MH17-Abschuss: Rakete von pro-russischem Gebiet abgeschossen

Ein Bericht der niederländischen Justiz zeigt, dass die Passagiermaschine MH17 mit einer russischen Luftabwehrrakete abgeschossen worden ist. Die Buk-Rakete ist vom Gebiet der pro-russischen Rebellen abgefeuert worden und die Abschussrampe anschliessend nach Russland zurückgebracht worden.

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Russische Raketen schossen MH17 ab

1:50 min, aus Tagesschau vom 28.9.2016

Das Flugzeug der Malaysia-Airlines ist mit einer russischen Luftabwehrrakete über der Ukraine abgeschossen worden. Das machten die internationalen Ermittler nun bekannt. Die Flugabwehranlage ist in einem von pro-russischen Separatisten besetzten Gebiet, im Süden des Ortes Snischne, positioniert gewesen.

Die Abschuss-Anlage ist nach dem Abschuss der Maschine nach Russland zurückgebracht worden. «Das können wir überzeugend beweisen», sagten die Ermittler. Die Erkenntnisse stützten sich auf die Auswertung von Satellitenbildern und Informationen der Geheimdienste.

Der Ermittler wollten eine mögliche Involvierung Russlands beim Abschuss nicht kommentieren.

Kreml dementiert

Moskau wies erneut jegliche Verantwortung scharf zurück und beschuldigte stattdessen die Ukraine. Neue russische Radardaten zeigten, dass das Flugzeug nicht vom Gebiet der pro-russischen Separatisten aus beschossen worden sei, sagte ein Kremlsprecher. Er sprach von «unwiderlegbaren Beweisen».

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Christof Franzen und Henriette Engbersen zum Bericht

5:42 min, aus Tagesschau vom 28.9.2016

Russland hat in der Zeit seit der Tragödie widersprüchliche Angaben zum möglichen Hergang gemacht. Gezielt wurden immer kurz vor Veröffentlichung offizieller Berichte neue angebliche Beweise in Umlauf gebracht.

Über zwei Jahre ist es her, als der Flug MH17 der Malaysia-Airlines von Amsterdam nach Kuala Lumpur über dem Donbass sein jähes Ende fand. Beim Absturz der Boeing 777-200ER am 17. Juli 2014 verloren alle 298 Insassen ihr Leben. Es waren vor allem Niederländer.

Einschätzungen von SRF-Korrespondent Christof Franzen

«Sehr wichtig ist, dass die internationale Untersuchungsbehörde klar aufzeigt, dass die tödliche BUK-Rakete von einem Gebiet abgeschossen wurde, das unter der Kontrolle der von Russland unterstützten Separatisten stand. Zentral auch: das Waffensystem soll von Russland gebracht und am nächsten Tag wieder nach Russland zurückgefahren worden sein.

Wie es heute in den Niederlanden gesagt wurde: Das sind die Resultate der Untersuchungskommission, das Urteil wird eines Tages ein Richter fällen müssen. Juristisch ist das also noch bei Weitem nicht das Ende. Und es ist sehr zweifelhaft, dass Russland je einmal Hand bieten wird für ein solches Gericht (zum Beispiel Verdächtige ausliefern etc.). Aber politisch gesehen ist das heute ein klarer Schuldspruch für den Kreml und für Präsident Wladimir Putin. Das russische Kartenhaus von Lügen, Halbwahrheiten und Propaganda in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt fällt in sich zusammen.

Der Kreml mag es abstreiten, solange er will. Die Weltgemeinschaft hat heute einmal mehr klare Indizien dafür erhalten, dass Russland in der Ukraine einen verdeckten Krieg führt und unter anderem die Mitverantwortung trägt für den Tod von 298 Menschen, den Insassen der MH17.»

100 Verdächtige

Die Staatsanwaltschaft nannte keine Namen von Verdächtigen. Die Ermittlungen seien auch noch nicht abgeschlossen. Laut den Angehörigen der Toten hat die Staatsanwaltschaft bereits rund 100 Verdächtige ausgemacht, die am Abschuss beteiligt gewesen waren – zum Teil seien sie bereits identifiziert.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Erkenntnisse zu Flug MH17

    Aus Tagesschau vom 27.9.2016

    Morgen will die niederländische Staatsanwaltschaft die ersten Ergebnisse der internationalen Ermittler vorlegen. Erkenntnisse, auf die besonders die Angehörigen warten.