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International Mehr als 40 Tote nach Anschlägen in Beirut

Bei einem Doppelanschlag in Beirut sind nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes mindestens 44 Menschen getötet und 239 weitere verletzt worden. Zwei Selbstmordattentäter zündeten vor einem Einkaufszentrum Sprengstoffgürtel. Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrormiliz IS.

Legende: Video Selbstmordanschlag in Beirut abspielen. Laufzeit 4:04 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.11.2015.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut sind kurz nacheinander zwei Sprengsätze explodiert. Gemäss Angaben des libanesischen Innenministers Nohad Machnouk wurden 44 Menschen getötet – darunter auch die beiden Attentäter. Die Zahl der Verletzten beläuft sich auf 239.

Zu den Anschlägen hat sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannt (IS). In einer im Internet veröffentlichten Erklärung der Gruppe heisst es, zunächst sei in unmittelbarer Nähe einer schiitischen Menschenmenge eine Bombe auf einem Motorrad zur Detonation gebracht worden. Wenig später habe ein IS-Kämpfer am Ort des ersten Anschlags seinen Sprengstoffgürtel gezündet.

Waren es vier Attentäter?

Ziel der Attacken war ein südliches Viertel, wo die radikal-islamische Schiitenpartei Hisbollah stark verankert ist. Die zwei Attentäter sprengten sich vor einem Einkaufszentrum in die Luft, teilte die Polizei mit.

Laut offizieller Nachrichtenagentur NNA kam es im Abstand von fünf Minuten und 150 Metern voneinander entfernt zu den schweren Explosionen. Nach Information von LBC waren insgesamt vier Selbstmordattentäter in der Gegend unterwegs, einer sei jedoch geflüchtet, ein weiterer getötet worden, bevor er seinen Sprengsatz zur Explosion bringen konnte.

Erster Anschlag seit 2014

An den umstehenden Gebäuden entstanden durch die Explosionen schwere Schäden. Leichen lagen in mehreren kleinen Geschäften in der Nähe, auf der Strasse waren Blutlachen zu sehen. Sicherheitskräfte bemühten sich, den Bereich abzusperren.

Tag der Trauer

Der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam rief für Freitag einen Tag der Trauer aus. Die Regierung liess die Flaggen auf Halbmast setzen. Auch Schulen und Universitäten waren geschlossen. Zugleich wurden die Sicherheitsvorkehrungen aus Angst vor neuer Gewalt verschärft, wie libanesische Medien berichteten. Es war der erste Anschlag in den südlichen Stadtvierteln der libanesischen Hauptstadt seit Juni 2014.

In den vergangenen zwei Jahren hat es ähnliche Attacken gegeben. Der Libanon ist wegen des syrischen Bürgerkriegs in einer politischen Krise. Im multikonfessionellen Land teilen sich Sunniten, Schiiten und Christen nach einer jahrzehntealten Abmachung die Macht.

Der Bürgerkrieg in Syrien blockiert jedoch seit Monaten die Politik, weil die Parteien unterschiedliche Konfliktparteien im Nachbarland unterstützen. Die schiitische Hisbollah kämpft an der Seite des Assad-Regimes und die libanesischen Sunniten unterstützen die Rebellen. So ist die Wahl eines Präsidenten mehrfach gescheitet, obwohl die Amtszeit von Staatsoberhaupt Michel Suleiman im Mai 2014 ausgelaufen ist.

Aufruf zu Versöhnung

Die libanesische Regierung hat alle Parteien zur Versöhnung aufgerufen. Der Justizminister forderte, die Wahl eines neuen Präsidenten voranzutreiben. Libanon hat seit über einem Jahr keinen Regierungschef.

