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International Mehrere Tote – Slawjansk im Strudel der Gewalt

In der ostukrainischen Stadt Slawjansk ist die «Anti-Terror-Operation» in vollem Gange. Die Soldaten gehen gegen militante pro-russische Kräfte vor. Die pro-russische Seite schoss erneut einen Helikopter ab. Die schweren Kämpfe forderten erneut mehrere Menschenleben.

Legende: Video SRF-Korrespondent: Tschetschenische Kämpfer mischen mit abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 05.05.2014.

Die Übergangsregierung in Kiew bekommt die Ostukraine nicht in den Griff. Die «Anti-Terror-Operation» der Zentralregierung in Kiew fordert beinahe täglich Verletzte. Ein Schauplatz des Machtkampfes ist die ostukrainische Stadt Slawjansk. Hier kam es erneut zu schweren Gefechten zwischen ukrainischen Regierungstruppen und pro-russischen Separatisten.

Derweil schossen pro-russische Kräfte erneut einen Kampfhelikopter der Regierungstruppen ab. Die Besatzung des Mi-24 habe den Absturz in einen Fluss überlebt, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit.

Die Soldaten seien von einem Spezialkommando in Sicherheit gebracht worden, hiess es. Die Separatisten hätten mit grosskalibrigen Waffen auf die Maschine gefeuert. Bei den Kämpfen um Slawjansk wurden bereits in der vergangenen Woche mindestens drei Helikopter abgeschossen.

Tote auf beiden Seiten

Bei der «Anti-Terror-Operation» gab es auf beiden Seiten Tote. Das Innenministerium machte keine Angaben darüber, wie viele ukrainische Soldaten ums Leben kamen. Pro-russische Separatisten sprachen aus den eigenen Reihen aber von vielen Toten. Ein Sprecher der selbst ernannten Volksmiliz erklärte: «Wir konnten unter grossen Anstrengungen ein Eindringen des Gegners in die Stadt verhindern» Dabei seien aber rund 20 Aktivisten gestorben.

Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow schätzte, dass etwa 800 bewaffnete Separatisten die Stellungen in Slawjansk hielten. «Sie setzen schwere Waffen ein, schiessen mit grosskalibrigen Waffen, benutzen Granatwerfer und sonstige Technik», sagte der Minister. Die Regierungstruppen hätten trotz der Gegenwehr den Fernsehturm der Stadt eingenommen. Nun würden wieder ukrainische Fernsehsender ausgestrahlt.

Mit Militäreinsatz gegen Abspaltung

Kugeln hätten eine Gastankstelle getroffen, die daraufhin explodiert sei, meldete Interfax unter Berufung auf Aktivisten. Ein örtliches Internetportal berichtete, die ukrainischen Truppen würden keine Notarztfahrzeuge durch ihre Absperrungen durchlassen.

In dem strategisch wichtigen Slawjansk mit einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt sind seit Tagen ukrainische Soldaten im Einsatz. Dabei gab es nach offiziellen Angaben bereits zahlreiche Tote. Die «Anti-Terror-Operation» der pro-westlichen Regierung in Kiew soll eine Abspaltung der Ostukraine von der Ex-Sowjetrepublik verhindern.

Odessa – zweiter Schauplatz des Machtkampfs

Angesichts der ebenfalls gespannten Lage in Odessa hat die aus freiwilligen Kräften gebildete Nationalgarde in Kiew eine Sondereinheit in die Metropole am Schwarzen Meer geschickt, wie Innenminister Awakow mitteilte.

Bei einem schweren Brand im Gewerkschaftshaus der Stadt sowie bei Strassenschlachten waren dort am Freitag mindestens 46 Menschen gestorben und mehr als 200 verletzt worden.

Kiew wirft Moskau Kriegstreiberei vor

Der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow warf derweil Russland Kriegstreiberei vor. «Es ist ein Krieg gegen unser Land im Gange vonseiten der Russischen Föderation – sowohl im Osten als auch im Süden des Landes», sagte Turtschinow. Russland versuche weiter, die Lage vor der Präsidentenwahl am 25. Mai «völlig zu destabilisieren». Dabei habe Moskaus Führung im Osten der Ukraine ihre Pläne bereits verwirklicht.

Turtschinow räumte zudem ein, dass es in der Region Sympathien für eine Abspaltung von der Ukraine gebe. Erschwerend komme hinzu, dass die Polizei mit den pro-russischen Kräften sympathisiere.

