Magnitski posthum verurteilt

Ein russisches Gericht hat den russischen Anwalt Sergej Magnitski wegen Steuerbetrugs verurteilt. Magnitski ist 2009 in einem Moskauer Gefängnis qualvoll ums Leben gekommen.


Magnitski-Urteil gegen Helden-Mythos des Westens

4:51 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.07.2013

Das Strafverfahren war international als absurd kritisiert worden, weil sich ein Toter nicht verteidigen könne. Menschenrechtler werfen der Justiz vor, den Ruf des Anwalts nachträglich beschmutzen zu wollen.

Das Verfahren gegen Magnitski werde formell eingestellt, sagte Alissow. Eine Rehabilitierung sei nicht möglich. Der Richter verurteilte Magnitskis Chef William Browder vom Finanzunternehmen Hermitage Capital in Abwesenheit zu neun Jahren Lagerhaft.

«Der Prozess ist ein Versuch, den Tod von Sergej Magnitski zu rechtfertigen», sagte der Anwalt der Witwe, Dmitri Charitonow. Die Verteidigung hatte die Verhandlung als illegal bezeichnet und ihre Teilnahme verweigert.

Im Gefängnis zu Tode geprügelt

Hermitage Capital warf Kremlchef Wladimir Putin persönlich vor, Drahtzieher der Anklage zu sein. Putin schütze «korrupte Beamte, die einen unschuldigen Anwalt ermordet» hätten.

Magnitski hatte Beamte des Innenministeriums beschuldigt, den Staat um rund 200 Millionen US-Dollar geprellt zu haben. Kurz darauf war der 37-Jährige unter Vorwürfen des Steuerbetrugs festgenommen worden.

Der Fall hatte international für Aufsehen gesorgt. So hatten die USA gegen Funktionäre, die gegen den Anwalt vorgegangen waren, Sanktionen verhängt. Auch andere Staaten erwägen dies.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Bizarrer Prozess

    Aus Rundschau vom 20.2.2013

    Es ist eine Geschichte wie aus einem Kriminalroman: In Moskau läuft ein Prozess gegen einen toten Anwalt. In Bern ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Geldwäscherei – betroffen ist mindestens eine Schweizer Grossbank. Und in London stirbt unter mysteriösen Umständen ein Kronzeuge der Schweizer Ermittler. Die Rundschau berichtet über die neusten Wendungen im Justizskandal um den ermordeten russischen Anwalt Sergej Magnitskij. Inzwischen hat der Fall eine ernste diplomatische Kontroverse zwischen den USA und Russland ausgelöst.

    Mehr zum Thema

  • Russischer Prozess gegen Toten vertagt

    Aus Tagesschau vom 18.2.2013

    Die Gerichtsverhandlung gegen den inzwischen verstorbenen Anwalt Sergej Magnitski in Moskau geht voraussichtlich erst am 4. März weiter. Die Verteidigung brauche mehr Zeit für Abklärungen. Der Prozess wird von Kritikern als politisch motivierte Posse der Justiz eingestuft.