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International Massive Polizeigewalt erschüttert Ägypten

Ein Video hat in Ägypten für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Es zeigt wie Polizisten in Kairo einen Demonstranten verprügeln und ihn entblösen. Die Opposition fordert nun die Entlassung des Innenministers Mohammed Ibrahim.

Legende: Video Polizeigewalt in Kairo abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.02.2013.

Ein Video mit Aufnahmen massiver Polizeigewalt sorgt in Ägypten für Aufruhr. Die Aufnahmen zeigen, wie offenbar am Rande der Oppositionsproteste vom Freitag Polizisten einen Mann nahe dem Präsidentenpalast mit Knüppeln verprügeln und ihm die Kleider vom Leib reissen. Dann wird der Mann nackt über den Boden geschleift und in einen Transporter verfrachtet.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen 50jährigen Arbeiter. Er sei von den Polizisten verfolgt worden, weil er «18 Molotowcocktails und zwei Benzinkanister» bei sich getragen habe.

Die die Nationale Heilsfront, die wichtigste Oppositionsgruppierung in Ägypten, forderte in einer Mitteilung ausserdem den Rücktritt von Staatschef Mohammed Mursi. Sie unterstütze die «Rufe des Volkes» nach einem Sturz «des Regimes der Tyrannei», stand in der Mitteilung.

Mursi müsse wegen der «Verbrechen» vor Gericht gestellt werden, die bei der Niederschlagung der Proteste der vergangenen Tage begangen worden seien.

Mursi verspricht Untersuchungen

Mursis Sprecher Jasser Ali betonte, es schmerze den Präsidenten, solche schockierenden Bilder zu sehen. Dieses Vorgehen von Polizisten sei mit der Menschenwürde unvereinbar. Er hob zugleich hervor, dass es sich um Einzelfälle handle, die untersucht und geahndet werden würden.

Vor gut einem Jahr hatte in Ägypten ein ähnlicher Fall für Empörung gesorgt. Damals - als noch der Militärrat regierte – wurde im Internet ein Video veröffentlicht, das zeigte, wie eine Demonstrantin von Soldaten brutal verprügelt und entblösst wurde, so dass ihr BH zu sehen war.

Muslimbrüder verurteilen Gewalt

Präsident Mursi und die Muslimbruderschaft verurteilten derweil die jüngsten Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast. Der Sprecher des Staatsoberhauptes forderte nach Angriffen mit Brandsätzen auf den Amtssitz Mursis am Freitagabend die politischen Gruppen auf, die Krawalle zu verurteilen.

Die Partei der Muslimbruderschaft warf der oppositionellen Nationalen Rettungsfront vor, die Gewalt legitimiert zu haben. Sie verwies insbesondere auf Aufrufe des Friedensnobelpreisträgers Mohammed El Baradei über den Kurznachrichtendienst Twitter zum friedlichen Protest.

«Wie sollen die, die ihre eigenen Anhänger nicht im Griff haben, ein Land regieren?» fragten die Islamisten mit Blick auf die Oppositionsforderung nach einer Regierung der nationalen Einheit. Bei den Ausschreitungen am Freitag in Kairo wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein Mensch getötet und 102 verletzt.

Drei Jahre Haft für Ex-Innenminister

Derweil wurde der in Ägypten verhasste langjährige Innenminister unter Präsident Husni Mubarak, Habib al-Adli, zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Ex-Minister habe Polizisten in seinen Privatfirmen arbeiten lassen, berichtete das Staatsfernsehen.

Al-Adli sitzt bereits eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption ab und wartet gemeinsam mit Mubarak auf ein neues Verfahren wegen der Mitschuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten bei den Massenprotesten im Arabischen Frühling.

Besuch von Ahmadinedschad

Erstmals seit der islamischen Revolution von 1979 wird in dieser Woche mit Mahmud Ahmadinedschad ein iranisches Staatsoberhaupt nach Ägypten reisen.

Er wird die Delegation seines Landes bei dem Gipfeltreffen islamischer Länder in Kairo anführen. Die Reise folgt auf einen Besuch des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi im Iran im letzten August.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Sämtliche muslimischen Länder in der Region haben mit massiven internen Problemen zu kämpfen, herrscht Mord und Totschlag oder stehen voll in Flammen. Da kann und darf es bei den europäischen rot-grünen USA/Israel-Hasser nur einen Schuldigen geben: "Das wirtschaftlich wie gesellschaftlich erfolgreiche Israel". Schön erbärmlich!
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  • Kommentar von Patrick Bieri, Oensingen
    Revolutionen sind immer zu extrem. Man kann ein System nicht einfach "umdrehen". Der Weg der kleinen Schritte wäre erfolgreicher, wenn auch langsamer. Ich werde zudem den Eindruck nicht los, als ginge es im Hintergrund dieses "arabischen Frühlings" eigentlich um Genderismus. Könnte es sein, dass der bereits stark feminisierte Westen tatsächlich auf diese Weise die "konservativen" Gesellschaften umkrempeln will? Vorallem H. Clinton macht(e) mit diesen Eindruck. Das wäre wirklich ungehäuerli...
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  • Kommentar von A. Brunner, Basel
    Es war bei den meisten Revolutionen so, dass erst nach dem Sturz der ausbeutenden Macht, die grossen Massaker begannen. Oft sogar unter den Revolutionären. Also was lernen wir davon: Das ist erst der Anfang. Erst wenn alles ausgeblutet und verarmt ist, wird wieder die Vernunft siegen können.
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