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International Massive Strassenproteste in Bosnien

Hohe Arbeitslosigkeit, die schlechte Wirtschaftslage sowie Wut auf die unfähigen Politiker haben in Bosnien tausende Menschen auf die Strasse getrieben. Schwere Ausschreitungen mit mehr als 130 Verletzten waren die Folge. Die Proteste sollen weitergehen.

Brennende Autoreifen in den Strassen Tuzlas, daneben Schaulustige und Demonstranten.
Legende: In Tuzla sind die Proteste ausgeartet. Keystone

Bei schweren Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei sind in der bosnischen Stadt Tuzla am Donnerstag mehr als 130 Menschen verletzt worden. Proteste gegen die schlechte Wirtschaftslage, die hohe Arbeitslosigkeit und die unfähige Regierung schlugen in Krawalle um.

Legende: Video Regierungsgebäude steht in Flammen abspielen. Laufzeit 0:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.02.2014.

Der Zorn der Proteste richtete sich gegen das Regierungsgebäude. Aufgebrachte Demonstranten legten Feuer. Die Polizei wurde mit Pflastersteinen, Knüppeln und Feuerwerkskörper zum Rückzug gezwungen.

Ein Sprecher des Spitals von Tuzla sagte, 30 Demonstranten und 104 Polizisten seien in die Notaufnahme gebracht worden. Die Polizei setzte Tränengas ein, als Demonstranten in Gebäude der Regionalverwaltung einzudringen versuchten. Einige Demonstranten warfen Eier und Steine auf das Gebäude.

Laut der Polizei nahmen an den Protesten rund 2000 Menschen teil, in Medienberichten war von bis zu 7000 Demonstrierenden die Rede. Die Proteste sollen heute Freitag fortgeführt werden, wie Aktivisten ankündigten.

Missliche Wirtschaftslage

Grund für die Wut der Protestierenden ist vor allem die missliche Wirtschaftslage. In den letzten zehn Jahren wurden mehrere grosse Staatsunternehmen privatisiert. Doch die Hoffnung der Angestellten, dass es damit aufwärts gehe, wurde enttäuscht, wie SRF-Südosteuropa-Korrespondent Walter Müller erklärt: «Die Firmen wurden von den neuen Besitzern ausgeplündert oder sie gingen in Konkurs.» Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter stünden vor dem Nichts. «Es ist deshalb verständlich, dass Wut und Frust enorm gross sind.»

Arrogante Politiker plündern das Land aus

Hinzu komme die Unzufriedenheit mit den bosnischen Volksvertretern. «Unglaublich arrogante Politiker arbeiten vor allem für den eigenen Vorteil», so der Korrespondent. So füllten sie sich bei öffentlichen Ausschreibungen die eigenen Taschen oder erhöhten sich trotz misslicher Wirtschaftslage die eigenen Sitzungsgelder.

Zwar stehen in Bosnien-Herzegowina Neuwahlen an. Doch Müller sagt, diese würden kaum etwas ändern: «Die Parteien halten ihre Wähler in existenzieller Abhängigkeit.» Der Staat sei der grösste Arbeitgeber und um eine Stelle zu erhalten, müsse man in der richtigen Partei sein oder mit Schmiergeld nachhelfen.

Ethnische Gräben prägen Bosnien

Trotz der Proteste gegen die Missstände geht Müller nicht davon aus, dass sich in Bosnien viel ändern wird. «Letztlich spielen die Gräben zwischen den Volksgruppen immer wieder die entscheidende Rolle.»

Die Politik im Land sei ethnisch definiert, jede Volksgruppe schaue nur für sich, konstruktive Kompromisse seien daher unmöglich. Die Politiker würden sogar gezielt das Misstrauen zwischen den Volksgruppen schüren und so ihre Macht zementieren. «Selbst junge Politiker in Bosnien haben immer noch den Krieg im Kopf – obwohl der seit 18 Jahren vorbei ist.»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von elize naude, zürich
    "Hinzu komme die Unzufriedenheit mit den bosnischen Volksvertretern. «Unglaublich arrogante Politiker arbeiten vor allem für den eigenen Vorteil», so der Korrespondent. So füllten sie sich bei öffentlichen Ausschreibungen die eigenen Taschen oder erhöhten sich trotz misslicher Wirtschaftslage die eigenen Sitzungsgelder..." zeig mir ein land wo es anders ist.... wilkommen in die realität!!!
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  • Kommentar von Besim Hadzic, Uster
    In der Staatsregierung können Kroaten oder Serben einfach etwas blockieren wen es ihnen nicht passt. Das gleiche gilt für die Bosniaken. Das Parlament Bosnien-Herzegowia kann also in zahlen ausgedrückt von 23% der Parlamentarier blockiert werden. Es gibt 3 " Präsidenten" die in einem Turnus von 8 Monaten den Vorsitz. Die Bosniaken stellen zwar 54% der Bevölkerung aber im Parlament bring Ihnen das nichts da 2/3 von jeder Ethnie für ein Gesetz stimmen muss. Also auch Serben und Kroaten!
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    1. Antwort von urs müller, zürich
      jaja, die bösen serben stecken sicher wieder dahinter...
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    2. Antwort von r.burri, rorschach
      Es geht nicht um die "bösen Serben", Herr Müller. Es geht um ein untaugliches Regierungs-System. Dieses System hat der Westen dem neu gegründeten Bosnien Herzegowina nach dem Bürgerkrieg aufs Auge gedrückt. Damals rühmte man sich über die "erfolgreichen Friedensgespräche". In Wahrheit wurde aber eben da eine Zeitbombe gelegt, weil der Korruption Tür und Tor geöffnet wurden.
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  • Kommentar von Besim Hadzic, Uster
    Bosnien-Herzegowina hat nach letzter Volkszählung 3.8 Millionen Einwohner. Davon sind 54% Bosniaken 32.5% Serben Kroaten 11.5% und Minderheiten stellen 2%. Es gibt die Regierung des Staates, Die Regierungen der Entitäten der Föderation und der Republika Srpska da gibt es noch 10 Kantonts Regierungen und 173 Gemeinde Regierungen zu guter letzt gibt es noch Brcko Distrikt das ist eine Stadt und Umgebung die weder zu Föderation noch zur Republika Srpksa gehört.
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