UNO verurteilt Anschlag

UNO verurteilt Anschlag

Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich betrübt über die hohe Zahl an Toten und Verletzten und sagte Libanon die anhaltende Unterstützung der Vereinten Nationen zu, um die Sicherheitslage zu stabilisieren. Auch die US-Regierung verurteilt den Anschlag in einer ersten Stellungnahme.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Der Anschlag ging auf das Konto des IS. Wer den Befehl dazu gab, ist weniger klar. Der Hauptausrüster des IS ist KSA. Es ist der Favorit aller (westlichen) Waffenlieferanten. Ohne das Ok der USA wird KSA aber nicht aktiv. Die wichtigen IS-Leuten wurden bereits vor Wochen mit Hilfe der Türkei und der USA in sichere Gebiete ausgeflogen. Sollte jetzt das grosse Schlachten gegen den IS beginnen, wird vor allem das Fussvolk eliminiert. Am grundsätzlichen Problem wird sich kaum etwas ändern.
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    1. Antwort von Matthias Rast (Mats Rats)
      Lustige Verschwörungstheorie! Irgendwelche Quellen, die über ein Homemade-Youtubevideo hinausgehen?
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    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Was genau möchten Sie besser erklärt haben, M.Rast? Der IS ist „verbandelt“ mit der Türkei und v.a. mit Saudi-Arabien - dafür gibt es viele Quellen, beispielsweise Michael Lüders, der verstorbene Peter Scholl-Latour u.v.m. Ashton Carter hat 50 Elite-Soldaten nach Syrien geschickt, welche nach verschiedenen Angaben, u.a. auch durch die Washington Post, mit dem Rückzug der unterstützten Rebellen nach Saudi-Arabien begonnen haben, um nicht mit den Russen in Konflikt zu kommen...
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  • Kommentar von Erwin Jenni (ej)
    Was für eine Barberei! Scheinbar interessiert das niemand in diesem Forum?! Sollte es aber, denn diese Schlächter werden auch vor Europa nicht Halt machen! Der Libanon ist nicht sehr weit von uns entfernt. Das kleine Land wurde einmal als die Schweiz des Nahen Ostens bezeichnet, bevor der islamistische Terror es in wenigen Jahrzehnten vollständig zerstörte! Heute ist das Land eine Marionette des Iran und Christen werden dort bald keine mehr sein.Ein Alarmzeichen für Europa und keiner schaut hin!
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    1. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Hr Jenni, der Terroranschlag wurde nicht an Christen verübt, sondern an Schiitischen Moslems. Das war ein Anschlag gegen die Hizbollah und im entferntesten Sinn gegen den Iran und seine Rolle im Syrienkrieg. Ein feiger Angriff auf Zivilisten. Der Libanon wurde nicht nur durch islamistischen Terror, sondern auch durch blutige Kriege mit seinen südlichen Nachbarn über die Jahre zerstört. Wie so häufig gibt es in jener Region eben nicht ein Schwarz und Weiss sondern nur ganz viele Graustufen.
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    2. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Stimmt. Dasselbe habe ich mir gedacht bei der Berichterstattung über den Bürgerkrieg in Burundi. Evtl. hat das damit zu tun dass das Elend auf der Welt immer mehr zunimmt, anstatt es weniger wird. Mehrheitlich sind die Menschen auch nicht bereit sich zu informieren und erkennen so nicht die Zusammenhänge. Nebenbei, ich glaube nicht das der Iran den IS unterstützt.
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    3. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @Vogt: Sie interpretieren ihre Sicht in meinen Text hinein, was nicht eben förderlich ist. Mit keinem Wort rede ich davon, dass der Anschlag Christen galt, sondern ich weise nur darauf hin, dass es in diesem Land für sie keine Zukunkft mehr geben wird. Was sie schreiben ist mir alles bekannt. Sie wissen so gut wie ich, dass Christen im ganzen Nahen Osten - ausser in Israel - von Muslimen verfolgt und getötet werden. Europa wird als christliches Abendland bezeichnet.
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    4. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @Vogt: Wenn sie mit "südlichen Nachbarn" Israel meinen liegen sie meilenweit von den geschichtlichen Fakten entfernt. Ich sehe wohl, dass sie bei jeder sich ergebenden Gelegenheit auf Israel einschlagen, meist ohne die Fakten dahinter zu kennen. Der Libanon wurde im wesentlichen von der Arafats PLO in den 70er Jahren zerstört. als es in einen blutigen Bürgerkrieg gezogen wurde. Israel unterstützte die Christen im Land, was sowohl von Sunniten als Schiiten bekämpft worden ist.
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    5. Antwort von Matthias Rast (Mats Rats)
      Ich kann Herr Vogt nur beipflichten. Die Konstellation lässt sich nicht mit simplen Parolen, wie denjenigen von Herr Jenni beschreiben. Man muss sich zB. bewusst sein, dass die zwei grossen politischen Blöcke im Land aus zwei Koalitionen bestehen, bei denen jeweils eine Christenpartei mit einer muslimischen Gruppierung zusammenarbeitet. Ich bin jedoch absolut damit einverstanden, dass diesem Land nicht genügend Beachtung geschenkt wird.
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    6. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      @Jenni: Es ging mir einfach darum zu sagen das der Anschlag nicht den Christen sondern eher Iran galt. Die Christen in Syrien führten übrigens bis vor dem Bürgerkrieg auch ein Leben ohne direkte Verfolgung auch wenn das in den Medien gerne überschaut wird und wie Hr Rast schön hervorhebt, gibt es auch im Libanon nicht nur eine christliche Gruppe. Nur weil wir bezüglich der friedensstiftenden Rolle Israels im nahen Osten eine andere Meinung haben, heisst das nicht das ich die Fakten nicht kenne.
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    7. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Im Libanon arbeiten schiitische und christliche Kräfte mehrheitlich zusammen, E.Jenni. Beispielsweise bildet die Hisbollah mit christliche Kämpfer aus. Ihr Gegner ist der iS, der zunehmend auch den Libanon destabilisiert, denn der IS will unbedingt eine "schiitische Brücke" Vom Iran, über den Irak, Syrien und den Libanon verhindern. Israel befürchtet nichts mehr als eben genau diese "Brücke". Wie immer in allen Kriegen sind die Leidtragenden die einfachen Menschen, die keinen Unterschlupf finden
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    8. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Helmers bringt einiges durcheinander. In Burundi ist es ein alter seniler Christ und seine machtgeile Clique, die das Land in den Abgrund stürzt.
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    9. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      mitulla, vogt, rast: Der Libanon ist nur ein Beispiel unter vielen im Nahen Osten, wo wir sehen können, wie religiöser Fanatismus und Machtinteressen ein Land ruinieren! Der beschränkte Platz hier erlaubt es mir nicht ins Detail zu gehen. Nur soviel: Seit die Hisbollah den Libanon besetzt, sagt der Iran wo's dort langgeht. Da können sie noch so viele Argumente anbringen mit die Christen seien politisch eingebunden. Nur,sie haben keine politische Macht mehr im Land! Ihre Führer wurden weggebomt!
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