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International Lob für die Helden des Thalys-Zugs

Französische Anti-Terror-Ermittler prüfen, ob der Schütze im Thalys-Zug einen islamistischen Hintergrund hat. Derweil stehen die Männer, die mit ihrem schnellen Handeln womöglich ein Blutbad verhinderten im Scheinwerferlicht.

Legende: Video Die Helden des Thalys-Zuges abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.08.2015.

Sie stoppten den Schützen, der mit einer Kalaschnikow in einem Schnellzug um sich schoss: Nun feiern Frankreich und die USA die mutigen Passagiere als Helden. Unter Lebensgefahr hatten sie den Schützen im Thalys-Zug überwältigt. Ihrer Courage und Beherrschung habe man viel zu verdanken, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve.

Insgesamt waren laut Cazeneuve fünf Fahrgäste an der Aktion gegen den Schützen beteiligt – ein Franzose, zwei US-Soldaten in Zivil und ein befreundeter amerikanischer Student sowie ein britischer Geschäftsmann.

Einladung in den Élyséepalast

US-Präsident Barack Obama lobte, die Passagiere hätten mit ihren «heldenhaften Taten» möglicherweise eine weitaus schlimmere Tragödie verhindert. Frankreichs Staatschef François Hollande lud sie für die kommenden Tage in den Élyséepalast ein, während französische Medien ihnen bereits den Ehrentitel «Helden des Thalys» verliehen. Und auch Nato-Oberbefehlshaber Philip M. Breedlove zeigte sich «extrem stolz» auf die beteiligten Militärs.

Die Schüsse fielen, als der Thalys-Zug gerade durchs belgisch-französische Grenzgebiet fuhr. Beim Schützen handelt es sich um einen 25-jährigen Marokkaner mit islamistischem Hintergrund, wie aus Polizeikreisen verlautete. Spanische Behörden hätten den Marokkaner den französischen Stellen als Islamisten gemeldet, hiess es weiter. Der Schütze selbst bestreitet offenbar terroristische Absichten.

«Geschlagen, bis er bewusstlos war»

Der französische Innenminister Cazeneuve schilderte den Ablauf der Ereignisse im Zug wie folgt: Der Franzose sei auf dem Weg zur Toilette gewesen, als der Mann mit der Waffe plötzlich vor ihm stand. Er versuchte, ihn zu stoppen, dann fielen Schüsse.

Ein Mann mit Armbinde verlässt das Spital
Legende: Der Angreifer verletzte den US-Amerikaner Spencer Stone an der Hand, als dieser ihn stoppen wollte. Reuters

Die Soldaten kamen zu Hilfe: «Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war», sagte Nationalgardist Alek Skarlatos. Der US-Sender CNN verbreitete ein Video, das den Schützen mit nacktem Oberkörper und gefesselten Armen auf dem Boden des Zugs zeigen soll. «Wir haben alle extrem Glück gehabt», betonte der britische Geschäftsmann Chris Norman. «Ich glaube, dass seine Waffe eine Ladehemmung hatte.»

Der US-Soldat Spencer Stone wurde mit einem Cutter-Messer verletzt. Ein Schuss traf einen Franko-Amerikaner an seinem Platz. Stone konnte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.

Nach Syrien gereist

Der Fall liegt nun in den Händen der für Terrorismus zuständigen Pariser Staatsanwaltschaft, auch in Belgien wird ermittelt. Der Verdächtige wird in einem Vorort von Paris verhört. Er hatte auch eine automatische Pistole und zehn Magazine bei sich.

Nach Angaben der spanischen Ermittler lebte der Mann sieben Jahre lang in Spanien – zunächst in Madrid, dann bis 2014 in Algeciras, dann sei er über Frankreich ins Bürgerkriegsland Syrien gereist. Am 10. Mai hielt er sich nach Erkenntnissen der französischen Behörden in Berlin auf. Von hier aus sei er in die Türkei geflogen, nach seiner Rückkehr habe er dann in Belgien gewohnt.

Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» aus deutschen Sicherheitskreisen soll der Mann im Mai möglicherweise an Aktionen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien teilgenommen haben.

Patrouillen in Thalys-Zügen

Nach dem Zwischenfall im Thalys-Hochgeschwindigkeitszug patrouilleren nun Polizisten in den Zügen. Derzeit sind dies französische Sicherheitskräfte. Es werde aber auch erwogen, belgische und niederländische Polizisten einzusetzen, hiess es bei der belgischen Bahngesellschaft. Auch an den Bahnsteigen, wo Thalys-Züge halten, werde Poizei eingesetzt.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Der englische Islam-Prediger Anjem Choudary hat bereits alles klar und deutlich gesagt: "Wir sind dabei, uns England zu nehmen. Die Moslems kommen. Jetzt bevölkern wir Birmingham. Brüssel ist zu 30 Prozent islamisch, Amsterdam zu 40 Prozent, Bradford zu 17 Prozent. Wir sind wie ein Tsunami, der über Europa hinwegfegt. Das ist erst der Anfang. Die Realität ändert sich. Demokratie, Freiheit, Laizität sind bloß Ideen der Kuffar, die wir beseitigen müssen.
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    1. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      Das ist Wahnsinn! Derweil Europa sich selbst zerfleischt und und Tag für Tag stückweise zerstört! Der Tag wird kommen, da werden die Europäer vor den Immigranten fliehen müssen!
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  • Kommentar von Sandra Herrman, Stuttgart
    Ich weiss, dass ich eine unbequeme Kommentarschreiberin bin. Ich nehme mir jedoch die Freiheit und mache mir noch immer meine eigene Gedanken und bemühe mich nach besten Wissen und Gewissen Einzelereignisse im Gesamtkontext zu sehen. Hier komme ich nun einmal zum Schluss, dass einiges faul ist. Ich möchte auch an die Tatsache erinnern, dass die US-Amerikaner alles andere als einen guten Ruf haben (vgl. u.a. Rolle der USA in Nahost). Durch solche Aktionen lässt sich das Image wieder aufpolieren.
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    1. Antwort von Thomas P. Treichler, Honolulu
      Verschwoerungstheorien sind Gespraechstoff der halbe gebildeten und uninformierten, motiviert von ideologisch getriebenen Emotionen. Hoert endlich auf mit dem Quatsch.
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  • Kommentar von E. Jenni, Ottikon
    @Christen: Da stimme ich ihnen voll zu, nur es wird auch hier wieder Kommentarschreiber(innen) geben, die von False Flag schwafeln und die Schuld zurück an die USA geben werden! Aber eben, im Zeitalter von facebook & co kann man sich die eigene Weltverschwörungstheorie geziehlt zusammenbasteln. Tatsache ist, dass der Attentäter nachweislich ein Islamist marokkanischer Herkunft ist. Solche Meldungen werden sich leider in Zukunft häufen, denn Europa tut zu wenig gegen die illegale Immigration!
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    1. Antwort von Freddy tobler, ZH
      In diesem konkreten Fall wäre es vermessen zu behaupten es sei eine falsflag Aktion. Auszuschließen ist es aber nicht. Und anstelle der verunglimpfung dieser Meinung rate ich ihnen zu Informationen von unabhängigen Medien. Es gab in der jüngeren Geschichte belegte falsflag Aktionen der Amis! Der schwedische Präsident Olaf Palme wurde vom CIA erschossen. Papa Busch hat den ersten Irak-Krieg mit einer lüge begonnen, genau wie junior später auch. Infotipp auf YouTube: Daniele Ganser-regimechange.
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