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International Liberia warnt vor Ebola-Katastrophe

Fluggesellschaften streichen bereits Flüge in die Region, in der es fast 60 Tote binnen drei Tagen gab. Mehr und mehr Staaten raten von Reisen in die betroffenen Gebiete ab. Liberias Präsidentin konstatiert «Angst und Panik» in ihrem Land.

Eine Fachperson klärt Afrikaner über Ebola auf.
Legende: Hundertschaften von Fachkräften seien nötig, um der Seuche Herr zu werden, betont die WHO. Reuters

Monate nach Beginn der Ebola-Seuche in Westafrika sollen die betroffenen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone massive internationale Hilfe erhalten.

Legende: Video Ebola-Epidemie ausser Kontrolle abspielen. Laufzeit 0:22 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 01.08.2014.

Auf einem Sondergipfel in Conakry, der Hauptstadt Guineas, berieten die drei Staatschefs gemeinsam mit WHO-Generaldirektorin Margaret Chan über ein Notprogramm in Höhe von 100 Millionen Dollar. Die Seuche breite sich «schneller aus als unsere Anstrengungen, sie zu kontrollieren», sagte Chan in Conakry.

Es gelte, die Massnahmen zur Aufklärung zu verstärken, Fälle schnell und sicher aufzuspüren und angrenzende Länder vor einem Übergreifen der Epidemie zu bewahren, hiess es von der WHO. Wichtig sei zudem ein besserer Schutz der Mitarbeiter in den Kliniken und Gesundheitszentren.

Die Lage ist ausser Kontrolle
Autor: Mariano LugliKoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Genf

Der WHO zufolge müssen mehrere Hundertschaften medizinischen Fachpersonals in die Seuchenregion entsandt werden, um dort überforderte Behörden und Hilfskräfte zu unterstützen. Dringend angefordert hätten die Krisenländer vor allem Ärzte, Krankenpfleger und Epidemiologen.

«Die Lage ist ausser Kontrolle», warnte Mariano Lugli, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Genf. Das Virus sei nicht zu stoppen und die lokalen Gesundheitsbehörden seien überfordert.

Legende: Video Ebola vermutlich durch Flughunde übertragen abspielen. Laufzeit 2:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.07.2014.

Grenzgebiet als Quarantänezone

Ausserdem sollen mithilfe des 100 Millionen Dollar umfassenden Hilfsprogramms die Grenzkontrollen in der Region verschärft, Erkrankte früher identifiziert und systematische Behandlungen garantiert werden. Die WHO spricht von mehr als 1300 Infizierten in Westafrika, 729 Menschen überlebten die Ebola-Infektion nicht.

Guinea, Sierra Leone und Liberia erklärten das gemeinsame Grenzgebiet zur Quarantänezone. Die als Epizentrum der Seuche identifizierten Gegenden würden von der Polizei und den Streitkräften isoliert, Anwohner mit Hilfslieferungen versorgt, teilte die regionale Wirtschaftsorganisation Mano-Fluss-Union, der alle drei Länder und die Elfenbeinküste angehören, mit.

Warnung vor «Katastrophe»

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf warnte, die Epidemie in ihrem Land nähere sich einer «Katastrophe». Nachdem die Menschen monatelang die Gefahren geleugnet hätten, wachse nun die «Angst und Panik», sagte sie dem US-Sender CNN. Dringend nötig seien mehr Ärzte und medizinische Ausrüstung.

Liberia hatte am letzten Wochenende wegen der Epidemie den Notstand ausgerufen und kurz darauf sämtliche Grenzen geschlossen. Das Nachbarland Sierra Leone erklärte am Donnerstag ebenfalls den Notstand. Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma will durch den Schritt versuchen, die Seuche mit einem verschärften Massnahmenpaket in den Griff zu bekommen. So sollen ganze Gebiete im Osten des Landes unter Quarantäne gestellt werden. Koroma will zudem nach eigenen Angaben alle öffentlichen Zusammenkünfte untersagen.

Die Präsidenten Sirleaf und Koroma sagten wegen der Epidemie ihre Teilnahme am US-Afrikagipfel von kommender Woche ab, wie das Aussenamt in Washington mitteilte.

Reisehinweise

Unterdessen wächst die Sorge, der Erreger könnte sich durch Flugreisende auch in andere Gegenden der Welt ausbreiten. Das europäische Seuchenzentrum ECDC stuft die Gefahr einer Ebola-Infektion bei Reisen zwar als sehr gering ein.

Dennoch raten inzwischen sowohl Deutschland als auch die USA und Frankreich sowie mehrere asiatische Staaten von verzichtbaren Reisen nach Guinea, Liberia und Sierra Leone ab. Die Schweiz hat ihre Reisehinweise wegen der Epidemie bisher nicht angepasst.

