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Midterm Elections 2014 US-Botschafterin Suzi LeVine im Twitter-Interview

In den USA stehen die Kongresswahlen an. Was denkt die US-Diplomatin über die Wahlen? Und was können wir Schweizer von den Amerikanern lernen? SRF News Online hat die Diplomatin auf Twitter befragt.

Suzi LeVine
Legende: Vorurteile und Klischees abbauen: Das ist eines der Ziele von US-Botschafterin Suzi LeVine. US-Botschaft

Am Dienstag ist es soweit: Dann wählt das amerikanische Stimmvolk einen neuen Kongress. Die Republikaner dominieren bereits das Repräsentantenhaus. Werden sie auch die Mehrheit im Senat erobern? Darüber sprach SRF News Online mit der US-Botschafterin Suzi LeVine auf Twitter.

SRF News Online: Wie lautet Ihre Prognose, werden die Demokraten ihre Mehrheit im Senat halten können?

Suzi LeVine: Ich werde nicht spekulieren. Aber ich weiss, wer auch immer gewinnt hat eine enorme Verantwortung, das Beste für die US-Bevölkerung zu geben.

Wenn die Republikaner die Mehrheit im Senat erobern und das Repräsentantenhaus weiterhin dominieren würden, was würde dies für die US-Politik bedeuten?

Das wäre nichts Ungewöhnliches. Es ist oft so, dass die Partei des Präsidenten keine Mehrheit hat im Kongress. Unsere Gründerväter wussten dies, als sie das System partieller Gleichgewichte mit Exekutive, Legislative und Judikative entwarfen. Es bedeutet, dass Demokraten und Republikaner Wege finden müssen, um zusammenzuarbeiten und Kompromisse zu finden.

Würde dies das Regierungsgeschäft nicht blockieren?

Ich glaube, dass die Partei, welche die Mehrheit gewinnt, ihre Fähigkeit unter Beweis stellen muss, denn sie ist der Bevölkerung ja Rechenschaft schuldig.

Gut, warten wir’s ab. Das Interesse der Bevölkerung ist aber laut Voraussagen eher klein. Warum ist das so?

Erstens: An alle US-Bürger – bitte geht wählen! Wenn Ihr nicht wählt, dürft Ihr Euch danach nicht beschweren. Und: Wahlprognosen machen keine Resultate, die Stimmbürger machen sie!

Ich glaube, dass das Interesse hoch ist. Allerdings haben in der Vergangenheit die Präsidentschaftswahlen jeweils mehr Stimmberechtigte an die Urne gelockt. Ich vermute, dass dies auch mit der stärke der Kampagnen zu tun hat – bei Präsidentschaftswahlen versuchen die Parteien, auch jene zur Abstimmung zu bewegen, die keiner Partei folgen. Diese zeigen wenig Interesse bei den Zwischenwahlen.

Schweizer Medien wiederum zeigen grosses Interesse an amerikanischen Wahlen. Überrascht Sie das?

Wirklich? Im Ernst: Ja und nein. Ich denke es widerspiegelt die politische Aufmerksamkeit der Schweizer und ihr Interesse am Weltgeschehen. Zudem glaube ich, es zeigt die Verbindung, die wir als Schwester-Republiken haben und wie eng verbunden unsere Länder sind.

Ja, das Interesse ist gross, Sie werden es in den nächsten Tagen sehen. Wo werden Sie die Wahlnacht verbringen?

Wegen des Zeitunterschieds werde ich die Resultate erst am Morgen erfahren. Normalerweise würde ich mit Freunden zusammen die Resultate abwarten.

Eine Frage für Sie: In der Schweiz habt Ihr die direkte Demokratie. Glauben Sie, dass die meisten Schweizer wissen, dass wir in den USA auch direkte Demokratie haben?

Hm… vielleicht nicht. Dies scheint eine gute Gelegenheit für Sie zu sein, dies in der Schweiz bekannter zu machen!

In 27 Staaten kann die Bevölkerung neben Wahlen auch über Initiativen und Referenden abstimmen.

Sie verwenden oft den Begriff „Schwester-Republiken“, wenn Sie über die Schweiz und die USA sprechen. Ist unsere Beziehung wirklich so gut und eng?

Ja. Wir teilen eine gemeinsame DNA, wir haben ähnliche Werte und wir haben enge ökonomische, soziale und kulturelle und politische Verbindungen.

Das stimmt. Aber angesichts des Steuerstreits der Schweizer Banken mit den USA sehen einige die USA vielleicht eher als verärgerte Eltern denn als Schwester…

Das tut mir Leid zu hören. Wir sehen es anders. Die USA wollen, dass jene, welche in der Vergangenheit ihre Steuern nicht bezahlten, nun ihren fairen Beitrag leisten. Die harte Arbeit der Schweiz und der Schweizer Banken, mit der sie uns dabei helfen, schätzen wir sehr. Wir haben viel zusammen erreicht im vergangenen Jahr und sind an einem Punkt angelangt, wo wir ein neues Kapitel anfangen können. Wir können das Bankenthema gerne weiter diskutieren – ausserhalb der Gespräche zu den Zwischenwahlen.

Dann gehen wir zu weniger heiklen Themen: Sie sind auf sozialen Medien sehr aktiv, Sie führen einen Blog und twittern – warum?

Ich möchte mit so vielen Schweizern und Liechtensteinern wie möglich in Verbindung treten und ihnen zuhören. Diese Kanäle erlauben es mir, dies direkt zu tun.

Das ist schön zu hören! Letzte Frage: Was können wir von den Amerikanern lernen (und umgekehrt)?

Ich glaube, dass wir sehr viel voneinander lernen können über die unterschiedlichen und ergänzenden Aspekte der Innovation. In den USA gibt es eine „Freiheit zum Scheitern“ – eine Arbeitsumgebung, in der es für Unternehmen okay ist zu scheitern und dazuzulernen. Das treibt die Innovationen in den USA unglaublich an. In der Schweiz wiederum dominieren Präzision und Qualität.

Noch etwas: Ich denke auch, die Amerikaner können viel vom Schweizer Bildungssystem lernen. Das ist ziemlich eindrücklich!

Das war sehr aufschlussreich! Es war ein Vergnügen, mit Ihnen zu sprechen, vielen Dank für Ihre Zeit, Ambassador LeVine! Alles Gute!

Vielen Dank Ihnen für das Gespräch und Ihre ausgezeichneten Fragen! Ich freue mich auf die Resultate der Zwischenwahlen!

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