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International Mazedonien hebt Grenzsperre auf

Erst noch hatte Mazedonien einen Zaun an der Grenze zu Griechenland aufgestellt. Nun hat das Land die Grenzsperre für Flüchtlinge wieder aufgegeben. 1500 gestrandete Flüchtlinge konnten einreisen.

Legende: Video Flüchtlinge durchbrechen Absperrungen abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.08.2015.

Mazedonien hat seine mehrtägige Grenzsperre für Flüchtlinge aufgegeben. Die auf griechischer Seite blockierten 1500 Flüchtlinge konnten die Grenze nach Mazedonien überqueren.

Männer, Frauen und Kinder liefen am Abend ungehindert über die Grenze bei der Stadt Gevgelija, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP beobachtete. Mazedonische Polizisten, die nach wie vor vor Ort waren, schritten nicht mehr ein.

Flüchtlige warten am Bahnhof Gevgelija auf den nächsten Zug
Legende: Bereits tagsüber konnten die Polizisten nicht verhindern, dass Flüchtlinge die Grenze überquerten. Reuters

Mit Schlagstöcken gegen Flüchtlinge

An den mit Stacheldraht gesicherten Grenzabsperrungen hatten sich zuvor dramatische Szenen abgespielt. Trotz der verschärften Sicherheitsvorkehrungen an der bis dahin abgeriegelten Grenze hatten hunderte Flüchtlinge am Nachmittag die Grenze durchbrochen und waren auf mazedonisches Staatsgebiet gestürmt.

Die Polizei setzte wie bereits am Freitag Blendgranaten und Schlagstöcke ein, um die Menschen zurückzudrängen. SRF-Sonderkorrespondent Stefan Rathgeb war vor Ort und berichtet von einer Situation, die völlig ausser Kontrolle geraten war. «Ich habe blutverschmierte Menschen gesehen: Die Sicherheitskräfte haben mit Schlagstöcken auf diejenigen eingeschlagen, die versuchten, die Grenze zu überqueren.»

Im Gedränge gingen auch Kinder verloren. So habe ihn beispielsweise ein Mann weinend gebeten, ihm zu helfen, seinen 8-jährigen tauben Sohn wieder zu finden, sagt Rathgeb.

Legende: Video Reportage aus der Krisenzone abspielen. Laufzeit 6:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 21.08.2015.

In die Verzweiflung habe die Leute zudem getrieben, dass es kein System gab dafür, wen die Polizisten durchliessen und wen nicht. «Ein Familienvater hat erzählt, dass sie jeden Morgen um 6 Uhr vor der Grenze stehen, weil ihnen versprochen wurde, dass sie die Grenze dann überqueren dürften», so Sonderkorrespondent Rathgeb. Doch das Warten war jeweils vergebens gewesen – die Flüchtlinge wurden nicht durchgelassen. Inzwischen ist die Absperrung aufgehoben worden.

Ausnahmezustand seit drei Tagen

Mazedonien hatte am Donnerstag den Ausnahmezustand ausgerufen und die Grenze zu Griechenland praktisch abgeriegelt, nachdem dort in den vergangenen Wochen täglich mehr als 1000 Flüchtlinge ins Land gekommen waren. Auch am Freitag setzte die Polizei Blendgranaten und Schlagstöcke gegen Flüchtlinge ein, mindestens acht Menschen wurden verletzt.

Danach wurde die Grenze für mehrere hundert «verletzliche» Flüchtlinge wie Familien mit Kindern oder schwangere Frauen geöffnet, die mit einem Zug Richtung Norden gebracht wurden. Am Samstagmorgen liess die Polizei erneut Gruppen von mehreren dutzend Menschen über die Grenze.

