Mers: Die Schweiz eine Insel der Glückseligen?

Dromedar-Husten hat man die Krankheit genannt, weil das Mers Virus von den vierbeinigen Wüstenschiffen auf den Mensch übergesprungen ist. Am Dienstag wurde bekannt, dass in Deutschland ein Patient an den Folgen von Mers gestorben ist. Wie gefährlich ist das Virus?

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Bisher 20 Mers-Opfer

0:20 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.6.2015

Zurzeit macht Mers vor allem wegen neuer Fälle in Südkorea Schlagzeilen. Der Kampf gegen die Suche wird unter anderem mittels Säuberungsaktionen in Kinosälen geführt. Die Angst geht um.

Männer in weissen Schutzanzügen desinfizieren ganze Strassenzüge. In U-Bahn-Stationen und Bussen wird jede Ritze, jeder Sitz von möglichen Mers-Erregern befreit – beunruhigende Bilder aus der Hauptstadt Seoul.

Bisher sind in Südkorea 19 Menschen an den Folgend des Virus gestorben. 154 Personen sind infiziert. Meist würden aber nur Patienten mit schwachem Immunsystem an den Folgen des Mers-Virus sterben. «Hauptsächlich sind es Menschen mit Vorerkrankungen und die sind besonders empfänglich für das Virus», betont Virologe Volker Thiel von der Universität Bern.

Nur naher Kontakt birgt Ansteckungsgefahr

Der Ursprung des Mers-Virus liegt im arabischen Raum. Dromedare tragen die Krankheit schon lange. Im Jahr 2012 steckten die Tiere dann auch Menschen mit Mers an.

Von Mensch zu Mensch werde das Virus aber selten übertragen. «Die Infektionen, die wir kennen aus Saudi-Arabien, sind hauptsächlich Übertragungen vom Dromedar auf den Menschen und kurze Infektionsketten im Menschen», erklärt Thiel.

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Der Dromedar-Husten

2:35 min, aus 10vor10 vom 16.6.2015

Das heisst: Nur wenn Menschen sehr nah beisammen sind, können sie sich gegenseitig anstecken. Einzelne kamen mit dem Virus zurück nach Europa und haben aber hier keine weiteren Menschen mit dem Virus angesteckt.

Bundesbern noch nicht in Panik

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schlägt vorerst nicht Alarm. In der Schweiz sei noch niemand mit Mers eingereist – die Spitäler seien aber darauf vorbereitet, erklärt Patrick Mathys vom BAG. «Wir haben bereits vor zwei Jahren Empfehlungen für die Ärzteschaft publiziert und die gelten bis heute.»

Zudem bringe sich die Schweiz in der internationalen Diskussion ein. Das BAG schaue genau, wie sich die Lage entwickelt, damit auch entsprechende Massnahmen ergriffen werden können, wenn sich die Situation verschlechtern sollte.

Das BAG warnt nicht vor Reisen in die betroffenen Länder, denn das Ansteckungsrisiko ist sehr gering.