Malis Hoffnungsträger steht vor Herkules-Aufgaben

Das krisengeschüttelte Mali hat einen neuen starken Mann an seiner Spitze: Ibrahim Keita. Der Politikveteran muss das Land befrieden und versöhnen – und nebenbei noch die Wirtschaft beleben.

Ibrahim Boubacar Keita vor einem Wahlplakat mit seinem Bild.

Bildlegende: Ging als Favorit in die Stichwahl: Ibrahim Boubacar Keita. Reuters

Das Resultat kam schneller als erwartet: Ibrahim Boubacar Keita ist der neue Präsident Malis. Der Wahlausgang fiel so deutlich aus, dass der Verlierer Soumaila Cissé nicht einmal die offizielle Erklärung der Wahlbehörde abwarten mochte. Während seine eigenen Anhänger noch von Wahlbetrug redeten, ging Cissé auf Keita zu: «Du bist mein grosser Bruder, und es ist die Pflicht des kleinen Bruders, in das Haus des Älteren zu gehen und ihm zum Sieg zu gratulieren», soll der ehemalige Finanzminister gesagt haben.

Keita: ein Veteran der Politik

Aufgrund der provisorischen Resultate hat Keita die Stichwahl mit einem Stimmenanteil von zwei Dritteln gewonnen. Der 68-jährige Keita hatte bereits im
ersten Wahlgang fast 40 Prozent der Stimmen erhalten und ging als Favorit bei der Stichwahl ins Rennen.

«Er gilt als starke, charismatische Persönlichkeit», sagt SRF-Auslandredaktorin Veronika Meier. Die meisten Kandidaten des ersten Wahlgangs hatten sich vor der Stichwahl für Keita ausgesprochen.

Malis neuer Präsident ist ein Veteran der Politik. In den 90er Jahren war er lange Regierungschef, später präsidierte er das Parlament. Nun muss Keita umsetzen, was er während des Wahlkampfes versprochen hat: den separatistischen Norden mit dem Süden des Landes versöhnen und Frieden bringen. «Es braucht einen nationalen Dialog. Denn es gibt Ressentiments, und die Einheit des Landes ist nicht einfach so gegeben», sagt Meier.

Es mangelt an Jobs und Perspektiven

Zudem müsse Keita 60 Tage nach der Regierungsbildung einen endgültigen Frieden mit den Tuareg-Rebellen aushandeln. Das schreibe ein Abkommen zwischen den Rebellen und der Übergangsregierung vor.

Ausserdem muss der Staatschef Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut und fehlende Infrastruktur angehen. Meier sagt: «Die grössten Probleme sind wirtschaftlicher Natur. Sie sind zwar nicht neu, aber haben sich nochmals verschärft.» Die Auslandredaktorin erwähnt die weitverbreitete Korruption. Zudem könne die wirtschaftliche Entwicklung nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten. «Es braucht Strukturreformen und Jobs», sagt Meier.

Die Hilfe der Franzosen

Nach dem Militärputsch gegen den damaligen Präsidenten Amadoou Toumani Touré im März vergangenen Jahres war Mali in eine Krise gestürzt. Den Staatsstreich in der Hauptstadt Bamako nutzten Separatisten im Norden, um dort die Macht zu übernehmen. Sie begründeten einen islamistischen Staat und setzen Ende vergangenen Jahres zum Feldzug Richtung Bamako an. Französische Truppen intervenierten auf Bitte der malischen Führung. Sie konnten den Vormarsch der Islamisten stoppen.