Zum Inhalt springen
Inhalt

Konservativer wird Premier Macrons erster Streich

Legende: Video Philippe ist eine geschickte Wahl abspielen. Laufzeit 01:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.05.2017.
  • Edouard Philippe ist seit 2010 Bürgermeister von Le Havre und geniesst dort grosses Ansehen.
  • Philippe gehört zum moderaten Flügel der konservativen Republikaner-Partei. 2012 wurde er in die französische Nationalversammlung gewählt.
  • Der langjährige Vertraute des früheren Premierministers und Mitte-rechts-Politikers Alain Juppé war der breiten Öffentlichkeit aber bislang unbekannt.
  • Mit der Wahl vom Konservativen Edouard Philippe zum Premierminister sendet der Mitte-Links-Staatschef ein starkes Signal an das bürgerliche Lager, das ihn bisher nicht unterstützt.

Der neue Regierungschef ist 46 Jahre alt und stand bislang in der nationalen Politik nicht in der ersten Reihe. Es ist in Frankreich höchst ungewöhnlich, dass ein Präsident aus freien Stücken einen Politiker aus einer anderen Partei zum Regierungschef macht.

Der Präsident muss bei der Wahl zur Nationalversammlung am 11. und 18. Juni eine Mehrheit erringen, um seine Reformagenda umsetzen zu können. Gelingt dies nicht, würde das Macrons Handlungsspielraum stark einschränken. Seine Bewegung «En Marche!» ist bislang nicht in der Nationalversammlung vertreten. Der 39-jährige Macron hatte am Sonntag als jüngster Politiker aller Zeiten das französische Präsidentenamt übernommen.

Legende: Video Philippe ist auf der gleichen Wellenlänge wie Macron abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.05.2017.

«En Marche!» ist weder rechts noch links

Seine Präsidentschaft ist ein neues Kapitel für die französische Politik, weil er nicht für eine der traditionellen Regierungsparteien der Konservativen oder Sozialisten angetreten war. Seine erst vor gut einem Jahr gegründete Partei «En Marche!» positioniert er «weder rechts noch links». Allerdings hatte er es bislang nicht geschafft, prominente Figuren aus dem Mitte-Rechts-Lager an Bord zu holen.

Edouard Philippe war seit Tagen als Kandidat für den Posten gehandelt worden. Der neue Regierungsschef steht dem früheren Premierminister Alain Juppé nahe, dessen Linie den deutschen Christdemokraten ähnelt und der sich im vergangenen Jahr erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben hatte.

Philippe hat wie Macron die Elite-Verwaltungshochschule Ena absolviert. Seine ersten Schritte in der Politik machte er noch als Student bei den Sozialisten, bevor er sich dem konservativ-bürgerlichen Lager zuwandte. 2010 wurde er Bürgermeister von Le Havre, 2012 Abgeordneter.

Macron will Frankreichs Wirtschaft mit Reformen neuen Schwung verleihen. Auf europäischer Ebene will er sich in enger Abstimmung mit Deutschland für eine Weiterentwicklung der Eurozone einsetzen.

SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser über Edouard Philippe

Edouard Philippe ist das personifizierte Credo von Emmanuel Macrons «En Marche», Rechts und Links zu vereinen und damit ein starkes Zeichen des neuen Präsidenten. Dieser will ja Politgräben zuschütten und Ideologien überwinden. Edouard Philippe ist Republikaner und war lange Zeit die rechte Hand von Alain Juppé. Aber er hat eine sozialistische Vergangenheit: Als Student war er Parteimitglied und weibelte für den damaligen Premier Michel Rocard. Als François Mitterrand ihn dann zum Rücktritt gezwungen hat, ist er aus der Partei ausgetreten und hat sich den Konservativen angenähert. Insofern verkörpert Philippe die Rechten und die Linke. Privat weiss man vom arbeitsamen «Chrampfer», dass er gerne boxt, einen beissenden Humor hat und er soll ein besonderes Talent besitzen, andere zu imitieren. Insbesondere Nicolas Sarkozy.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Macron und "seine Leute" in Frankreich, Trudeau in Kanada, Kurz in Österreich. Endlich haben auch mal junge Politiker die Möglichkeit etwas zum positiven zu verändern! Habe an anderer Stelle schon mal angemerkt, dass es vorrangig um die Zukunft der jüngeren Generationen geht. Traue diesen Menschen in jedem Fall mehr zu, als dem Choleriker in den USA.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Und das war der erste Streich und der nächste....schön, dass junge Politiker das Zepter in die Hand nehmen. Wünschen wir ihnen Erfolg auf dem sehr steinigen Weg.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen