Linke-Fraktionschef Gysi zieht sich zurück

Er wolle den Vorsitz «in jüngere Hände übergeben», sagte der 67-jährige Gregor Gysi auf dem Linke-Parteitag in Bielefeld. Deshalb werde er im Herbst nicht mehr kandidieren. Mitglied im Bundestag will Gysi aber bleiben.

Gregor Gysi am Parteitag der Linken.

Bildlegende: Linke-Fraktionschef Gregor Gysi will mit 67 in Rente – zumindest teilweise. Keystone

Er ist der dienstälteste Fraktionschef im Parlament: Seit 2005 steht Gregor Gysi an der Spitze der Bundestagsfraktion von Die Linke. Nun macht er den Weg frei für einen – wie er explizit betont – jüngeren Nachfolger. Gysi kündigte am Sonntag am Parteitag in Bielefeld an, dass er seinen Posten im Herbst aufgeben werde.

Er werde auch nicht versuchen, «die Fraktion auf indirekte Art weiter zu leiten», versprach Gysi. Abgeordneter bleibe er jedoch – bis mindestens 2017. Ob er auch darüber hinaus im Bundestag bleibe, werde sich nächstes Jahr entscheiden.

Sahra Wagenknecht

Bildlegende: Will sie oder will sie nicht? Gysis mögliche Nachfolgerin Sahra Wagenknecht. Keystone

Offene Nachfolge

Mit 64 Abgeordneten ist die Linke derzeit die grösste Oppositionspartei – noch vor den Grünen. Die Wahl der neuen Fraktionsspitze ist für den 13. Oktober geplant. In den Umfragen liegt die Linke bundesweit derzeit bei etwa neun bis zehn Prozent. Nach Gysis Rückzug wird die Linke-Fraktion künftig vermutlich wieder von einer Doppelspitze geführt.

Als naheliegende Nachfolger gelten die Wortführerin des linken Flügels, Sahra Wagenknecht (45), und der Reformer Dietmar Bartsch (57). Beide sind bislang Gysis Stellvertreter. Allerdings hatte Wagenknecht erst im vergangenen März verkündet, dass sie nicht Fraktionsvorsitzende werden will. Sie begründete dies damals mit dem mangelnden Rückhalt in der Fraktion.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Casper Selg