Erste Flüge gestrichen

Als erste internationale Fluggesellschaft strich die Airline Emirates alle Flüge in die betroffene Region. Die USA schickten am Freitag ein Charterflugzeug nach Liberia, um zwei erkrankte Amerikaner nach Hause zu holen. In sozialen Netzwerken regte sich die Angst, auf diese Weise Ebola in die USA einzuschleppen.

Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976. Zudem ist es die erste Epidemie mit dem besonders gefährlichen Zaire-Ebola-Virus in Westafrika. Der Erreger löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen.

Weitere Verdachtsfälle in Nigeria

Zwei möglicherweise mit dem Ebola-Virus infizierte Menschen sind in Nigeria auf einer Krankenstation isoliert worden. 69 weitere seien unter Beobachtung gestellt, berichtete die nigerianische Zeitung «Punch».

Die Erkrankten sollen Kontakt zu einem Berater der liberianischen Regierung gehabt haben, der diese Woche in einem Krankenhaus in Lagos an Ebola gestorben war. Der 40-Jährige war dort am Flughafen zusammengebrochen.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Meier, 4104 Oberwil
    Die weiteren Verdachtsfälle in Nigeria seit dem Vorfall des Zusammenbruchs des Ebolapatienten am Flughafen verdeutlichen doch die Notwendigkeit, nun die Flugrouten zu streichen. Auch für die Schweiz! Oder denken die Schweizer, sie seien immer immun gegen alles? Es sind in den betroffenen Ländern ja auch erfahrene Aerzte und weitere Mitarbeiter bereits erkrankt und gestorben. Es ist fahrlässig die Gefahr zu unterschätzen...
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Die Krankheit ist schon seit Jahren bekannt. Die Pharma-Industrie entwickelt keine Medikamente, das es sich finanziell nicht lohne. Wieso wird nicht mit staatlichen Geldern geforscht? Andereseits ist auch bekannt, dass sich die Krankheit durch das Essen von Affenfleisch verbreitet hat. Diese Sitten zu ändern liegt nicht in der Macht Europas. Wenn man sieht, wieviel vergammeltes "Bush meat" unser Zoll jährlich abfängt, kann man sich ein Bild davon machen.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Bush-meat...vergammelt.. Aber aber, Bilton ist gewoehnliches Trockenfleisch und besteht zu 95% aus Rindfleisch, die anderen 5% sind Wild, vorab Impala, viele andere Wildtiere sind nicht geeignet wegen Geschmacks-Problemen..(Boeckele) und wo Elefant drauf steht muss nicht drin sein! Ich selber mache jedes Jahr Bilton vom Rind, sehr gut!!! Und Affen.. es wird eben alles gegessen was Fleisch heisst und erlegt werden kann den Nativen fehlt es oft am Noetigsten zum Ueberleben, da hilft man sich
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      F.N./Wie wär's damit,die Reproduktionsrate zu senken?Müsste womöglich weniger "geholfen" werden.Wenn man schon weiss was man alles erlegen und essen kann,was sich bewegt,sollte man auch wissen was man tun sollte,dass sich "danach" etwas weniger auf zwei Beinen bewegt.Wo ein Wille ist,ist bekanntlich ein Weg.Oder gehen diese Leute früher oder später mal dazu über,sich gegenseitig aufzuessen?Wie auch schon gehabt? Was kommen dann noch für Seuchen,ausser der totalen Massenverblödung?
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    3. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Geschätzte hier schreibende. Zu Ebola etwas off-topic, aber Busch meat vergammelt. Okt. 92 besuchte ich zum letzten mal SA und verbrachte ein paar Tage mit Familienangehörigen in Johannesburg. An einem Sonntag besuchten wir Pretoria und abends auf der Rückfahrt ein Restaurant namens "The Blue Train". Ausgemusterte Waggons dienten als Speisesaal. Nirgendwo auf Erden erlebte ich ein variableres Fleischbuffet FRISCH. Zu Biltong, nichts anderes als Bündner- / Walliser Tockenfleisch, meist Rind.
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  • Kommentar von André P., ebikon
    sie holen das Virus also in die USA...wow!
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    1. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Das ist schon in den USA. Zumindest sein Bruder das Marburg-Virus und vom US-amerikanischen CDC als potentieller biologischer Kampfstoff der höchsten Gefahrenklasse eingestuft. Auch Marburg stammt aus Afrika. Höchstwahrscheinlich von infizierten Versuchsaffen (Meerkatzen) aus Uganda in die Labore des Pharmakonzerns Behringwerke im hessischen Marburg eingeschleppt worden. Quelle Wikipedia.
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