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International Libyen: Wie Schleuser dem IS helfen

Im Geflecht von Machthabern und Milizen erstarkt in Libyen der IS. Die islamistischen Fanatiker benutzen die gleichen Schlepperrouten wie die Migranten.

Legende: Video Libyen: Dschihadisten nach Europa geschleust abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 13.04.2016.

Libyen gilt als Tor zu Europa. Je ruhiger das Meer, desto mehr Migranten wagen die lebensgefährliche Überfahrt von der libyschen Küste nach Europa. In diesem Jahr strandeten bereits rund 20'000 Migranten in Süditalien. In Libyen warten Zehntausende Menschen darauf, nach Europa zu kommen. Regierungschefs und Hilfswerksorganisationen sind alarmiert.

Die «Rundschau» zeigt exklusive Bilder aus dem nordafrikanischen Wüstenstaat. Mehrere Hunderttausend Migranten – meist Schwarzafrikaner – halten sich in Libyen auf.

Gefängnis ohne Gerichtsurteil

Viele arbeiten als Tagelöhner oder werden von den Schleppern verkauft. Wer keine Papiere hat, stecken die Milizen in Internierungslager – ohne Gerichtsurteil, oft monatelang unter prekären Bedingungen. «Sie werden uns fertigmachen hier. Jede Nacht schliessen sie uns in die Zellen, sie schiessen in die Luft, schlagen uns», sagt ein 12-Jähriger gegenüber der «Rundschau».

Libyen nach Gaddafi: Das Land ist zu einem Flickenteppich rivalisierender Milizen geworden. Die UNO stützt die neue Einheitsführung. Die aber steht auf wackligen Beinen: Sie muss zwei verfeindete Regierungen und verschiedenen Milizen einen. Zudem hat sich im Machtvakuum der selbst ernannte Islamische Staat (IS) eingenistet – vor allem in Sirte, der Heimatstadt des getöteten Diktators Gaddafi.

Kämpfer als Migranten eingeschleust

Die IS-Hochburg liegt an der Küste, weit weg von den Landesgrenzen. Für ausländische Dschihadisten – vor allem Tunesier – ist es deshalb nicht ganz leicht, nach Sirte zu reisen und sich dem IS anzuschliessen.

Damit der Nachschub an Kämpfern nicht versiegt, verlässt sich der IS auf die traditionellen Netzwerke der Menschenschmuggler. Die Schleuser wissen oft nicht, dass sie neben Migranten auch IS-Anhänger an die libysche Mittelmeerküste schmuggeln. Auch den Milizen, die den IS bekämpfen, fällt es schwer zu unterscheiden, wer ein echter Migrant ist und wer zum IS will.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Wann beginnen die Eliten endlich umzudenken? Einmal eingeschlagene Wege scheinen in der Politik für die Ewigkeit gemacht und unkorrigierbar. In Köln war es das wichtigste, festzustellen, dass keine "Schutzsuchenden" dabei waren. Noch jetzt wird behauptet. es befänden sich keine "Gefährder" unter den Migranten und schliesslich hätten wir die IS-Leute selber herangezogen und überhaupt seien wir selber an allem schuld und darum sei es unsere Pflicht (humanitärer Imperativ ) alle aufzunehmen.
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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Wer das voriges Jahr voraussagte war ein Verschwörungstheoretiker oder Rechter.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Da hilft nur ein einziges Gegenmittel -Kriegstransportschiffe bringen wieder umgehend alle in Süditalien eintreffenden Leute wieder nach Libyen zurück. So hart das klingt aber es herrscht eben Krieg . Wer da von Integration schwafelt, verkennt die Brisanz der Lage völlig .
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