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Für die Freiheit der Forschung «March for Science» in 600 Städten

Legende: Video «March for Science»: Hunderte demonstrieren in Genf abspielen. Laufzeit 3:02 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 22.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zehntausende nehmen in weltweit 600 Städten am soganannten «March for Science» teil.
  • Ausgangspunkt war ein globaler Protestaufruf, der insbesondere gegen die zunehmende Einschränkung von Forschung und die wissenschaftskritische Politik von US-Präsident Donald Trump zielt.
  • Auch in Genf versammelten sich hunderte Teilnehmer, unter anderem aus der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern).

Der Hauptprotestzug führte durch die US-Hauptstadt Washington. Aber auch in Genf versammelten sich rund 600 Demonstranten, wie Daphne Donis vom Organisationskomitee des Genfer «March of Science» sagte. Gemeinsam wollten sie Menschen auf der ganzen Welt an die zentrale Rolle der Wissenschaft in der Politik und der Wirtschaft erinnern.

Die Kundgebung in Genf sei einmalig, sagte Donis, weil sich rund um die Stadt besonders viele weltweit angesehene Organisationen konzentrierten, die sich für eine fortschrittliche und menschliche Wissenschaft einsetzten. Ein wichtiges Anliegen der Aktion ist laut Organisationskomitee, den Austausch zwischen Bevölkerung und Forschenden zu fördern und damit auch das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken.

Updates zum March for Science

Zur Kundgebung und dem Umzug war auch die Bevölkerung eingeladen, vor allem aber auch zu einem «Fest der Wissenschaft» nach der Demo, bei dem es Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit Schweizer Forscher gab.

Am Marsch beteiligt hat sich auch der deutsche Physiker und ehemalige Generaldirektor der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) Rolf Heuer. Es brauche eine offene Gesellschaft, damit sich die Wissenschaft entfalten kann, sagte Heuer. Derzeit passiere das Gegenteil. Und zwar nicht nur in den USA, das Phänomen sei auch in Europa zu spüren.

Weltweiter Aufruf

Am Anfang stand der Satz «There needs to be a Scientists' March on Washington», der im Januar im Onlineforum Reddit gepostet wurde. Anlass waren Aussagen und Personalentscheide des neuen US-Präsidenten Trump, die nichts Gutes für die Wissenschaft in den USA ahnen liessen.

Etliche Demonstranten in Washington tragen Schilder, die sich gegen die Verbreitung von «alternativen Fakten» richten – eine Formulierung, mit der Trumps Beraterin Kellyanne Conway eine falsche Behauptung über die Zuschauerzahlen bei Trumps Amtseinführung verteidigt hatte. Sie steht stellvertretend für die Art, mit der die neue US-Regierung aus Sicht von Kritikern Tatsachen verdreht.

Plakat mit Einstein-Konterfei
Legende: Mit Einstein-Plakaten garnierten Demonstranten im australischen Sydney ihren Protest. Reuters

In Australien wandten sich die Demonstranten ebenfalls gegen politische Einflussnahme durch die derzeitige konservative Regierung.

«Denker, keine Leugner»

In Sydney trugen viele Demonstranten weisse Laborkittel. Auf Spruchbändern war zu lesen: «Ohne Wissenschaft ist alles nur Fiktion» sowie «Wir brauchen Denker, keine Leugner».

Weitere Kundgebungen wurden unter anderem aus Melbourne, Brisbane und Perth sowie aus den neuseeländischen Städten Wellington und Auckland gemeldet. In Deutschlands Hauptstadt Berlin wurde die Teilnehmerzahl mit 11'000 angegeben.

«Gründliche Wissenschaft»

Die von der neuen US-Regierung geplanten Budgetkürzungen, die noch vom Parlament beschlossen werden müssen, würden in gravierendem Ausmass sowohl Klima- und Umweltforschung als auch Forschung im Bereich der Gesundheit betreffen, warnte der Leiter des Department of Earth an Environmental Engineering.

Wir können und müssen unsere Umwelt schützen, ohne Amerikas arbeitenden Familien zu schaden
Autor: Donald TrumpUS-Präsident

US-Präsident Trump erklärte, er befürworte eine «gründliche Wissenschaft» mit «ehrlicher Erforschung» und «kräftiger Debatte».

Zugleich betonte er, dass wirtschaftliches Wachstum dem Umweltschutz förderlich sei und fügte hinzu: «Wir können und müssen unsere Umwelt schützen, ohne Amerikas arbeitenden Familien zu schaden.»

19 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Erstaunlich ist, dass wenn es um meinem essen, Gesundheit und zum Beispiel Bienen sterben, das ich von die Wissenschaft höre: ist nicht wissenschaftlich bewiesen! Jetzt wo es um ihre eigener Gelder geht, sind die gleiche Wissenschafter plötzlich konkret.
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    1. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      Was reden Sie denn da? Kein ernstzunehmender Wissenschaftler bestreitet das Bienensterben, ganz im Gegenteil.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    "Wir brauchen Denker, keine Leugner". Merkwürdiger Satz, irgendwie völlig unwissenschaftlich. Wissenschaft ist Neugier und Skepsis, Wissenschaft ist das Gegenteil von Ideologie. Wissenschaft muss ideologiefrei suchen und beweisen, nicht aufgrund von hypothetischen Untergangsszenarien unverrückbare Dogmen schaffen. Wissenschaft ist nicht Futtertrog für angepasste, mediokre Studienabgänger. Ohne "Leugner" und Denker keine Wissenschaft! Wer marschiert da eigentlich?
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, das was sie schreiben trifft auf die Klimaleugner zu.
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    2. Antwort von Mike Pünt (Scientist)
      Wissenschaft ist das Durchführen von Experimenten zur Gewinnung von Daten. Sind die Daten einmal gesammelt, zieht man daraus seine Schlüsse und erstellt ein Modell, welches allen bekannten Fakten gerecht wird. Das Modell wird dann auf Herz und Nieren (also kritisch) geprüft. ''Leugner'' nehmen an diesem Prozess nicht teil. Sie kommen erst ganz zum Schluss und lehnen das entstandene Modell ab (entgegen den gesammelten Fakten). Solche Leute braucht niemand!
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  • Kommentar von Peter Brenner (Brenner)
    97% der massgeblichen Wissenschaftler unterstützen die These des menschgemachten Klimawandels, wird immer ins Feld geführt, wenn die Sachargumente ausgehen. Dümmer gehts nimmer. Während meiner Studienzeit rügte mein Physikprofessor selig die Seminarteilnehmer, welche sich zu voreiligen Schlussfolgerungen hinreissen liessen: "Millionen (heute würde man sagen: 97 %) von Schmeissfliegen können sich nicht irren: Sch... muss einfach gut schmecken und gesund sein."
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    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Die Entstehung dieser Mär von "97% der Wissenschaftler" kann man gut googeln, ist ein Witz der durch millionenfache Wiederholung "wahr" wurde.
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    2. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      Sie hätten ihrem Physikprofessor besser zuhören sollen. Dass der Grossteil der Wissenschaftler die Theorie des durch Menschen verursachten Klimawandels unterstützen hat nichts mit "voreiligen Schlussfolgerungen" zu tun sondern damit, dass die Fakten dafür sprechen.
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    3. Antwort von Peter Brenner (Brenner)
      @Schaub: Wenn wirklich Fakten so eindeutig dafür sprechen würden, dann bräuchte es dieses blödsinnige Argument nicht. Und, wie @Sand schon bemerkte, die Art des Zustandekommens diese "Konsenses", ist durchaus fragwürdig und sicher nicht wissenschaftlich.
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