Lohnforderung zum dümmsten Zeitpunkt

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon will mehr Lohn: Für sich selber und für Dutzende Kadermitarbeiter der Weltorganisation. Doch das Begehren kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Der UNO fehlt es an Geld, um Notprogramme wie jene für Syrien zu finanzieren.

Ban vor einem blau-weissen Emblem der Vereinten Nationen.

Bildlegende: Ban Ki Moon möchte das Gehaltssystem der UNO ändern. Reuters

Fairerweise muss man sagen: UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon und seine Spitzenfunktionäre sind keine Abzocker. Der oberste Chef der Weltorganisation verdient mit 227'000 Dollar im Jahr deutlich weniger als ein Schweizer Bundesrat, ja sogar weniger als viele Regierungsräte oder Stadtpräsidenten in der Schweiz. Bans Stellvertreter verdienen knapp 200'000 Dollar. Immerhin: Diese Löhne sind steuerfrei, die Pensionsregelungen sind grosszügig und Ban selber bewohnt gratis eine Dienstwohnung in Manhattan. Nun sollen die Spitzenlöhne um rund zehn Prozent steigen.

Kritik von der UNO-Gewerkschaft

Am liebsten hielte der Generalsekretär die Debatte um die Kaderlöhne noch etwas unter dem Deckel. Doch die UNO-Angestelltenverbände gehen nun damit an die Öffentlichkeit. Ihr oberster Repräsentant in Genf, Ian Richards, vertritt rund 100'000 UNO-Mitarbeiter. Die meisten dieser hart und oft unter schwierigen, ja gefährlichen Bedingungen arbeitenden Angestellten empfänden eine Erhöhung der Spitzenlöhne als stossend, sagt er. Zumal gleichzeitig erwogen wird, die tiefsten Gehälter zu senken.

Hinzu kommt, dass Generalsekretär Ban viele Stellen aus den teuren UNO-Sitzen New York und Genf weg an billigere, aber aus Sicht der Angestellten deutlich weniger attraktive Orte – wie Bangkok oder Nairobi – verschieben will. Und schliesslich wird die UNO seit Jahren kritisiert, junge Leute auszubeuten, die unbedingt ein Praktikum bei den Vereinten Nationen machen wollen. Ihr Interesse sei oft so gross, dass viele bereit seien, lange Zeit fast umsonst qualifizierte Arbeiten zu verrichten.

Lohnunterschiede sollen grösser werden

Ban scheint der Lohnstreit etwas peinlich. Er selber äussert sich nach aussen gar nicht. Er schickt seinen Sprecher vor, der verklausuliert von einer «Dekompressierung» der UNO-Lohnstruktur spricht. Er meint damit nichts anderes, als die Unterschiede zwischen oben und unten zu vergrössern. Der Generalsekretär finde, das sei nötig, weil die UNO sich an anderen internationalen Organisationen orientieren müsse, sagt der Sprecher.

Aus der Privatwirtschaft ist sattsam bekannt, dass solche Argumente fast immer zu Lohnerhöhungen beim hohen Kader führen. Ausserdem kommt die Lohndebatte bei der UNO im allerdümmsten Moment: Seit Monaten klagt die Organisation, dass ihr die humanitären Herausforderungen in Syrien und neuerdings immer mehr auch in Libyen, Somalia oder Jemen finanziell über den Kopf wachsen. Es drohen sogar Kürzungen bei Nothilfeprogrammen.

Ban selber betrifft es nicht mehr

Noch könnte Ban darauf verzichten, eine Kaderlohnerhöhung formell zu beantragen. Und falls er sie trotzdem fordert, könnte die UNO-Generalversammlung im Herbst das Begehren abschmettern, statt wie meistens bisher in ähnlichen Fällen einfach durchzuwinken. So oder so: Selber würde Ban von der Lohnerhöhung kaum mehr profitieren. Seine zweite Amtszeit läuft nächstes Jahr aus.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die grösste humanitäre Tragödie, die der Brite Stephen O‘Brien von seiner Vorgängerin übernimmt, ist jene in Syrien.

    Syrien als Herausforderung für den Uno-Nothilfechef

    Aus Echo der Zeit vom 31.3.2015

    Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat mehr als 50 Stellvertreter. Die meisten von ihnen kennt ausserhalb der Uno kaum jemand - mit Ausnahme des Uno-Nothilfechefs. Der Brite Stephen O'Brien übernimmt diesen exponierten Posten im Mai.

    Vor allem die humanitäre Tragödie in Syrien wird ihn beschäftigen, das zeigt sich an der Geberkonferenz in Kuwait.

    Fredy Gsteiger