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72 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Mittlerweile werden in Kanada Reisewarnungen für Europa, genauer gesagt für Norwegen, herausgegeben. Andere Länder könnten folgen...
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  • Kommentar von Niklaus Bächler, Winterthur
    Rechtsradikale greifen ein Asylheim in Heidenau D an! Mazedonische Polizisten schiessen Tränengas auf Flüchtlinge! Auf Kos lassen Wutbürger Schiffe mit Migranten kentern! Und wir? Wir haben nicht begriffen, dass auch hier bald Jagd auf Menschen in Not gemacht wird! Auch unsere Wutbürger stehen kurz davor,Selbstjustiz zu begehen! Wie lange wollen wir noch der Hetze einer SVP zusehen,bevor wir aufstehen & NEIN zu solchen Wutbürgern sagen? Erheben wir die Stimme, dass die CH sich nicht versündigt!
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      Hier findet eine gewaltige Verdummung Europas statt, N.Bächler, eine Zwangsmigration, die Europa aufgedrückt wird, entstanden durch die Kriegsführungen in Nahost und Afrika der USA/ Nato. Europa soll entwurzelt und destabilisiert werden, kulturell, rechtlich und wirtschaftlich. Das hat nichts mit der SVP zu tun, selbst die SPD in Deutschland hat festgestellt, dass das Land zunehmend mit Parllelgesellschaften überfordert wird - nebst den eigenen Obdachlosen.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler, Winterthur
      Und jetzt, M. Mitulla? Was sollen wir mit ihrer Feststellung anfangen? Die Menschen kommen, und wir haben keine Zeit mehr uns in Analysen zu verlieren! Das hätten wir früher tun müssen! Jetzt ist es zu spät!
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      Nein, es ist nicht zu spät, um sich gegen die Kriege der USA einzusetzten, N.Bächler. Es werden laufend neue Kriege eingefädelt und geführt - derzeit in Syrien, Irak, Jemen, Afghanistan, Pakistan und in verschiedenen Ländern Afrikas. Und fast immer geht es um den freien Zugang zu Öl und Gas!. Bald könnte der Krieg in der Ukraine wieder aufflammen, selbstverständlich auf Europäischem Boden... Ich kann die Heuchelei über "Demokratie und Menschenrechte" nicht mehr hören...und Europa senkt den Blick
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    4. Antwort von Niklaus Bächler, Winterthur
      M.Mitulla: Sie sprechen von etwas ganz anderem als in meinem Ausgangskommentar. Ich spreche von der Katastrophe, dass Wutbürger Selbstjustiz begehen und Übergriffe auf Asylanten stattfinden werden. Sie verwehren sich gegen die Stellungnahme meiner Befürchtungen. Was sie hier beschreiben mag auch ein Problem sein, doch hier geht es real um die Hetze gegen Ausländer. Paralellgeschellschaften schaffen wir indem wir ausgrenzen & hetzen! Wir treiben die Leute in diese Situation!
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    5. Antwort von U.Haller, Bern
      N.Bächler,nicht schon wieder Ihre alte Leier und Schuldzuweisung an Ihre verhasste SVP.Was tun denn Ihre lieben Linken und Grünen,was tragen diese bei ? Gerade solche Beiträge wie die von Ihnen vergiften das Klima den Flüchtlingen gegenüber.
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  • Kommentar von A. Zuckermann, Bern
    Migration ist nichts neues, die Menschen gehen dorthin wo sie eine besser Zukunft erwarten. Vor 150 Jahren ging es von Europa nach Amerika, darunter viele Schweizer. Und da es damals bei uns keinen Krieg gab, sondern Armut, wären das in den Augen vieler Kommentarschreiber "unechte" Schweizer Flüchtlinge gewesen.
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    1. Antwort von Joe Huber, Hochdorf
      @Zuckermann: Dieser Vergleich zeugt von völliger Unkenntnis: Selbsverständlich kamen die Einwanderer für ihren Lebensunterhalt selber auf. Ohne härteste Arbeit, Disziplin und Unterordnung hatten diese KEINE Chance.
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    2. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Diese Einwanderer kann man in keinster Weise mit den heutigen Flüchtlingen vergleichen. Sie haben sich unter schwersten Bedingungen eine Existenz aufgebaut. Land war vorhanden, aber sonst nichts. Da gab es keine soziale Hängematte. Man musste es einfach schaffen oder es war das Ende der Existenz.
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