Republikaner rüsten im digitalen Wahlkampf auf

Im letzten US-Wahlkampf 2012 waren die Demokraten den Republikanern stark überlegen, wenn es um die Technologie ging. Ihre Datenbank sagte ihnen, wer wählen ging, mit wem sie schon Kontakt hatten, mit wem nicht. Nun versuchen die Republikaner in den laufenden Zwischenwahlen aufzuholen.

Facebook-Seite «Positively Republican!»

Bildlegende: Wie potenzielle Wähler in sozialen Medien angesprochen werden können, hängt von den über sie verfügbaren Daten ab. Screenshot Facebook

Es ist wahrscheinlicher, dass ein Angestellter einer Internetfirma seinen Kollegen erzählt, dass er schwul ist, als dass er republikanisch wählt. Im Silicon Valley sei konservatives Gedankengut nicht populär, sagt der junge Informatiker Aaron Gin, in einem Café in San Francisco. «Es gibt eine Art Stigma. Viele Leute scheuen sich davor, sich mit der republikanischen Partei oder mit konservativen Ansichten zu identifizieren. Hier im Silicon Valley gibt man sich zwar weltoffen, aber man akzeptiert jene nicht, die anders denken.»

Nun hilft Aaron Ginn der republikanischen Partei, ihren Technologie-Rückstand wettzumachen. Zu diesem Zweck hat er einen konservativen Thinktank gegründet. Dies, nachdem er im Wahlkampf 2012 für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney gearbeitet hatte und miterlebte, wie die hochdigitalisierte Obama-Kampagne sie im Regen stehen liess. Wie kam es zu diesem Hintertreffen?

Die Demokraten hätten mit der Digitalisierung ihrer Wahlkampfkampagne früher begonnen, erklärt Ginn. «Sie sind ins Silicon Valley gekommen und haben Informatiker aktiv rekrutiert.» Das hätten vorher nur Firmen gemacht, nicht Parteien. Die Demokraten haben eine positivere Sicht auf Innovation und Technologie, jedenfalls was die Kampagnen betrifft: Sie führen Kampagnen wie eine Startup-Firma. Und sie haben besseren Zugang zu Leuten hier in der Technologiebranche, die eher demokratisch gesinnt sind.

Daten bestimmen die Botschaft

Kampagnen-Teams werten heute eine ganze Menge an Daten über potenzielle Wähler aus: Ob sie wählen und ob sie bei einer Partei registriert sind. Diese kombinieren sie mit Kundendaten, die man kaufen kann: «Verschiedene Websites haben Verträge mit Firmen, die auf das Sammeln von Daten spezialisiert sind», sagt Informatiker Ginn. «Sie hinterlassen Cookies auf Ihrem Computer und wissen deshalb, wo Sie im Internet surfen. Diese Daten verkaufen sie.» So erfahren Politstrategen, wie jemand sein Geld ausgibt und welche Zeitung er abonniert hat. Daraus lassen sich politische Ausrichtungen ableiten.

Andy Barkett leitet die Technologie-Offensive der republikanischen Partei. Vorher arbeitete er für Facebook und Google. Nun hat er mit seiner Organisation Data Trust eine Datenbank aufgebaut, in der alle Menschen der USA erfasst sind, von denen Konsumdaten verfügbar sind. «Das zeigt uns, ob jemand in die Kirche geht, oder ein Haus besitzt», sagt Barkett. Das sei wichtig: Wer ein Haus besitze, der kümmere sich um Immobiliensteuern; wer miete, interessiere das nicht. «Ich muss das wissen, um verschiedenen Menschen die passende Botschaft senden zu können.»

Kulturwandel bei den Republikanern

Nicht nur die Botschaft ist wichtig, auch das Medium. E-Mails werden anders gelesen als Nachrichten auf Facebook oder Twitter. Auch hier müssten die Republikaner gegenüber den Demokraten aufholen, gibt Technologie-Verantwortlicher Andy Barkett zu. Keine einfache Aufgabe. Kürzlich kritisierten republikanische Parteikader, die Entwicklung des digitalen Politmarketing gehe nicht schnell genug. Dazu sagt Barkett: «Wenn Sie die Republikanische Partei ansehen, so hat sich die Kultur gewandelt, wir haben neue Leute angestellt, verwenden neue Technologien. Aber wir haben noch viel zu tun.»

Trotzdem stehen die Chancen gut, dass Republikaner in den Wahlen Anfang November den Senat erobern und damit beide Kammern kontrollieren werden. Ein solcher Sieg könnte sich für die Technologie-Angestellten als bittersüss erweisen. Andy Barkett fürchtet, dass das die Bemühungen, digital aufzurüsten, bremsen könnte.