Mexiko lässt in Iguala die Armee aufmarschieren

Das Massaker an Studenten im Südwesten Mexikos ruft die Armee auf den Plan. Die Streitkräfte und die Bundespolizei übernehmen die Kontrolle über die Stadt Iguala. Zuvor verurteilte Präsident Enrique Peña Nieto die Tat.

Ein Polizist hinter einem Maschinengewehr, welches auf einem Pickup befestigt ist.

Bildlegende: Die Bundespolizei patrouilliert mit schwerem Geschütz auf den Strassen von Iguala. Reuters

Nach einem Massaker an zahlreichen Studenten im Südwesten Mexikos übernehmen die Streitkräfte und die Bundespolizei die Kontrolle in der Stadt Iguala. Die Beamten der städtischen Polizei wurden entwaffnet und zum Verhör in eine Kaserne gebracht.

Soldaten und Beamte der neu geschaffenen Gendarmerie würden die Zufahrten zu der Stadt im Bundesstaat Guerrero bewachen, sagte der Nationale Sicherheitsbeauftragte Monte Alejandro Rubido. Innerhalb der von Korruption geplagten Sicherheitskräfte Mexikos gelten Streitkräfte und Bundespolizei als die saubersten Institutionen.

Mitglieder einer kriminellen Organisation geständig

Zuvor war bekanntgeworden, dass die örtliche Polizei von Iguala vermutlich in den Mord an zahlreichen Studenten verwickelt ist. Nach einer Protestaktion vor rund einer Woche waren dort 43 Studenten verschwunden. Jetzt gestanden zwei Mitglieder der kriminellen Organisation «Guerreros Unidos» den Mord an 17 Verschleppten.

Den Auftrag sollen der städtische Sicherheitsdirektor und der regionale Bandenchef erteilt haben. Laut den Zeugen stehen zahlreiche Beamte der städtischen Polizei von Iguala auf der Gehaltsliste der «Guerreros Unidos», die aus einem bewaffneten Arm des Drogenkartells Beltrán Leyva hervorgegangen waren. Der Bürgermeister und der Sicherheitschef von Iguala sind untergetaucht.

Motiv unklar

Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam übernahm persönlich die Ermittlungen. «Straflosigkeit darf es nicht geben und wir müssen verhindern, dass sich so etwas wiederholt», sagte er. Zweifelsfrei geklärt ist die Identität der 28 in einem Massengrab entdeckten Leichen bislang noch nicht. Auch das Motiv für das Massaker ist unklar.

Präsident Enrique Peña Nieto verurteilte die Tat scharf. Der Mord an den jungen Leuten sei empörend und inakzeptabel, sagte der Staatschef. Üblicherweise äussert sich Peña Nieto nicht zu einzelnen Gewalttaten in Mexiko. Auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission zeigte sich besorgt über die Lage in Guerrero.

Wegen der Vorfälle in Iguala wurden 22 Beamte der städtischen Polizei festgenommen. Am Montag forderten die «Guerreros Unidos» auf einem in der Stadt aufgehängten Transparent die Freilassung der Polizisten. Sollte ihrer Forderung nicht Folge geleistet werden, würden sie die Politiker und Funktionäre nennen, die die Bande unterstützen, hiess es auf dem Plakat. «Der Krieg hat schon begonnen», schrieben die Gangster in ihrer Botschaft.