(Fast) alle mögen Michelle

Barack Obamas Beliebtheit ist im Keller. Nicht so die von Michelle Obama. Das machen sich die Demokraten zu Nutze.

«Nach der Präsidentschaftswahl von 2012 sagte ich zu Michelle, dies sei mein letzter Wahlkampf gewesen. Sie meinte darauf: ‹Halleluja!›», verriet Barack Obama unlängst. Wenig später habe er zu ihr gehen und beichten müssen: «Liebling, ich muss mich da korrigieren. Es gibt doch noch einen Wahlkampf.»

Den Wahlkampf für die Midterm Elections, um genau zu sein. Der Präsident selbst steht zwar nicht zur Wahl. Dennoch geht es für ihn um viel. Seine Partei droht im Senat ihre hauchdünne Mehrheit zu verlieren.

Dann hätten die Republikaner im Kongress vollumfänglich das Sagen – denn im Repräsentantenhaus haben die Demokraten ihre Mehrheit schon 2010 verloren. Eine jetzt schon unangenehme Situation würde für den Präsidenten noch viel ungemütlicher.

Wer soll das verhindern? Der Präsident vielleicht? Vielleicht keine gute Idee. Seine Beliebtheitswerte dümpeln um die 40 Prozent herum. Obamas Unterstützung könnte da eher kontraproduktiv sein, fürchten einige Parteikollegen.

Von der Beliebtheit profitieren

Zum Glück gibt es da noch sie: Michelle Obama. Das gesunkene Ansehen ihres Gatten hat ihr bis jetzt nichts anhaben können. Ihre Beliebtheitswerte sind stabil, meist über der 65-Prozent-Marke. 2 von 3 US-Bürgern haben ein positives Bild von ihr. Es seien in erster Linie ihre «persönlichen Qualitäten», die den Ausschlag geben würden, kam eine Umfrage der «Washington Post» zum Schluss.

Das wissen auch die demokratischen Kandidaten für die Midterm Elections. Mit Michelle Obama zeigt man sich gerne.

In die Politik? «Sicher nicht!»

Lange hatte sich Michelle Obama zurückgehalten. Das ist jetzt vorbei. Sie will mobilisieren. Für die lokalen Kandidaten in den einzelnen Staaten. Aber vor allem für Ehemann Barack.

Ihre Botschaft an die demokratische Basis ist klar: «Wenn wir zu Hause bleiben, gewinnen die Republikaner!»

Michelle Obamas Beliebtheit nimmt man auch im republikanischen Lager zur Kenntnis. Betont desinteressiert. Nein, es sei nicht überraschend, wenn Michelle besser ankomme als Barack. Doch auch sie vertrete letztlich nur dessen gescheiterte Politik. Das tönt dann trotz allem ein bisschen neidisch.

Barack Obamas Amtszeit endet am 20. Januar 2017. Doch was ist mit Michelle Obama? Spekulationen, sie könnte selbst in die Politik einsteigen wollen, gibt es schon länger. Ihre Antwort darauf lautete bis jetzt immer: Ganz bestimmt nicht.