Mehr Bargeld, aber höhere Mehrwertsteuer

Die Banken in Griechenland öffnen wieder ihre Türen. Die Griechen erhalten auch wieder mehr Geld auf einmal. Doch hat die Einigung mit den Euro-Partnern für den Konsumenten auch erste negative Folgen: Die Mehrwertsteuer erhöht sich um zehn Prozent.

60 Euro werden von einem griechischen Geldautomaten bezogen.

Bildlegende: Ab Montag können in Griechenland wieder mehr als nur 60 Euro pro Tag bezogen werden. Die Wochenlimite bleibt gleich. Reuters


EZB: Mehr Geld für Griechenland

5:59 min, aus Echo der Zeit vom 16.07.2015

Ab Montag soll Griechenland wieder zu etwas Normalität zurückkehren: Die Vorbereitungen für eine Wiedereröffnung der Banken laufen auf Hochtouren. Diese waren drei Wochen lang zwangsweise geschlossen.

Künftig sollen die Griechen pro Woche bis zu 420 Euro auf einmal abheben dürfen. Seit Einführung der Notmassnahmen war noch ein Bezug von höchstens 60 Euro pro Tag möglich. Die wöchentliche Limite bleibt folglich unverändert. Doch sollte sich so wenigstens das Problem langer Warteschlangen vor den Automaten abschwächen.

Die meisten Kapitalverkehrskontrollen bleiben weiter bestehen, denn die Finanzlage der Banken bleibt äusserst prekär.

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Leben in Griechenland wird teurer

0:59 min, vom 19.7.2015

Eine leichte Lockerung tritt ab Montag in Kraft: Griechische Kreditkarten können wieder im Ausland eingesetzt werden – allerdings nur zum Bezahlen von Rechnungen und Einkäufen, nicht für das Abheben von Geld am Automaten.

Für Überweisungen ins Ausland brauchen die Griechen nach wie vor eine Genehmigung der Zentralbank und des Finanzministeriums.

Überbrückung für weitere Verhandlungen

Möglich wurde die Wiederöffnung durch einen Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) und einem EU-Brückenkredit: Die EZB hat die Notkredite für die klammen Geldhäuser für eine Woche um weitere 900 Millionen Euro ausgeweitet. Zuletzt lagen sie insgesamt bei rund 90 Milliarden Euro.

Zudem gewährten die europäischen Partner dem von der Pleite bedrohten Land einen Brückenkredit in der Höhe von sieben Milliarden Euro. Damit soll Zeit gewonnen werden, das neue Griechenland-Hilfsprogramm auszuhandeln. Dafür werden mehrere Wochen veranschlagt.

Deutlich höhere Mehrwertsteuer

Der Steuersatz für viele Produkte und Dienstleistungen steigt ab Montag von 13 auf 23 Prozent. Die griechische Presse listete am Sonntag die Produkte und Dienstleistungen auf, für die sich die Mehrwertsteuer erhöht. So werden beispielsweise in Tavernen und Bars künftig 23 Prozent für die servierten Getränke und Gerichte fällig.

Auch für alle verarbeiteten Lebensmittel beträgt die Mehrwertsteuer künftig 23 Prozent. Das gilt etwa für frisches oder tiefgekühltes Fleisch, Fisch, Kaffee, Tee oder Säfte. Eier, Zucker, Kakao, Reis, Mehl, Milchprodukte wie Eis und Joghurt verteuern sich ebenso wie Düngemittel, Kondome oder Toilettenpapier.

Die griechische Finanzpresse schätzte, dass die Mehrwertsteuererhöhung dem Staat allein bis Jahresende 800 Millionen Euro zusätzlich einbringen wird.

Die Erhöhung war vergangene Woche vom griechischen Parlament gebilligt worden. Sie ist eine der Voraussetzungen für den Beginn von Gesprächen mit den Gläubigern des Landes über ein neues Hilfspaket.

Kapitalverkehrskontrollen betreffen auch Schweizer Wirtschaft

Kapitalverkehrskontrollen betreffen auch Schweizer Wirtschaft
66 Prozent der Schweizer Exporte nach Griechenland entfallen auf die Pharmabranche. Die Anfang Monat eingeführten Einschränkungen machen sich hier bereits bemerkbar. «Die Zahlungen an uns sind verzögert und unsere Ausstände nehmen deutlich zu», teilt Roche auf Anfrage mit. Die Einheit in Griechenland arbeite «so normal als möglich», meldet Novartis.

Für Überweisungen ins Ausland braucht es eine Genehmigung der Zentralbank und des Finanzministeriums. «So Gott will, hat man nach fünf Tagen eine Bewilligung. Kommt aber wie vergangene Woche ein Streik dazwischen, kann es durchaus noch länger dauern», sagt Nikolaos Aggelidakis, Präsident der Schweizerisch-Griechischen Wirtschaftskammer (SGW). Wegen der unsicheren Wirtschaftslage lieferten die Pharmafirmen ohnehin nur gegen Vorausbezahlung.

Allerdings sind längst nicht alle Schweizer Exportbranchen von der Krise betroffen. Der zweitgrösste Ausfuhrbereich nach Griechenland, die Uhrenindustrie, konnte im gleichen Zeitraum sogar um 26 Prozent zulegen, wie der «Tages-Anzeiger» vermeldete.

Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie, sieht zwei Gründe für die steigende Nachfrage nach Schweizer Uhren im Krisenland. Erstens habe die Uhrenbranche von der positiven Entwicklung im Tourismus profitiert. Und zweitens investierten Griechen in Schweizer Uhren als «Fluchtwährung».