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Terror in London «London lebt seit Jahren mit dieser Terrorgefahr»

Die britischen Behörden werden im Umgang mit Terrorakten mehr und mehr zu Routiniers. Wie Jahre der Terrorgefahr wirken – eine Einschätzung von SRF-Korrespondent Urs Gredig in London.

SRF: Was ist der aktuelle Stand der Ermittlungen, Urs Gredig?

Urs Gredig: Gemessen an der bisherigen offiziellen Version gibt es nicht viel Neues. Die britischen Behörden sind sehr zurückhaltend im Umgang mit ihren Informationen. Man weiss nur, es wurden Wohnungen durchsucht, es wurden Menschen verhaftet, aber in welchem Zusammenhang die mit Tat und Täter stehen, wurde nicht gesagt. Die Verhaftungen erfolgten in London und Birmingham. Das sind zwei Orte mit vermehrt islamistischem Terror, das könnte ein Hinweis auf einen Zusammenhang sein.

Legende: Video Urs Gredig über den Attentäter abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.03.2017.

Man geht von einer islamistisch geprägten Tat aus. Was weiss man denn über den Täter?

So gut wie nichts. Und das ist auch typisch für die britische Terrorabwehr. Eben hat Verteidigungsminister Michael Fallon am Radio gesprochen und es nochmal wiederholt: Man gehe von einem terroristischen Attentat aus und es weise auch vieles in den islamistischen Hintergrund hinein. Man wisse zwar, wer der Täter sei, aber man sage es noch nicht. Zunächst wollen sie wohl alle Hintergründe genau klären.

Was plant die britische Regierung jetzt?

Man hat seit gestern die Bereitschaft nochmals verschärft. Es sind noch mehr Sicherheitskräfte auf den Strassen, bewaffnete und auch solche ohne Waffen. London lebt seit Jahren mit dieser Terrorgefahr und die Alarmstufe ist auf der zweithöchsten Position. Diese besagt, dass jederzeit mit einem Anschlag zu rechnen ist. Von Seiten der Behörden heisst es, dass man die Sicherheitssituation nochmals ganz genau analysieren wolle. Diese Verschärfung spürt man auch auf der Strasse.

London hat schon mehrere Terroranschläge erlebt, die schlimmsten vor zehn Jahren. Kann man sagen, dass die Briten, dass die Behörden bereits eine Art Routine entwickelt haben?

Eine Routine sicher, aber die Behörden versuchen auch immer, dass das nicht zu sehr als Routine herüberkommt – die Menschen sollen sich ja nicht an die Gefahr gewöhnen. Die Behörden selber üben solche Fälle immer wieder, letztes Mal übrigens letztes Wochenende, wo auf der Themse eine grosse Terrorübung abgehalten wurde. Und man hat es auch gestern ganz klar gemerkt. Das sind sehr eingespielte Teams und auch die Bevölkerung wird immer wieder dazu angehalten, vorsichtig zu sein und Verdächtiges zu melden. In diesem Sinne kann man schon sagen, die britische Gesellschaft ist schon sehr sensibilisiert und bereit für solche Taten.

Das Interview führte Susanne Schmugge.

Urs Gredig

Urs Gredig

Bis im Frühling 2017 war Urs Gredig SRF-Korrespondent in Grossbritannien und Moderator des «Club». Davor war er Moderator und Redaktor der «Tagesschau».

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Man wusste doch von Anfang an zu 99,9 % auf welches Konto dieser Anschlag gehen wird. Ob der Täter nun Khalid, Adrian oder Mohamed heisst ist nebensächlich. Die Engländer sollen den Anschlag aber nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich zu Helden stilisieren was sie denn so alles wegstecken können, sondern die ernste Situation im Land analysieren und neu bewerten. Die Engländer sitzen nämlich wie viele andere europäische Staaten in einer Falle.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Und der Bürgermeister von London hat bereits das Urteil hierzu gesprochen: "wir müssen damit leben". Also der Staat hat kapituliert. Für andere europäische Staaten gibt es hoffentlich einen anderen Weg.
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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Warum hat Japan absolut keine Probleme mit IS-Terror? Ich glaube diesbezüglich könnte wir viel lernen von dort.
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    1. Antwort von Astrid Meier (Swissmiss)
      Das trifft auch für Chile, Rumänien, Angola und Vietnam zu. Vielleicht, weil diese Länder sich mit kriegerischen Interventionen in fremden Gegenden zurückhalten?
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Japan ist eine Insel. Wir sollten lernen ein Meer um unser Land zu bauen. Mit Palmenstränden und grossen Muscheln, die man sich ans Ohr halten kann. Da würde ich sofort mitmachen.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Warum verschweigt SRF auch hier den Migrationshintergrund des Attentäters und spricht nur von einem "britischen Staatsbürger"? Will man einfach partout nicht wahrhaben, dass sich die schlimmen Folgen einer unkontrollierten Masseneinwanderung aus fremden Kulturen sich z.T. eben erst Jahrzehnte später auswirken können? Klar, das gäbe ja einen "Vorgeschmack", wie es auch bei uns in nicht allzu ferner Zukunft aussehen könnte und einigen die Augen öffnen ....
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    1. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      SRF hat es halt nicht nötig. Für schnelle Informationen dieser Art sind ZDF, ARD oder ORF informativer.
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    2. Antwort von Astrid Meier (Swissmiss)
      Weil der Täter kein Migrant war, sondern vor 52 Jahren in England geboren wurde, wobei er automatisch eingebürgert wurde. Seine Eltern dürften, wie die von Millionen von Briten, aus den ehemaligen Kolonien stammen. In England und Frankreich war es ja so, dass diese Länder erst in fremde Kulturen eindrangen, um dort Menschen und Rohstoffe auszubeuten. Algerien war einst Teil Frankreichs, Indien Teil des britischen Commonwealth. Nix mit unkontrollierte Masseneinwanderung...
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    3. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Herr Dupont SRF verschweigt gar nichts. Der Attentäter hat keinen Migrationshintergrund, er ist Brite und ist zum Islam Konvertiert. Bevor sie ohne sich genau zu Informieren Beschuldigungen erheben, Informieren sie sich genau und hören sie genau zu und nicht nur das was sie hören wollen, auch wenn es ihnen nicht gefällt.
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    4. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Danke, Frau Meier. Genau diese Information, die Sie hier wertfrei gegeben haben, vermisste ich. Jeder kann dann selber entscheiden, ob das richtig war, wenn vor sehr langer Zeit die Briten die halbe Welt kolonialisiert haben und als Entschädigung deshalb in der Neuzeit allen unterjochten Völkern das automatische Zuwanderungsrecht gegeben hatten oder ob es eine bessere Form von Wiedergutmachung gegeben hätte. Cäsar hat ja auch Europa besetzt und trotzdem sind wir nicht automatisch Römer ;-).
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    5. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      @swissmiss Sehr gut kommentiert!:)
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