Libyen: Bis zu 200'000 Flüchtlinge startklar

Ein neuer Zustrom von Asylsuchenden könnte schon bald Europa erreichen. Nach Schätzungen des deutschen Entwicklungsministers warten bis zu 200'000 Afrikaner in Libyen auf eine Gelegenheit zur Überfahrt. Gleichzeitig hat sich die Zahl der IS-Kämpfer im Land verdoppelt.

Magranten in einem Zimmer.

Bildlegende: Berlin befürchtet: Zahlreiche Migranten warten in Libyen auf die gefährliche Überfahrt nach Europa. Keystone/Archiv

Schon bald sei mit einem neuen Zuzug zahlreicher Flüchtlinge aus Nordafrika zu rechnen. Davon geht der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller aus. «Nach unseren Informationen warten allein in Libyen 100'000 bis 200'000 Afrikaner, die aus Staaten südlich der Sahara kommen, auf ihre Überfahrt nach Europa», sagte er der «Rheinischen Post».

Die Schlepperbanden seien «voll in Aktion», fügte er hinzu. «Die libysche Regierung braucht Autorität, Institutionen, Ausbildung von Polizei und den Ausbau der Küstenwache», mahnte der Minister. Er sprach sich zudem für einen gesamteuropäischen Marshall-Plan zur Bewältigung der Flüchtlingskrise aus und forderte einen eigenständigen EU-Flüchtlingskommissar.

Bis zu 6000 IS-Kämpfer in Libyen aktiv

Libyen versinkt seit dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 im Chaos. Mehrere bewaffnete Gruppen kontrollieren Teile Libyens, darunter auch die radikal-islamische IS-Miliz.

Die Zahl der Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen hat sich nach Angaben der USA binnen gut eines Jahres verdoppelt. Derzeit seien schätzungsweise zwischen 4000 und 6000 IS-Kämpfer in dem nordafrikanischen Land aktiv.

Dies seien gut doppelt so viele wie noch vor zwölf bis 18 Monaten, sagte der Oberbefehlshaber des US-Afrika-Kommandos, David Rodriguez, in Washington. Allerdings gelinge es ihnen anders als den IS-Kämpfern in Syrien und dem Irak nicht, rasch Geländegewinne zu erzielen.

In Libyen herrschten «bedeutend andere Bedingungen», sagte Rodriguez. Dort habe der IS nicht genügend einheimische Kämpfer, die das Land gut kennen würden. Zudem schätzten die einheimischen Milizen keine Einmischung von aussen.