis zu 200.000 Kämpfer umfassen.
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    3. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      R. Anderegg: Sie verstehen mich falsch. Es war nur eine Bemerkung bez. der Mannstärke der schiitischen Milizen. Nicht in Bezug auf die Kurden. Bei der Anti-IS Allianz beteiligen sich die Kurden nur bedingt. Die Spannungen zwischen Bagad u. Erbil sind beträchtlich. So erklärt sich auch warum die Kurden Mossul kaum stürmen werden. Sie werden den Nachschub der IS dortin weiterhin abschnüren und ehem. kurdische Gebiete in der Region befreien aber nicht mehr.
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