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Schüsse in der Silvesternacht Mehrere Festnahmen nach Anschlag in Istanbul

Legende: Video Augenzeuge: «Ich habe mich totgestellt» abspielen. Laufzeit 1:09 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.01.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Terrormiliz IS reklamiert den Anschlag auf einen Nachtclub in Istanbul für sich.
  • Die Polizei nimmt derweil acht Verdächtige fest.
  • Von den 39 Todesopfern sind mindestens 26 Ausländer.
  • Nach dem Angriff laufen die Ermittlungen auf Hochtouren.
  • Es werde in alle Richtungen ermittelt, teilte Premier Yildirim mit.
  • Die PKK weist jegliche Verantwortung für die Tat zurück.
  • Ankara weist bewusst keiner Gruppe die Schuld für die Tat zu.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Angriff auf den Tanzclub Reina in Istanbul bekannt. Ein «Soldat des Kalifats» sei für die Tat verantwortlich, heisst es in einer am Montag im Internet verbreiteten Erklärung des IS.

Die türkischen Sicherheitsbehörden suchen derweil mit einem Grossaufgebot den flüchtigen Täter. Die türkische Polizei nahm inzwischen acht Verdächtige fest. Sie stünden im Zusammenhang mit dem Angriff, meldete die Agentur DHA, ohne weitere Details zu nennen.

Ministerpräsident Binali Yildirim liess offen, in welche Richtung ermittelt wird. Die Ermittler arbeiteten «mit Nachdruck» daran, den Täter zu identifizieren, sagte er. Yildirim sprach von einem «bewaffneten Terroristen».

PKK-Chef weist Verantwortung zurück

Innenminister Süleyman Soylu sagte, der Attentäter habe sein Gewehr unter einem Mantel verborgen und womöglich die Kleidung gewechselt, bevor er den Club verliess. «Ich hoffe, er wird schnell gefasst – so Gott will.»

Von kurdischer Seite wurde die Verantwortung für das Attentat abgewiesen. Die Agentur Firat, die der verbotenen Kurdenpartei PKK nahesteht, zitierte deren Chef Murat Karayilan mit der Aussage, dass keine kurdische Gruppierung hinter der Tat stecke.

Die meisten Opfer aus arabischen Ländern

Bei dem Anschlag waren am Silvesterabend 39 Menschen getötet worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Quellen im Justizministerium berichtet, waren zwölf davon Türken und mindestens 26 Ausländer.

Die meisten davon stammten offenbar aus arabischen Ländern; sieben aus Saudi-Arabien, je drei aus dem Libanon und dem Irak, je zwei aus Tunesien, Marokko, Jordanien und Indien. Jeweils ein Opfer sei aus Kuwait, Kanada, Israel, Syrien und Russland gewesen. Auch unter den 69 Verletzten sollen mehrere Ausländer sein.

Chaos verbreiten

Zuletzt hatte es in der Türkei immer wieder Anschläge gegeben, die auf das Konto der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) oder kurdischer Extremisten gingen. Im Falle des Nachtclub-Anschlags vermieden die Behörden zunächst Schuldzuweisungen, sie benannten keine Verdächtigen.

«Sie wollen die Moral unseres Landes zerstören und Chaos verbreiten, indem sie mit diesen schändlichen Angriffen gezielt Zivilisten attackieren», erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Türkei sei aber entschlossen, «den Kampf gegen den Terror» fortzusetzen.

UNO-Sicherheitsrat schockiert

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat den Anschlag auf einen Club in Istanbul als abscheuliche und barbarische Tat scharf verurteilt. Alle Terrorakte seien verbrecherisch und durch nichts zu rechtfertigen, unabhängig von ihrer Motivation, teilte der Sicherheitsrat mit.

20 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    In letzter Zeit sind Hunderte Menschen in der Türkei bei Terroranschlägen durch PKK-nahe Angreifer, aber auch durch Mitglieder des IS gestorben. Zehntausende Menschen sind nach dem Putschversuch in Gewahrsam genommen oder entlassen worden. Er baut seine Macht weiter aus. Tatsächlich ist es aber Erdogans doppelzüngige Politik, die den Kurdenkonflikt in der Türkei wieder anzufachen droht und auch lange den IS unterstützt hat. Eine Demokratie stirbt und schuld ist Erdogan.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Bedenklich stimmt, dass sich die islamistische Community in der Türkei immer dreister wird und gegen westliche Bräuche, wie Weihnachts- und Sylvesterfeiern ihre Stimme erhebt und dort Verständnis findet. Was wäre, wenn man z.B. im "Abendland" das islamische Opferfest, wo Tiere geschächtet werden, als unerwünscht brandmarken würde? Erdogan hat den IS in der Türkei gehegt und gepflegt und jetzt, wo er sich ihnen gegenüber wie eine Mutter ohne Brust verhält, bekommt die Türkei ihre Rache zu spüren
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  • Kommentar von Boris Weibel (Boris Weibel)
    wer seit dem sommer 16 in die türkei reist um ferien zu machen ist selber schuld wenn er nicht nach hause kommt. dies ist die strafe für die unterstützung eines regiems welches jegliche hemmung verloren hat. ein hoch auf die kurden.«Sie wollen die Moral unseres Landes zerstören und Chaos verbreiten, indem sie mit diesen schändlichen Angriffen gezielt Zivilisten attackieren», erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. mit Sie meint er wohl Sich selber.
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