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International MH17-Absturz: Experten wollen Raketen-Reste suchen

Ein niederländisches Expertenteam hat einen Zwischenbericht zum Absturz der Maschine der Malaysia Airlines publiziert. Darin ist nicht offiziell von einem Abschuss die Rede. Die Experten wollen zuerst «absolute Sicherheit». Doch dafür müssen sie ins Kampfgebiet in die Ostukraine reisen.

Legende: Video Experten-Bericht zu Flug MH17 abspielen. Laufzeit 1:28 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 09.09.2014.

Ist die Passagiermaschine MH17 am 17. Juli über der Ostukraine durch eine Rakete abgeschossen worden? Und wenn ja, wer hat diese abgeschossen?

Auf die Antworten auf diese beiden Fragen wartet die ganze Welt seit knapp sieben Wochen. Sie sind jedoch im neuen Zwischenbericht der niederländischen Flugsicherheitsbehörde in Den Haag nicht zu finden.

«Eindeutige Aussage verfrüht»

«Zurzeit ist nur sicher, dass das Flugzeug durch Objekte in der Luft mit hoher Schnelligkeit durchbohrt wurde», sagt Tjibbe Joustra, Vorsitzender des niederländischen Sicherheitsrates, welcher den Bericht verfasste. Eine eindeutige Aussage sei verfrüht.

Der Sicherheitsrat vermutet, dass an der Absturzstelle in der Ostukraine noch Reste einer Rakete zu finden sein könnten. Wegen der heftigen Kämpfe konnten die internationalen Experten den Ort aber nicht untersuchen. Sie hoffen jedoch nach wie vor, so rasch wie möglich dorthin zu reisen.

Nach Angaben der malaysischen Regierung in Kuala Lumpur ist die Absturzstelle jedoch weiterhin nicht zugänglich. Die Lage in der Region um Donezk sei unbeständig, erklärte Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein unter Berufung auf ukrainische Militärvertreter. Eigentlich gilt seit Freitag eine Waffenruhe.

Auch wenn der Abschuss nicht explizit genannt wird – andere Ursachen werden explizit ausgeschlossen. «Es gibt keine Anzeichen, dass ein technischer Fehler oder Handlungen der Crew den Absturz von Flug MH17 verursacht haben», schreiben die niederländischen Experten.

«Alles weist auf ein abruptes Ende hin»

Eine grosse Zahl schnell fliegender Teile habe den Rumpf der Boeing 777 durchsiebt. Die Maschine der Malaysia Airlines sei noch während des Fluges in mehrere Teile zerborsten.

Die Flugschreiber, der Funkverkehr und alle Daten der Verkehrsleitung belegen dem Bericht zufolge einen normalen Flugverlauf. Es gab auch kein Notsignal der Piloten. «Alles weist auf ein abruptes Ende hin», heisst es. Die Hinweise deuteten auf eine «externe Ursache».

Nur zivile Maschinen in der Luft

Der Absturz sei «wahrscheinlich auf strukturelle Schäden zurückzuführen, die von einer grossen Zahl an Objekten verursacht wurden, die das Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit von aussen durchdrangen».

Russische Beschuldigungen gegen die Ukraine, wonach ein ukrainisches Flugzeug die MH17 abgeschossen haben könnte, widerlegt der Bericht. Denn zum Zeitpunkt der Katastrophe waren nur drei zivile Maschinen im Luftraum. Die Maschine, die am dichtesten war, war 30 Kilometer von MH17 entfernt.

Schuldfrage (noch) kein Thema

Zu Verantwortlichen für den Absturz machte die Sicherheitsbehörde ebenfalls keine Aussagen. Die Schuldfrage ist Gegenstand der laufenden strafrechtlichen Ermittlungen.

Karte des Absturzgebiets
Legende: Zur Zeit des Absturzes war das Gebiet in der Ostukraine heftig umkämpft. SRF

Die Boeing 777 war am 17. Juli 2014 mit 298 Menschen an Bord von Amsterdam in Richtung Kuala Lumpur unterwegs. Über dem zwischen ukrainischen Regierungstruppen und pro-russischen Separatisten umkämpften Gebiet stürzte sie ab.

Die politischen Folgen waren immens. Nach dem Drama von MH17 eskalierte der Konflikt in der Ukraine und stiegen die Spannungen zwischen dem Westen und Russland.

