«Massenmord» : Schweizer Muslime verurteilen Massaker von Paris

Die grossen Dachorganisationen islamischer Vereine und Gemeinden in der Schweiz distanzieren sich in aller Deutlichkeit vom Anschlag auf «Charlie Hebdo» – auch der Islamische Zentralrat. Allerdings kritisiert er gleichzeitig das Satiremagazin.

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Basler Muslime tief betroffen

2:22 min, aus Schweiz aktuell vom 8.1.2015

Der Angriff auf «Charlie Hebdo» mit 12 Todesopfern schockiert auch die Muslime in der Schweiz. Die beiden grossen islamischen Nationalverbände, die «Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz» (FIDS) und die «Koordination islamischer Organisationen Schweiz» (KIOS), sprechen den Hinterbliebenen und Opfern in einer Mitteilung ihr Beileid aus.

Für die Attentäter finden sie scharfe Worte: «Der Islam verurteilt jeglichen Mord und der Koran sagt unmissverständlich hierzu: ‹Wer einen Menschen tötet, handelt, als hätte er die Menschheit getötet.›»

Die beiden Dachverbände rufen die Muslime in der Schweiz dazu auf, an einer für Donnerstagabend angekündigten Demonstration von Journalisten in Zürich teilzunehmen.

«  Wir sind zutiefst betroffen davon, dass ein Massenmord im Namen des Islams begangen wurde. »

Gemeinsame Mitteilung
Islamische Nationalverbände FIDS/KIOS

Als Ausdruck der hohen Wertschätzung der islamischen Glaubensgemeinschaft für die Freiheit der Medien und der Demokratie in der Schweiz. Der Berner Imam Mustafa Mehmedi ruft seine Glaubensbrüder im Interview mit SRF dazu auf, sich gegen radikale Ideen zu engagieren.

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Farhad Afshar: «Muslime weltweit grenzen sich von Extremisten ab»

3:36 min, aus 10vor10 vom 8.1.2015

Zentralrat: Verständnis für «Missmut»

Nicht ohne Relativierung fällt die Stellungnahme des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) aus. Zwar schreibt die Organisation von Präsident Nicolas Blancho, man sei schockiert ob des «brutalen Angriffs» auf die Redaktion von «Charlie Hebdo».

Gleichzeitig heisst es im Communiqué des IZRS, man verstehe «den weit verbreiteten Missmut über die wiederholt gezielten Provokationen des Magazins» – auch wenn dies die Anwendung von Gewalt nicht rechtfertige.