Massenprotest gegen Lula da Silva

In den brasilianischen Grossstädten haben in der Nacht auf heute Zehntausende gegen die Regierung und den neu ernannten Stabschef Lula da Silva demonstriert. Die Regierung und die linke Arbeiterpartei gehen derweil immer schneller unter.

Demonstranten werfen eine aufblasbare Puppe, die einen Sträfling darstellt, in ein Feuer.

Bildlegende: In der Hauptstadt Brasilia verbrennen Demonstranten den «Pixuleco», eine aufblasbare Puppe, die Lula da Silva darstellt. Reuters

Als Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff bekanntgab, sie habe ihren Amtsvorgänger und politischen Ziehvater Luiz Inacio Lula da Silva zum neuen Stabschef – und damit einer Art Superminister – ernannt, blieb es zunächst ruhig im Land.

Aber das Blatt wendete sich, als Medien ein abgehörtes Telefongespräch zwischen Rousseff und Lula da Silva veröffentlichten. Darin sagte Rousseff ihrem neuen Stabschef, das Dekret zu seiner Ernennung sei unterzeichnet, er könne es sofort einsetzen. Anders gesagt: Der der Korruption verdächtigte Lula da Silva kann sich seiner drohenden Verhaftung entziehen unter dem Hinweis darauf, er sei jetzt Kabinettsminister und geniesse Immunität.

Spontane Proteste

Die Absprache zwischen Rousseff und Lula da Silva trieb in den Grossstädten des Landes Zehntausende zum spontanen Protest auf die Strassen. Doch dies war bloss das Vorspiel auf das, was noch folgen dürfte: Die Brasilianerinnen und Brasilianer haben das Spiel ihrer über Korruptionsvorwürfe gestolperten Regierung inzwischen durchschaut. Ob der einst populäre Lula da Silva die taumelnde Regierung der linken Arbeiterpartei noch retten kann, ist fraglich.

Das Amtsenthebungsverfahren, das im Kongress gegen Rousseff läuft, ist praktisch nicht abzuwenden, seit sich der wichtigste Bündnispartner von der Regierung abgewendet hat. Und Lula da Silvas Pläne, die Armen mit mehr Geld zu unterstützen, dürften der Regierung auch nicht mehr viel nützen. Denn erstens gibt es das Geld nicht. Und zweitens werden sich die Brasilianerinnen und Brasilianer wohl nicht mehr so einfach kaufen lassen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der Anfang vom Endne für Brasiliens Linke? Der ehemalige Präsident Lula da Silva wird zum Stabschef der jetzigen Präsidentin.

    Brasilien: Lula da Silva wird Dilma Rousseffs Stabschef

    Aus Echo der Zeit vom 16.3.2016

    Trotz der laufenden Ermittlungen übernimmt Brasiliens ehemaliger Präsident Lula da Silva das Amt als Stabschef der amtierenden Präsidentin Dilma Rousseff. Es ist der wohl letzte Versuch der Linksregierung, ihr Überleben zu sichern.

    Ulrich Achermann

  • Tanzen trotz Zika-Virus

    Aus Tagesschau vom 8.2.2016

    Zur Eindämmung des Zika-Virus folgt am Karneval in Rio de Janeiro nach jeder Sambaschule eine Putztruppe. Die Massnahme ist gleichzeitig eine Sensibilisierungs-Kampagne. Einschüchtern lassen will man sich vom Zika-Virus in Brasilien nicht.