Russland sieht schwere Menschenrechtsverletzungen

Demgegenüber prangerte das russische Aussenministerium schwere Menschenrechtsverletzungen an. Anhänger der pro-westlichen Regierung würden Gegner mit «Repressionen, physischer Gewalt und offenem Banditentum» einschüchtern, heisst es in einem Bericht. Zudem seien in der Ukraine Ultranationalismus, Extremismus und Neonazismus auf dem Vormarsch.

Ban Ki Moon will helfen

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat angeboten, zwischen den Konfliktparteien in der Ukraine zu vermitteln. Zugleich rief er alle Seiten auf, die schwere Krise «mit friedlichen Mitteln» beizulegen. In einer Erklärung Bans in Abu Dhabi heisst es weiter, er sei bereit, «meine eigene Rolle zu spielen, wenn das notwendig ist».

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11 Kommentare

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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Also eine ethnische Säuberung findet hier ( noch ) nicht statt. Und von grösseren Flüchtlingsströmen ist mir auch nichts bekannt. Aber das Geschehen auf dem diplomatischen Parkett und die wachsende Verrohung im Osten der Ukraine erinnert immer mehr an den Kriegsbeginn in Jugoslawien 1991. Auch damals eskalierte der Konflikt an Strassenblokaden und bewaffneten Bürgerwehren. Alleine heute soll es dutzende von Toten und einen abgeschossenen Hubschrauber gegeben haben. Das ist ein Bürgerkrieg.
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    1. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Von dem Zeitpunkt an, wo die Kämpfe noch weiter eskalieren, die ersten Flüchtlingsströme einsetzen und Zerstörungen sich häufen, ist die Lunte zum Pulverfass endgültig durchgebrannt und Europa wird mit einem längeren Bürgerkrieg zu tun haben. Für die Ukraine und seine Menschen befürchte ich das allerschlimmste. Die Lage ist wirklich sehr ernst und erinnert frappant an die Ereignisse im Osten Kroatiens im Sommer 1991. Damals wie heute machen EU/OSZE keine gute Figur im Krisenmanagement.
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Der Vergleich mit Jugoslawien ist an den Haaren herbeigezogen: Milosevic wollte in Jugoslawien expandieren und die Russen schauten damals zu, in der Ukraine hingegen will das Russland Putins expandieren.
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  • Kommentar von Pance Antevski, Weggis
    Die jetzige (nicht gewählte) Regierung behauptet, es seien aus Russland eingeschläuste Kämpfer, die vor den Wahlen, im Auftrag Putins das Land destabilisieren wollen. Warum sagt man nicht klar ob die 46 Opfer in Odessa ukrainische oder russische Staatsbürger waren? Das wäre doch fair bevor man Kräfte aus dem Ausland beschuldigt. Lieber Christoph Wanner: Ist das möglich zu erfahren, welche Bürger die Opfer von Odessa waren?
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Bei Milosevic hatte man bei ähnlichen Ereignissen von ethnischer Säuberung gesprochen. Ich befürchte, dass sich hier Schlimmes abspielt.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Sie sollten nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: im Kosovo ging es um ethnische Säuberungen, in Slawjansk geht es um die Niederschlagung eines von Russen geschürten Volksaufstandes.
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    2. Antwort von Hans Weiler, St. Gallen
      @Planta. Kosovo von Serbien unabhängig, hier Ostukraine von Kiew unabhängig, Milosevic mit militärischem "Anti-Terror-Einsatz", wird vom Westen als ethnische Säuberung veurteilt, Kiew mit militärischem "Anti-Terror-Einsatz". Was sind nun Apfel und was Birnen? Dass Milosevic zu den Bösen gehörte und Jazenjuk nun zu den Guten?
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    3. Antwort von T. Hofer, Rosshäusern
      Warum hergott nochmal, sollte dieser Volksaufstand von Russen geschürt sein? Die Leute im Osten protestieren gegen die Regierung, welche durch einen Putsch an die Macht kam. Von der Macht verdrängt haben sie dabei den Präsidenten, den die Ostukrainer grossmehrheitlich unterstützten. Man muss den Mann nicht mögen und sollte selbst wenn man über seinen Abgang erfreut ist erkennen, dass wohl kaum russisches Zutun nötig ist, damit die Ostukrainer gegen den Sturz "ihres" Präsidenten protestieren...
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