Luftfahrt verpasst sich eigenen Klimavertrag

Lange wehrte sich die Branche, den CO2-Ausstoss der Flugzeuge zu reduzieren. Vom Klimaabkommen von Paris war die Luftfahrt ausgenommen. Nun haben sich 191 Staaten auf ein Abkommen geeinigt. Im Vergleich mit der EU sei es aber weniger streng, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim.

Ein Winglet eines Flugzeugs über den Wolken.

Bildlegende: Rund zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses stammen aus der zivilen Luftfahrt. Imago

Ein historischer Moment: Nach sechs Jahren Verhandlungen hat sich die Luftfahrtbranche am Donnerstag auf ihr erstes Klimaschutzabkommen verständigt. Die Mitgliedsländer der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO stimmten einem Plan zu, der die Zunahme klimaschädigender Gase in der Luftfahrt begrenzen soll.

SRF News: Welchen Stellenwert hat dieses Klimaabkommen für die Luftfahrt?

Matthias Heim: Es zeigt, dass ein internationaler Konsens gefunden wurde, um eine Branche, die besonders klimaschädigend ist, zu Zugeständnissen zu bewegen. Wichtig ist es zudem, weil die Branche auch in Zukunft stark wachsen wird. Die UNO geht davon aus, dass der Flugverkehr jährlich um rund fünf Prozent zunehmen wird. Entsprechend wird auch mehr CO2 ausgestossen, selbst wenn die Flugzeuge sparsamer werden. Schätzungen gehen davon aus, dass bis Mitte dieses Jahrhunderts ein bedeutender Anteil des CO2-Ausstosses der Menschen auf das Konto des Flugverkehrs gehen wird. Und das Abkommen könnte auch Signalcharakter haben – etwa für die Schifffahrt: Diese Branche ist nämlich ebenfalls vom Pariser Klimaabkommen ausgenommen.

Wie fallen die Reaktionen auf dieses Abkommen aus?

Die Luftfahrtbranche kann damit leben. Ein hochrangiger Branchenvertreter meinte, dass das Abkommen die Fluggesellschaften zwar etwas kosten wird, diese Kosten sollten allerdings verkraftbar sein. Diese Aussage zeigt, dass das Abkommen kein radikaler Einschnitt ist. Genau da setzt die Kritik der Umweltverbände an: Für sie taugen die vorgesehenen Massnahmen nichts. Ein Vertreter meinte gar, dass mit diesem Abkommen kein einziger Tropfen Treibstoff eingespart würde.

Welche Massnahmen sieht das Abkommen konkret vor?

Ab 2021 soll der Flugverkehr CO2-neutral sein. Das heisst, der Ausstoss soll kompensiert werden, etwa durch neu gepflanzte Bäume. Zudem soll die Technik verbessert werden: Stichworte sind effizientere Motoren, leichtere Flugzeuge und umweltfreundlicher Treibstoff. All das sind Massnahmen, die ab 2021 auf freiwilliger Basis umgesetzt werden sollen und erst ab 2027 verpflichtend sein werden.

Die EU hat ein internationales Abkommen vorangetrieben und kennt bereits ein System für eine CO2-Reduktion. Was geschieht damit?

Das ist derzeit offen und dürfte innerhalb der EU noch für viele Diskussionen sorgen. Denn für Flüge innerhalb von Europa muss das CO2 bereits kompensiert werden. Ein strenges Regime, das nach 2017 auch für internationale Flüge gelten soll. Für die EU stellt sich nun die Frage, ob sie daran festhalten will, oder ob sie das neue Abkommen der UNO übernehmen soll, das diesbezüglich viel lascher ist.

Das Gespräch führte Claudia Weber.