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Massives Polizeiaufgebot «Gelbwesten»-Protest mit weniger Zulauf

Legende: Video Gelbwesten-Proteste verlaufen für einmal friedlich abspielen. Laufzeit 00:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.12.2018.
  • An den «Gelbwesten»-Protesten in Frankreich haben sich landesweit nach offiziellen Angaben rund 66'000 Menschen beteiligt.
  • Das sind weniger als vor einer Woche.
  • In Paris fanden die Kundgebungen an verschiedenen Orten statt.

Vor allem auf der Prachtstrasse Champs-Élysées kam es wieder zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, dabei wurden auch Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt. In Paris wurden nach Angaben der Polizeipräfektur mehr als 150 Personen festgenommen, davon kamen über 110 in Polizeigewahrsam. Landesweite Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Nach Angaben des Innenministeriums nahmen in der Hauptstadt 2200 Menschen an den Protesten teil, bei denen unter anderem wieder der Rücktritt von Staatspräsident Emmanuel Macron gefordert wurde. Die Demonstrationen wurden von massiven Sicherheitsmassnahmen begleitet. Allein in Paris waren 8000 Polizisten im Einsatz. Landesweit waren 69'000 Sicherheitskräfte im Dienst. Auch in Bordeaux und Toulouse kam es zu Spannungen. In Toulouse wurden nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP mehrere Menschen verletzt.

Sit-in vor Oper Garnier

Es ist das fünfte Wochenende in Folge, an dem die «Gelbwesten» protestieren. Nach dem Terroranschlag von Strassburg am Dienstag hatte die französische Regierung an die «Gelbwesten» appelliert, an diesem Wochenende nicht zu demonstrieren.

Am Samstag vor einer Woche hatte die Zahl der Demonstranten in Paris bis zum Nachmittag bei rund 10'000 gelegen, im ganzen Land am Abend bei 126'000. Damals waren etwa 2000 Menschen festgenommen worden.

Vor der Oper Garnier organisierten «Gelbwesten» ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf – eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor mehreren Tagen.

Paris soll keine «tote» Stadt sein

Auf den Champs-Élysées demonstrierten mehrere Frauen halb nackt als Marianne verkleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Auf Bildern wird sie gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze bedeckt und mit unbedeckten Brüsten gezeigt.

Während vor einer Woche Geschäfte und viele Sehenswürdigkeiten und Museen geschlossen wurden, blieben diesmal der weltberühmte Louvre und der Eiffelturm offen. Paris solle nicht den Eindruck einer «toten» Stadt erwecken, erklärte der Polizeipräfekt.

Legende: Video Aus dem Archiv: Macron und die «Gelben Westen» abspielen. Laufzeit 06:12 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.12.2018.

Ursprünglich richtete sich die Wut der «Gelbwesten» gegen geplante Steuererhöhungen auf Sprit und Diesel, hohe Lebenshaltungskosten und die Reformpolitik der Mitte-Regierung Macrons. Um den Konflikt mit den «Gelbwesten» zu entschärfen, versprach Macron zu Wochenbeginn ein Paket mit Sofortmassnahmen im Sozialbereich, darunter eine Erhöhung des Mindestlohns um monatlich 100 Euro. Die Massnahmen sollen bis zu zehn Milliarden Euro kosten.

Mittlerweile haben sich die Forderungen teilweise geändert. Viele der Demonstranten protestierten in Paris für mehr direkte Demokratie. Forderungen nach Einführung eines Bürgerreferendums wurden laut – und nach dem Rücktritt Macrons.

Einfluss auf Wirtschaft

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Nach Einschätzung der französischen Regierung haben die anhaltenden Strassenblockaden und Proteste spürbaren Einfluss auf das Wirtschaftswachstum des Landes. Die französische Nationalbank hat die Wachstumserwartungen für das laufende Quartal von 0,4 auf 0,2 Prozent halbiert.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Macron hat Reformen zurückgenommen und dürfte damit wohl gescheitert sein, folgend schrumpfendes Wirtschaftswachstum und zunehmende Staatsverschuldung. Die Welt steht im internationalen Wettbewerb und nimmt bestimmt keine Rücksicht auf die Grande Nation, die sich lieber zu Tode streikt, als sich am Riemen zu reißen, um mithalten zu können. Macron versuchte das, was der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder mit seinen Reformen bereits vor 15 Jahren durchgesetzt hat.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Die Welt Herr Chauvet, steht vor einer einzigen grossen Herausforderung, die Sorge um unseren Planeten. Wachstum, wie es die normale, vorherrschende Wirtschaft vorsieht, ist gekennzeichnete durch Überproduktion von Schrott, durch Arbeitsverhältnisse, die die Menschen zunehmend entmutigen und krankmachen, durch Vergeudung menschlicher Arbeitskraft und Kreativität für Nonsens-Hochtechnologie, wie Gadgets, Waffen und Fluchtszenarien ein paar Superreicher vergeudet und uns die Welt kosten lässt.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Die BRD ist wohl kaum mehr eine Vorzeige Nation, Herr Chauvet. Denn ein so 'reicher' Staat, der so viele Menschen in die Armut treibt, dass soll ein Beispiel sein. Am Riemen reissen müssten sich alle Konzerne, alle Finanzkräftigen Bewohner, die weder Steuern zahlen wollen noch sonst irgendwie sich sinnvoll am Wohlergehen einer Nation beteiligen wollen, obwohl es gerade sie sind, die am meisten Infrastrukturen beanspruchen und an der Mitweltbelastung beitragen.
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  • Kommentar von Emil Schauberger (Emil Schauberger)
    Paris leuchtet und reflektiert - neuer Geist für ganz Europa?
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Europa braucht fürwahr Menschen, die einstehen für sich, für die MiteuropäerInnen, das sich vom neoliberalen Projekt der EU Wirtschaftstechnokratie emanzipiert und für ein Europa, der Vielfalt, des Reichtums an Fähigkeiten und Fertigkeiten, einen Kontinent der regionalen Differenz und gemeinsamen Übergeordneten Werten eintreten und darum zu kämpfen beginnen .....
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    2. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Wenn ich auch die Frustration der Gilets Jaunes in bestimmten Bereichen verstehen kann, wo es eindeutig klare Verbesserungen braucht, sind sinnlose und rechtswidrige Sachbeschädigungen an staatlichem und privat-fremden Eigentum strikt abzulehnen. Die Sachbeschädiger gehören folglich entsprechend bestraft. Streiken ist ein Grundrecht aber nur gewaltloses Streiken. Streikende haben auch kein Recht, andere, die nicht streiken wollen, gewaltsam vom Arbeiten abzuhalten.
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    3. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Aber das bitte alles ohne Kommunismus und Extremsozialismus. Wo das hinführt, haben wir auch gesehen. Eine grosse Mehrheit der Menschen in den ehemaligen osteuropäischen Staaten und insbesondere der DDR wollen davon ganz sicher nichts mehr hören. Leider tendieren wir Menschen stets zu Extremen - in die eine oder andere Richtung. Weiss nicht, ob wir es mal noch lernen, Ausgewogenheit in allen Lebens- und gesellschaftlichen Beteichen zu beherzigen.
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  • Kommentar von Jacopo Contin (Spitfire)
    Wünschenswert wäre es wirklich....nur wären sie dann keine Polizisten,,,,wenn sie es merken (würden)....
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