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International Lage in Libyen spitzt sich zu – Schweizer sollen abreisen

Wegen der heftigen Kämpfe rivalisierender Milizen in Tripolis hat das EDA alle Schweizer dazu aufgerufen, Libyen zu verlassen. Nachdem bereits gestern ein gigantischer Treibstofftank durch die Kämpfe in Brand geraten war, fing heute ein weiterer Feuer. Nun droht auch noch eine Umweltkatastrophe.

Legende: Video Länder warnen vor Reisen nach Libyen (Tagesschau, 27.07.2014) abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.07.2014.

Die Lage in Libyen wird für Ausländer immer gefährlicher. Wegen anhaltender Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen und der Gefahr von Entführungen ruft das EDA alle Schweizer auf, das nordafrikanische Land sofort zu verlassen (siehe Box). Die Lage sei extrem unübersichtlich und unsicher.

Auch die USA zogen am Samstag ihr Botschaftspersonal aus der Hauptstadt Tripolis ab. Das US-Botschaftsgebäude ist nicht weit vom internationalen Flughafen entfernt, um dessen Kontrolle die Milizen kämpfen. Dabei kamen bereits Dutzende Menschen ums Leben, der Flughafen wurde stark beschädigt. Bei den Milizen handelt es sich um ehemalige Revolutionsbrigaden, die 2011 am Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi beteiligt waren. Sie weigern sich bis heute, ihre Waffen abzugeben.

Angriff auf britischen Konvoi

In einer Erklärung des US-Aussenministeriums heisst es, die Evakuierung sei eine «vorübergehende» Massnahme, bis die Sicherheitslage sich wieder verbessere. Übergangsweise werde das Botschaftspersonal von Washington und anderen Orten in der Region aus weiterarbeiten. Das Ministerium warnte zugleich US-Staatsbürger erneut vor Reisen nach Libyen. Wer sich zurzeit dort aufhalte, solle es «unverzüglich» verlassen, hiess es.

Auch das britische Aussenministerium hat alle Briten aufgefordert, das Land zu verlassen. Dies, nachdem ein Autokonvoi der britischen Botschaft unter Beschuss geraten war.

Das brennende Treibstofflager.
Legende: Der brennende Treibstofftank. SRF

Treibstofftank getroffen

Libyens staatlicher Ölkonzern NOC warnte vor einer «Katastrophe für Mensch und Umwelt», nachdem am Sonntag bei den Gefechten in der Hauptstadt Tripolis ein gigantischer Treibstofftank in Brand geraten war. Der sechs Millionen Liter fassende Speicherbehälter sei von einer Rakete getroffen worden, sagte ein NOC-Sprecher. Der Tank befindet sich entlang der Strasse zum internationalen Flughafen von Tripolis.

Feuer greift weiter aus - Monster-Explosion droht

Die Befürchtung, dass sich das Feuer ausweiten könnte, bestätigte sich heute. So liess die libysche Regierung verlauten, dass ein zweiter Treibstofftank vom Brand erfasst worden sei, die Situation sei «sehr gefährlich». Es drohe «eine humanitäre und ökologische Katastrophe mit schwer abzuschätzenden Folgen», so die Regierung in ihrer kurzen Mitteilung.

Insgesamt haben die angrenzenden Tanks mehr als 90 Millionen Liter Fassungsvermögen. Eine allfällige Explosion könne gemäss NOC in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern schwere Schäden anrichten. Einsatzkräfte versuchen, die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Flughafen im Zentrum der Gefechte

Die jüngste Gewalt am Flughafen Tripolis war vor gut zwei Wochen ausgebrochen. Der internationale Airport stand unter Kontrolle von Kämpfern aus der Stadt Al-Sintan und wurde von einer islamistischen Brigade aus Misrata angegriffen. Der UNO-Missionschef Tarek Mitri sprach von einer Entscheidungsschlacht der beiden grössten Milizen des Landes.

Zugleich führt in Libyen der pensionierte Generalmajor Chalifa Haftar seit Mitte Mai einen eigenmächtigen Krieg gegen islamische Extremisten. Die meisten dieser Kämpfe gibt es in Bengasi, wo im Februar 2011 der Aufstand gegen Gaddafi begann. Dort wurde auch am Wochenende weitergekämpft. Mediziner meldeten allein am Samstag nach Angaben von «Libya Herald» mindestens zehn Tote.

EDA rät von Reisen ab

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) warnt vor Reisen nach Libyen. Das EDA empfiehlt Schweizer Staatsangehörigen, die sich in Libyen aufhalten, das Land mit eigenen Mitteln vorübergehend zu verlassen, wenn dies möglich und sicher erscheint. Die Schweizer Botschaft bleibt dagegen weiterhin geöffnet.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Und schon bald haben wir das naechste islamistische Kalifat vor unserer Nase...
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  • Kommentar von Martin Lopez, Zürich
    Um das was in Sachen arabischer Frühling abgelaufen ist besser zu verstehen, empfehle ich auf Youtube nach "Revolution Business" zu suchen.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Länder wie Libyen oder auch Syrien mit den verschiedenen Volksstämmen brauchen eine feste Hand in der politischen Führungen sowie Ghadhafi, ansonsten versinken sie im Chaos wie wir hier in Libyen sehen. Gemäss General Wesley Clark steht dieses Land wie auch Syrien auf einer Liste der Länder, die zerstört werden sollen. Roberts hat in seinem letzten Buch beschrieben, wie die Demonstrationen in diesen Ländern entstanden sind. How Amerca was lost, Titel des Buches.
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    1. Antwort von Frederic Weil, Adliswil
      In Lybien gibt es "immer noch" zuviele wirtschaftliche Interessen, um es aufzugeben. Mit Syrien tendiere ich Ihnen Recht zu geben. Kein Mensch interessiert sich mehr für Syrien mit 160'000 Toten (auch Frauen und Kinder) und 2,6 Mio Flüchtlichen. Da ist der Konfikt Gaza/Israel gerade eine "vernachlässigbare" Grösse (auch schrcklich), die aber die Welt mehr beschäftigt als alles Andere.
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