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Frankreichs Präsidentenwahl Massenaufmarsch für Fillon

In seiner Partei verliert François Fillon zunehmend an Unterstützung, doch auf der Strasse kann der Präsidentschaftsanwärter noch mobilisieren. Reicht das für den Einzug in den Elysée-Palast?

Legende: Video Massenaufmarsch für Fillon abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.03.2017.

Der angeschlagene Präsidentschaftskandidat François Fillon zeigte sich bei einer Kundgebung seiner Anhänger in Paris weiter kämpferisch. «Sie denken, ich sei allein», rief der Spitzenkandidat der französischen Konservativen den tausenden Teilnehmern der Kundgebung zu. «Aber Ihr werdet nie aufgeben.»

Er werde «von allen Seiten» angegriffen, sagte Fillon. Seine Kritiker, die «das Schiff verlassen» und ihn zum Rückzug drängten, trügen eine «grosse Verantwortung».

Seine Kritiker bezichtigte Fillon der Fahnenflucht

Bei seiner Rede auf dem Trocadéro-Platz appellierte er an die politischen Verantwortlichen seines Lagers, eine «Gewissensprüfung» zu machen: «Werden Sie es zulassen, dass die Interessen von Grüppchen und Karrieren und Hintergedanken jeder Art sich gegen die Grösse und Kohärenz eines Programms durchsetzen, das von Millionen Wählern getragen wurde?», rief er.

Fillon gibt nicht auf

Einen Rücktritt lehnte Fillon ab. «Ich glaube fest, dass ein Rückzug dieser Kandidatur meine politische Familie in eine Sackgasse bringen würde.» Er sei überzeugt, dass sein Programm das einzige sei, das es tatsächlich ermögliche, sich der Rechtspopulistin Marine Le Pen entgegenzustellen. «Niemand kann mich daran hindern, Kandidat zu sein», sagte er unter Verweis auf seinen Sieg bei der Vorwahl der bürgerlichen Rechten im November.

Am Montag will sich die Spitze der Konservativen zu einem Krisentreffen versammeln. An den Krisenberatungen sollen alle Kandidaten der Vorwahlen um die Spitzenkandidatur teilnehmen.

Juppé steht bereit

Der Regionalpräsident von Provence-Alpes-Côte d'Azur, Christian Estrosi, kündigte am Sonntag eine Initiative an, die Fillon einen «respektvollen» Abgang ermöglichen solle. Ein Kandidatenwechsel sei angesichts der Scheinbeschäftigungsaffäre um Fillons Familie «zwingend», sagte Estrosi.

Der in der Vorwahl gegen Fillon unterlegene Ex-Regierungschef Juppé hatte signalisiert, als Ersatzkandidat bereitzustehen, sollte Fillon verzichten. Ihm werden anders als Fillon in Umfragen gute Chancen gegeben, in die Stichwahl um das höchste Staatsamt zu kommen. Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen findet am 23. April statt.

Fillon steht wegen des Verdachts einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten unter Druck. In den vergangenen Tagen hatte deshalb eine Reihe konservativer Politiker seinen Rückzug gefordert. Fillon war im November bei einer Vorwahl des bürgerlichen Lagers zum Kandidaten gekürt worden, bei der mehr als vier Millionen Wähler abgestimmt hatten.

Fillon verliert

Nach jüngsten Umfragen liegt François Fillon mit knapp 17 Prozent (- 3 Prozent) der Stimmen auf Platz drei. Derzeit würden die Rechtspopulistin Marine Le Pen (26 Prozent) und der parteilose sozial-liberale Kandidat Emmanuel Macron (25 Prozent) das Rennen unter sich ausmachen. Für die Stichwahl liegt Macron dabei klar vorn.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Das Hauptproblem ist nicht Fillon, sondern die Zerrissenheit der Republikaner. Dass Juppé, selber vorbelastet, jetzt als "bessere" Alternative auftritt, hinterlässt mehr als einen schalen Beigeschmack. Gegen die Partei (LR) kann Fillon nicht gewinnen. Macron sieht seine Umfragewerte steigen. Le Pen ist seine Hauptkonkurrentin, dürfte aber nach aller Logik und der gesamten Wählerschaft FR's im 2, Wahlgang unterliegen.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    2) Und auch E. Macron stand schon in der Kritk für seine Steuerkreativität und musste einiges an Steuern nachzahlen. Derzeit scheint vor allem M. Le Pen zu profitieren. Das könnte, parallel zu F. Fillion, ebenfalls an ihrem Image liegen. Sie ist bereits so skandalumwittert und hat schon so viele Tabus gebrochen, dass ihre Wähler über ihre Fehler hinweg sehen.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    1) Für F. Fillion kommt einiges zusammen. Ganz allgemein hat er das Pech, in einer Zeit zu kandidieren, in der Kritik am Establishment und Ablehnung der Eliten weit verbreitet sind. Bei F. Fillion kommt noch hinzu, dass er seinen unerwarteten Vorwahl-Erfolg nicht zuletzt seiner Imagekampange als unkorrumpierbarem Sheriff zu verdanken hat. Gerade da wiegt es umso schwerer, dass er sich eben nicht moralisch von der politischen Konkurrenz abhebt.
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    1. Antwort von Charles Grossrieder (View)
      Dass er in der Vorwahl meinte er wolle aufbesserem Fuss mit Russland stehen und die Relationen verbessern, hat ihm bei den grossen Weltmanipulatoren sicher auch keine Freundschaft eingebracht. Eher das Gegenteil , einen unangenehmen Politiker kann man relative schnell ankreiden; da diese sicher auch unter der Luppe der Ueberwachungsorganisationen stehen.
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