Schon unmittelbar nach der Tragödie sprachen die Ukraine und westliche Politiker von einem Abschuss durch eine Boden-Luft-Rakete russischer Bauart, die beispielsweise mit dem System BUK abgefeuert wird. Moskau soll sie an die Rebellen geliefert haben.

So eine Rakete explodiert in unmittelbarer Nähe einer Maschine, und tausende Metallsplitter durchlöchern das Ziel. Die Reichweite der Raketen würde ausreichen, um ein in grosser Höhe fliegendes Objekt zu treffen.

Abschlussbericht in einem Jahr erwartet

Die Regierung in Moskau hat mehrfach bekräftigt, keine Waffen an die Rebellen in der Ukraine geliefert zu haben. Die Separatisten selbst haben erklärt, sie hätten niemals über BUK-Raketen verfügt, was sie bekräftigten. Allerdings hat einer ihrer Anführer im Juli im Reuters-Interview eingeräumt, die Rebellen seien durchaus mal im Besitz solcher Raketen gewesen.

Bei dem Unglück starben alle Insassen, die meisten von ihnen waren Niederländer. Deshalb wurden die Niederlande offiziell mit der Leitung der Untersuchung beauftragt, an der 10 Länder beteiligt sind. Der Abschlussbericht der Sicherheitsbehörde soll innerhalb eines Jahres nach dem Absturz vorliegen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Keine Hinweise auf technisches Versagen oder Pilotenfehler.
  • Grosse Zahl von Objekten durchlöcherte die Boeing von aussen. Sie brach in der Luft auseinander.
  • MH17 befand sich auf dem zugewiesenen Kurs.
  • Flug verlief normal. Kein Notruf.
  • Zum Absturzzeitpunkt befanden sich noch drei Zivilmaschinen über Donezk. Der kürzeste Abstand zu MH17 war 30 km.

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146 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wie es genau passierte, wird wohl Spekulation bleiben oder zu spät bekannt werden. Zum Verständnis des Erreignisses kann aber die Auseinandersetzung mit den Schriften des bedeutenden US-Geostrategen Brzezinski beitragen. Darin spielt die UK eine zentrale Rolle als "Bastion" gegen RU und zur Wahrung der Vormachtstellung der US-Interessen in Eurasien. Es passt zu gut: MH17 als false-flag Operation der USA um genau das hinzukriegen was geschieht: Schwächung der Allianz RU-EU, Nato-Erweiterung usw.
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  • Kommentar von M.Krebser, BE
    Wenn jemand mehr über die Zusammenhänge im Ukraine Konflikt wissen möchte, dann ist es sehr empfehlenswert ein Beitrag von Jörn Vinzelberg "Ukraine - Worum geht es eigentlich?"
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Russland ist die flächenmässig grösste Nation des Planeten, grenzt an 14 Nachbarstaaten, ist Mitglied der BRICS-Staaten mit einem Markt von ca. 3 Milliarden Menschen. Russland hat enorme Bodenschätze aller Art, riesige landwirtschaftliche Flächen und eine starke Schwerindustrie. Dazu eine der stärksten konventionellen Streitkräfte und ein grosses atomares Arsenal. Wenn die EU glaubt, diesem Land mit Sanktionen mehr schaden zu können als sich selbst, dann sollte sie seine Logik-Module checken.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Es geht nicht um Logik. Dahinter stekt Washington. Die Politiker in der EU sind oft durch die USA korrumpiert oder erpressbar (Abhöraktionen können da helfen...). Förderung, Wahlschancen usw. gibts nur schwehrlich für Politiker, welche den USA nicht treu sind. In den USA sitzen die Scharfmacher, denen der EU-Einsatz gegen RU nicht weit genug gehen kann:" Geopolitik Ukraine: US-Falken drängen EU zu mehr Härte gegen Russland".
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Kriegstreiber aus den USA :“Bedient man sich einer Terminologie, die an das brutale Zeitalter der alten Weltreiche gemahnt, so lauten die drei Imperative imperialer Geostrategie: Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abhängigkeit in der Frage der Sicherheit zu bewahren, die Tributpflichtigen Staaten fügsam zu halten und zu schützen und dafür sorgen, dass die ‘Barbarenvölker’ sich nicht zusammenschließen.” Zbigniew Brzezinski, “Die einzige Weltmacht..."1997, Seite 65 – 66.
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