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Luftschläge gegen Syrien «Die Gräben sind noch tiefer geworden»

Legende: Audio So kommen die Luftschläge und Sanktionen in Russland an abspielen. Laufzeit 3:45 Minuten.
3:45 min, aus SRF 4 News aktuell vom 16.04.2018.

Nach den Militärschlägen der USA, Frankreichs und Grossbritanniens vom Wochenende in Syrien wollen die USA Russland mit neuen Sanktionen belegen. Moskau versuche, die Machenschaften des syrischen Machthabers Baschar al-Assad zu verdecken, argumentierte die amerikanische UNO-Botschafterin Nikki Haley. Das müsse nun aufhören. Was man in Russland dazu sagt, erklärt SRF-Russland-Korrespondent Christof Franzen.

Christof Franzen

Christof Franzen

Russland-Korrespondent, SRF

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Der Journalist arbeitet seit 2003 für SRF, seit 2007 als Korrespondent in Moskau.

SRF News: Was sagt Moskau zu den Luftangriffen und den neuen Sanktionen?

Christof Franzen: Bis jetzt sind die Sanktionen erst angekündigt worden. In solchen Fällen wartet der Kreml ab, bis er etwas Offizielles in den Händen hält.

Militärisch hat Russland nicht auf die Luftangriffe reagiert. Fürchtet der Kreml die Eskalation in Syrien?

Eine bewaffnete Auseinandersetzung mit den Amerikanern oder ihren europäischen Alliierten in Syrien ist nicht im Sinn Russlands. Im Vorfeld hatte Russland erklärt, man werde nicht nur die Raketen abschiessen, sondern auch die Plattformen, von denen diese gestartet würden, also etwa westliche Kriegsschiffe. Nun waren die Russen aber froh, dass die westlichen Luftangriffe keine russischen Truppen oder Einrichtungen trafen. Die russischen Offiziellen und die Medien hier legen den Akzent darauf, dass sich Russen und Amerikaner eben nicht militärisch ins Gehege gekommen seien.

Wladimir Putin.
Legende: Putin habe gehässig reagiert, sagt Franzen. Keystone

Der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Aussenminister Heiko Maas wollen eine diplomatische Offensive für Syrien starten. Lässt sich Moskau angesichts der neuen Sanktionen an den Verhandlungstisch bringen?

Die westlichen Interventionen und die Sanktionen zielen vor allem darauf, dass die syrischen Truppen von Präsident Assad künftig keine Chemiewaffen mehr einsetzen. An der politischen Ausgangslage hat sich damit nichts Grundsätzliches geändert. Es gibt nach wie vor die Achse Türkei–Iran–Russland, die versucht, Lösungen nach ihrem Gusto zu finden. Und es gibt immer noch die Verhandlungen in Genf. Diese Prozesse werden wohl weitergehen. Aber wenn man die doch sehr gehässige Reaktion des russischen Präsidenten Wladimir Putin anschaut, hat man das Gefühl, dass viel politisches Geschirr zerschlagen wurde. Die Gräben sind noch tiefer geworden.

Ich sehe wenig Anzeichen dafür, dass sich die russische Position in nächster Zeit grundsätzlich ändern könnte.

Was bedeuten die Militärschläge und die neuen Sanktionen für die russische Syrien-Strategie?

Laut russischen Medien ist es jetzt zentral, ob europäische Staaten oder die EU den USA folgen und ebenfalls neue Sanktionen verhängen werden. In diesem Fall würde der Druck auf den Kreml weiter wachsen. Aber ich sehe wenig Anzeichen dafür, dass sich die russische Position in nächster Zeit grundsätzlich ändern könnte. Experten in Moskau sagen, Russland suche längerfristig eine Ausstiegsstrategie aus Syrien, und zwar eine, mit welcher der Kreml die Früchte seiner Politik ernten könne. Das heisst, man will eine gestärkte politisch-militärische Position im Nahen Osten – und sich international als Grossmacht aufdrängen. Das Fernziel bleibt, den Westen dazu zu bringen, dass er die Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine aufhebt. Aber davon ist man derzeit weit entfernt.

Das Gespräch führte Miriam Knecht.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Stephan Poetsch (StephanP)
    Entschuldigung, aber „Luftschläge“ sind keine luftigen, konsequenzlosen Spielchen sondern massive Bombardierungen. Bitte verwendet das zutreffende Wort für gezielte Tötungsabsichten und nicht die verdrehten Propagandabegriffe der Rüstungsindustrie. Mehr Distanz zu den kriegstreibenden Nationen steht der friedliebenden Schweiz auch besser zu Gesicht.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Luftschläge sind neuerdings nur noch diplomatische Aktivitäten zwischen zwei Rivalen....! Das wird so weitergehen.
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  • Kommentar von Christoph Reuss (Christoph.Reuss)
    .... der besonnene friedliebende Putin! Kommen Sie doch in die Ukraine, fragen sie Witwen Mütter und Väter von Russen ermordete Ukrainer! Gestorben im eigenen Land! Ein Krieg den Russland verschuldet hat! Und jetzt bitte keine russische Staatspropaganda
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Man kann natürlich alles Verdrehen, wer hat denn den Umsturz in der Ukraine angestiftet und finanziert? Warum wehren sich die Russischstämmigen in der Ostukraine gegen Kiew? Weil sie unterdrückt werden. Keine RU Fernsehen mehr keine RU Amtssprache mehr obwohl viele nur russisch sprechen. Oder die Krim, der Westen ist ja immer noch so sauer, dass sie Sewastopol nicht einfach übernehmen konnten. Wäre wohl der 1001 US Stützpunkt geworden.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Im den separatistischen Gebieten starben und sterben andauernd unschuldige Zivilisten durch den Beschuss des ukrainischen Militärs. Wer in der zwischen Ost und West gespaltenen Ukraine das Pulverfass anzündete ist bestens belegt, ohne russische Propaganda ( z.B. Obama "we brokered a deal" auf YT zu finden oder Nulands Telefonat, auf Seite der BBC nachzulesen). So wegen Einmischung in inneren Angelegenheiten...
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ich rate Ihnen, das sehr aufschlussreiche "Tagesgespräch" zu diesem Thema auf www.srf1.ch von heute Mittag mit Michael Lüders zu hören,
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Wozu ueberhaupt? Abhaken und vergessen und nicht mehr behandeln, wäre das sinnvollste an Reaktion was man da machen kann. Da läuft nur eine mediale Muskel-Show zwischen den eigentlich doch verfeindeten Parteien ab.
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