Massenfestnahmen nach Attentat in Lahore

Zwei Tage nach dem Selbstmordanschlag in der pakistanischen Metropole Lahore setzen die Behörden voll auf Repression. Mehr als 5000 mutmassliche Extremisten sind festgenommen worden. Bis auf 216 Verdächtige seien jedoch alle wieder auf freien Fuss.

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Attentäter von Lahore identifiziert

1:18 min, aus Tagesschau vom 28.3.2016

Der Schock sitzt tief in Pakistan. Am Ostersonntag zündete ein Selbstmordattentäter in einem Park in der Millionenmetropole Lahore eine Bombe. Die vorläufige Bilanz: 72 Tote, darunter 35 Kinder und 330 Verletzte. Fast 200 von ihnen sind noch in Behandlung.

Die Behörden reagierten mit einer Welle von Razzien auf den Terroranschlag. Mehr als 5000 mutmassliche Extremisten wurden bislang festgenommen. Bis auf 216 Verdächtige seien sie jedoch wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Dies teilte der Staatsminister für die Provinz Punjab, Rana Sanaullah, mit. An den Razzien seien Angehörige der Polizei, von Anti-Terror-Einheiten und der Geheimdienste beteiligt gewesen. Künftig würden auch Armee und paramilitärische Einheiten eingesetzt.

Die Militär- und Geheimdienstoperationen hätten sich gegen «Mitglieder verbotener Organisationen» in der Provinz Punjab gerichtet, hiess es aus Militärkreisen. Wie viele der Festgenommenen in den Anschlag verwickelt waren, blieb zunächst unklar.

«  Ich spreche zu Ihnen, um Ihnen zu versichern, dass wir jeden Tropfen Blut, den Terroristen vergossen haben, rächen werden. »

Nawaz Sharif
Ministerpräsident

Kampf gegen Terror noch nicht zu Ende

Ministerpräsident Nawaz Sharif sagte in einer Rede an die Nation am Montag, dass trotz Erfolgen gegen den Extremismus der Kampf noch nicht vorbei sei. «Ich spreche zu Ihnen, um Ihnen zu versichern, dass wir jeden Tropfen Blut, den Terroristen vergossen haben, rächen werden.»

Die Jamaat ul-Ahrar, ein Splittergruppe der pakistanischen Taliban, hatte sich zur Tat bekannt und teilte mit, man habe sowohl Christen als auch die Regierung treffen wollen. Unter den Opfern sind jedoch viele Muslime.

Die Führungsebene von Jamaat ul-Ahrar soll sich in Afghanistan aufhalten. Bisher habe die Gruppe denn auch nur im Grenzgebiet zwischen den beiden Ländern operiert, sagt Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP).

Einzelfall oder neue Taliban-Offensive?

«Dass sie jetzt in Lahore mit diesem Anschlag in Erscheinung tritt, zeigt, dass sie versucht, ihren Aktionsradius auszuweiten.» Denn Jamaat ul-Ahrar habe möglicherweise Kontakte zu anderen militanten Gruppen geknüpft, die in dieser Region operierten, erklärt Wagner. 2014 hatte die Armee damit begonnen, sehr durchgreifend gegen die pakistanischen Taliban vorzugehen. «Seitdem haben sich die Auseinandersetzungen zunächst in deren Stammesregion intensiviert.»


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Bisher habe es aber vergleichsweise wenige Anschläge und Racheaktionen von dieser Gruppe in anderen pakistanischen Provinzen gegeben, weiss Wagner. «Es ist also zu hoffen, dass dieser Anschlag nur ein Einzelfall war, und nicht der Beginn einer neuen Offensive der Taliban in anderen Provinzen.»