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International Liberia: Alle 25‘000 Uni-Anwärter durchgefallen

Wenn alle Kandidaten eines Landes bei der Uni-Aufnahmeprüfung scheitern, kann etwas nicht stimmen. Zu diesem Schluss kommt auch die Bildungsministerin von Liberia. Sie spricht gar von einem «bildungspolitischen Massenmord», wie Westafrika-Korrespondentin Anne Allmeling berichtet.

Liberianische Uni-Anwärter an Prüfung.
Legende: Aufnahmeprüfung für die staatliche Universität Liberia in Monrovia vom Juni 2013. Keystone

Das westafrikanische Land Liberia muss zurzeit einen bildungspolitischen Gau verarbeiten: Sämtliche Schulabgänger, die den Zulassungstest zur staatlichen Universität absolvierten, sind 2013 durch die Prüfung gefallen – 25‘000 Kandidatinnen und Kandidaten.

Liberials Bildungsministerin Etmonia David-Tarpeh spricht von einem «bildungspolitischen Massenmord». Sie räumt zugleich Schwächen im Bildungssystem ein und will die Testergebnisse überprüfen lassen.

Kriterien heimlich verschärft?

Die Ursachen für das flächendeckende Scheitern werden noch untersucht, wie die freie Journalistin Anne Allmeling erklärt: Ein Uni-Mitarbeiter sprach gegenüber dem Sender BBC offiziell von mangelnden Englischkenntnissen und fehlendem «Enthusiasmus». Der Verantwortliche deutete zugleich «leicht gehobene Anforderungen» im Vergleich zum Vorjahr an.

Um die Mindestanforderungen für die Aufnahme zu erfüllen, müssen die Kandidaten 50 Prozent der Mathematik- und 70 Prozent der Englisch-Aufgaben richtig lösen, wobei Englisch für die meisten nicht Muttersprache ist.

Kunstgriff zur Rettung des Jahrgangs

Damit es im kommenden Jahr trotzdem einige Erstsemestrige geben wird, hat die Unileitung als Sofortmassnahme den Prüfmassstab auf Vorjahresniveau zurückgeschraubt – mit einer 40-Prozent-Erfolgsquote für Mathematik und 50 Prozent für Englisch.

Auf diese Weise werden es voraussichtlich gut 1500 Schulabgängerinnen und -abgänger doch noch an die staatliche Universität schaffen. Vor Jahresfrist waren es unter gleichen Bedingungen über 7000 gewesen.

Schwerer Verdacht

Die Reaktionen im Land auf das Debakel sind heftig. Ein Studentenvertreter vermutete eine «Aktion» der Universität zur Senkung der Immatrikulationszahlen. Ein weiterer noch unbestätigter Vorwurf: Nur zwei Personen sollen sämtliche 25‘000 Eintrittsprüfungen korrigiert haben.

Laut Allmeling hat Bildung in Liberia einen sehr hohen Stellenwert, da sie einer der wenigen Wege aus der Armut ist. Nur ganz wenige könnten es sich leisten, einer privaten Ausbildung nachzugehen. Dass ihnen die weitere Ausbildung nun versagt werde, sei für viele Liberianer eine grosse Katastrophe.

5 Kommentare

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  • Kommentar von kari huber, surin
    So ist es auch in Thailand. Nur mit dem Ventil, das in den Kommentaren genannt wird. Aber vielleicht auch mit einer wichtigen Parallele: Kaum eine Lehrerin, ein Lehrer spricht englisch, auch wenn sie dieses Fach unterrichten. Die Nichte meiner Frau studiert Englisch an der Uni Buriram. Erst im 5. Semester bekam sie einen Professor, der auch in der Lage war, einigermassen englisch zu sprechen. Für mich eine Bankrotterklärung des Bildungswesens!
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Es ist schon so dass der Bildungsstand wie auch der Bildungswille in gewissen Laendern, speziel den Afrikanischen, sehr niedrig ist und dann die Pruefungen angepasst werden damit viele durchkommen, das schadet letztendlich der Wirtschaft. Aber die Denkweise ist halt grundverschieden von der Europaeischen. Da hat man wohl den Versuch unternommen, das Niveau der Kandidaten zu heben um sie UNI-WUERDIG zu bekommen. Das Resultat: siehe Oben
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  • Kommentar von Karl Brändle, 8706 Meilen
    Vielleicht hätte Herr Weeler den Ort seines Erlebnisses nenen können damit die bekannte Flut der Kritiker auf diese Lehranstalt mi teinem gewichtigen Wort hätten Zugang erhalten können. Somit bleibt der Hintergrund dieser Intervention aus Dornach bewusst oder unbewusst vergessen, es sei denn er wollte das Prüforgan vom Verdacht befreien. einen, mehrere oder gar alle zu prüfenden Studenten durchrasseln lassen, womit dann der Weg zum Überfall frei geworden wäre ! Humor darf doch auch einmal sein !
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    1. Antwort von Nemo Tenetur, Bern
      Herr Weeler studiert offenbar Rechtswissenschaften im zweiten Jahr an der Universität Fribourg. Herr Weeler, so hart sind die Prüfungen von Prof. Pahud de Mortanges nun auch wieder nicht...
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