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Nachwahlen in Grossbritannien «Mays Kurs macht UKIP obsolet»

Selbst in der Brexit-Hochburg haben EU-Kritiker keinen guten Stand. SRF-Korrespondent Martin Alioth sagt, warum.

Legende: Audio Korrespondent Alioth zu den Nachwahlen in Grossbritannien abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
04:28 min, aus HeuteMorgen vom 24.02.2017.

SRF News: Kommt der Sieg der konservativen Tories bei diesen Nachwahlen überraschend?

Martin Alioth: Nein, nur die Deutlichkeit ist überraschend. Ein Sieg als solcher hatte sich in den letzten zwei, drei Wochen abgezeichnet. Labour hatte drei unüberwindbare Nachteile. Zum einen den nostalgisch linken Kurs der Parteiführung, dann die Ratlosigkeit der Partei zum Brexit, und das in einem Wahlkreis, der deutlich dafür gestimmt hatte. Zudem hat die Führung eine sehr antinukleare Haltung. Dabei hat der Bezirk tausende Arbeitsstellen in einer Wiederaufbereitungsanlage.

Nuttall war ein lausiger Kandidat.

Die Konservativen gewinnen also einen Sitz im Nordwesten Englands. Ebenfalls einen Sitz zu vergeben gab es in einem Wahlkreis in Mittelengland. Der Sitz bleibt in Labour-Hand. Darf sich die Partei also auch als Sieger fühlen?

Nein, nicht ernsthaft. Labour verlor auch in Stoke-on-Trent Wähleranteile. Ein grosser Konkurrent ist hier die UKIP. UKIP-Chef Paul Nuttall kandidierte gleich selbst und machte sich auch grosse Hoffnungen. In Stoke-on-Trent hatten fast 70 Prozent der Bürger für einen Brexit gestimmt. Doch Nuttall war ein lausiger Kandidat. Er stolperte über Widersprüche und Unwahrheiten in seinem eigenen Lebenslauf. Labour gewann hier aufgrund der Inkompetenz von UKIP und nicht aufgrund der eigenen Popularität.

Die grosse Verliererin heisst UKIP, jene Partei, die letztes Jahr erfolgreich für den Brexit gekämpft hatte. Was bedeutet diese Wahlniederlage für UKIP?

Es stellt sich erneut die Frage nach der Existenzberechtigung der Partei. Wenn UKIP gegen ein schwaches Labour nicht gewinnen kann. Die Entscheidung von Premierministerin May, einen harten Brexit-Kurs zu fahren, macht UKIP derzeit obsolet.

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Wettstein (Hans W)
    Der letzte Satz bring es auf denPumkt; UKIP schadet im Moment seiner eigenen Sache, Tory hätte Haushoch gewonnen, hätten UKIP ihnen nicht die Hälfte der Stimmen abgenommen. Eigentlich sollten hier UKIP und Conservatives zusammen regieren, statt dessen kommt Labour zum Zug; das First Past the Pole System lässt die Mehrheit der Wähler im Stich...
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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    UKIP hat sein Ziel mit dem Brexit massgeblich erreicht. Würde Deutschland die Migrations- und Euro-Problematik glaubhaft und nachhaltig lösen, würde auch die AfD verschwinden. Auch der Zulauf der SVP würde abbrechen, wenn die Migrations- und EU-Frage endlich nach dem Volkswillen angegangen würde. Doch leider scheint die Classe politique die Zeichen der Zeit - und diese sind weltweit nun doch klar ersichtlich - noch immer nicht wahrhaben zu wollen. Der Krug geht halt zum Brunnen bis er bricht....
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Was ist in der Schweiz denn der Volkswille bzgl. Migrations- & EU-Frage?
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    2. Antwort von Armin Hug (Hugi)
      @U.Müller: eigenständige Regelung des Zuzugs, d.h. keine Personenfreizügigkeit und keine Knebelverträge mit der EU, die unsere Eigenständigkeit einschränken und fremde Richter einsetzen - generell die Wahrung der Grundsätze unserer Verfassung - so einfach kann man das auf den Punkt bringen ;-)
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  • Kommentar von Dave Gruen (Echt jetzt?)
    Das ist halt so mit Protestparteien. Ist der Grund für den Protest weg, verschwindet auch die Partei. Nur unsere SVP kann sich als Protestpartei über Jahrzente halten. "Ironie off"
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