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International Malediven: Erste Runde der Präsidentschaftswahlen annulliert

Das oberste Gericht der Malediven hat die Wahlresultate des ersten Wahlgangs in den Präsidentschaftswahlen annulliert. Mehr als 5000 Wähler sollen falsch registriert worden sein. Geklagt hatte der Kandidat, der die Stichwahl knapp verpasst hatte. Die Neuwahlen finden Mitte Oktober statt.

Legende: Audio Präsidentenwahl auf den Malediven ist ungültig abspielen.
2:39 min, aus Rendez-vous vom 08.10.2013.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen auf den Malediven ist ungültig. Das hat das oberste Gericht des Inselstaates entschieden. Demnach sollen bei den Wahlen im September mehr als 5000 Wähler falsch registriert worden sein. Die Richter haben den 19. Oktober als Datum für die Neuwahlen festgelegt.

Wird dann keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, soll die zweite Runde noch vor dem 4. November stattfinden, damit der neue Staatschef sein Amt fristgerecht am 11. November antreten kann.

Junge Demokratie

Die Malediven sind eine junge Demokratie. Vor den ersten demokratischen Wahlen 2008 wurde der Inselstaat dreissig Jahre lang von Maumoon Abdul Gayoom mit harter Hand regiert.

Ein ausgebranntes Fernsehstudio.
Legende: Das Studio ist vollständig zerstört. Es war bereits der zweite Angriff binnen zwei Jahren. Keystone

Internationale und örtliche Beobachter schätzten die Wahlen im September dieses Jahres als allerdings fair und frei ein. Trotzdem hatte das Gericht die zweite Wahlrunde bereits am 23. September suspendiert. Grund war eine Beschwerde des drittplatzierten Kandidaten.

Der Geschäftsmann Qasim Ibrahim war mit 24 Prozent knapp auf dem dritten Platz gelandet. Er hatte darauf das oberste Gericht wegen Wahlbetrugs angerufen. Sein Widersacher, der gestürzte frühere Staatschef Mohammed Nasheed, gewann 45,4 Prozent der Stimmen. Auf dem zweiten Platz folgte Abdullah Yameen, ein Halbbruder des früheren Machthabers Maumoon Abdul Gayoom.

«Ein schwarzer Tag»

Vor dem Entscheid des obersten Gerichts kam es auf den Malediven immer wieder zu Unruhen. Kurz zuvor hatten Maskierte die oppositionsfreundliche Fernsehstation Raajje angegriffen und in Brand gesetzt.

Legende: Video Oppositionssender in Flammen auf der Hauptinsel Male (unkomm.) abspielen. Laufzeit 0:27 Minuten.
Vom 07.10.2013.

Etwa sechs vermummte Männer hatten laut dem Besitzer den Wachmann der Station bedroht und aus dem Gebäude vertrieben, bevor sie es anzündeten. «Das ist ein schwarzer Tag für die Pressefreiheit in den Malediven», sagte Besitzer Waheed Kamaludeen.

Wer hinter der Attacke steckt, ist offiziell nicht klar. Allerdings war es bereits der zweite Angriff auf die Station innert zwei Jahren. Die Regierung von Präsident Mohamed Waheed Hassan sei verärgert über die Berichterstattung des Senders gewesen, weiss Kamaludeen. Die alte Elite kämpft mit allen Mitteln um den Machterhalt.

Willkür und Machtgier

Die politische Lage auf den Malediven ist instabil. Der Inselstaat hadert noch mit der Demokratie. Lesen Sie hier mehr dazu.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Die alte Elite kämpft mit allen Mitteln um den Machterhalt. Das tut sie übrigens auch in der Schweiz und überall auf der Welt, die Malediven sind in dieser Beziehung keine zwingend erwähnenswerte Ausnahme. Wir sind, aufgrund der mangelhaften oder einseitigen Informationen, nicht in der Lage, uns ein objektives Urteil über die Zustände auf den Malediven zu bilden, eigentlich genausowenig wie in Aegypten, Syrien, Lybien, Algerien, Tunesien und anderswo, Vorverurteilungen sind daher problematisch.
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    1. Antwort von kari huber, surin
      Sie könnten sich auch darüber beklagen, dass Kartoffeln nicht grün sind, auch wenn sie zu den Nachtschattengewächsen gehören, wie die Kartoffeln. Daran gemahnt mich jedenfalls Ihr Kommentar. Was Sie nicht zu wissen scheinen ist, dass in der Schweiz seit mehr als 150 Jahren ein System herrscht, in welchem Schweinereien wie in Sri Lanka - oder Thailand und weiteren 190 Ländern - schlicht nicht denkbar sind. Auf englisch heisst das "Checks and Balances".
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    2. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @kari huber: Wir haben uns ja auch darauf spezialisiert, sicherer Hort für Fluchtgelder und Potentatenvermögen zu sein und die, die gennug Kohle haben, steuerbevorteilt bei uns wohnen zu lassen. Ich habe am ureigenen Leib erlebt, wie unser (Un)Rechtssystem funktioniert, Sie würden staunen, welche Schweinereien bei uns möglich sind, wenn es darum geht 'Oppositionelle' zu vernichten. Selbst der Bundesrat war sich nicht zu gut, einen (später rechtswidrig erklärten) Bundesbeschluss dafür zu basteln.
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    3. Antwort von Daniela, Deutschland
      Das es noch Leute gibt die loyal sind; hätte ich nicht gedacht. So ist es aber, wir werden zu sehr von der Presse beeinflusst. Schade für die Bevölkerung die uns Touristen brauchen. :-/
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