«Marsch der Lebenden»: Gedenken in Auschwitz-Birkenau

Tausende junger Juden aus Israel und anderen Ländern sind am Holocaust-Gedenktag im 70. Jahr nach Kriegsende ins ehemalige Konzentrationslager gereist. Dort gedachten Sie der sechs Millionen jüdischen Opfer der Nazi-Herrschaft vor und während des zweiten Weltkrieges.

Ein alter Mann mit Israel-Flagge um die Schulter vor dem Schriftzug "Arbeit macht frei".

Bildlegende: Nach dem «Marsch der Lebenden» fand eine Gedenkveranstaltung mit KZ-Überlebenden und anderen Zeitzeugen statt. Reuters

Rund 10'000 junge Juden aus aller Welt gedachten mit dem Marsch der Opfer des Holocaust. Sie zogen durch das berüchtigte Lagertor mit der zynischen Aufschrift «Arbeit macht frei» vom Konzentrationslager Auschwitz in das etwa drei Kilometer entfernte eigentliche Vernichtungslager Birkenau. Dort stand eine Gedenkfeier mit KZ-Überlebenden und anderen Zeitzeugen auf dem Programm.

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Bedrückende Momente in Auschwitz

0:48 min, vom 16.4.2015

Das Internationale Auschwitz-Kommitee hatte im Vorfeld der Gedenkveranstaltung davor gewarnt, einen Schlussstrich unter die Geschichte zu ziehen. Gerade angesichts wieder aufkommenden Antisemitismus' in Europa sei die Aufarbeitung der Vergangenheit von zentraler Bedeutung, hiess es.

«Im hohen Alter erneut mit dem tödlichen Hass des Antisemitismus konfrontiert zu werden, erschüttert die Überlebenden zutiefst», sagte Vize-Exekutivpräsident Christoph Heubner mit Blick auf die Terroranschläge von Paris und Kopenhagen und Angriffe auf andere jüdische Einrichtungen.

Landesweites Gedenken und ein Nazi-Vergleich in Israel

In Israel gedachten die Menschen landesweit mit zwei Schweigeminuten der jüdischen Opfer der Nazi-Herrschaft in Europa. Um exakt 9 Uhr heulten für zwei Minuten die Sirenen. Die Menschen unterbrachen ihre Arbeit, auf den Strassen hielten Busse und Autos an.

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Israel gedenkt der Holocaust-Opfer

1:12 min, aus Tagesschau am Mittag vom 16.4.2015

Für Aufsehen sorgte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bereits am Vorabend des Holocaust-Gedenktages. Bei einer Zeremonie in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem verglich er den Iran und den Umgang des Westens mit ihm mit der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg.

«Die Westmächte haben einen fatalen Fehler vor dem Zweiten Weltkrieg gemacht und wir sind überzeugt, dass sie auch jetzt einen bitteren Fehler machen», sagte Netanjahu in einer Ansprache.

Damals habe die freie Welt versucht, das NS-Regime zu beschwichtigen und seinen guten Willen zu kaufen. Warnungen seien ignoriert worden. Und auch heute sei die Blindheit gross.Mit Blick auf die Atomverhandlungen mit dem Iran warnte Israels Premier vor einer Aufhebung der Sanktionen.

Der Iran und die 5+1-Staaten (ständige Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates sowie Deutschland) hatten sich in Lausanne in einem Rahmenabkommen auf Begrenzungen sowie Überwachungsmechanismen des Atomprogramms geeinigt. Ein endgültiges Abkommen soll bis Ende Juni stehen. Im Gegenzug sollen Sanktionen aufgehoben werden.