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Militär reisst Macht an sich Angespannte Ruhe in Simbabwe

Legende: Video Anspannung nach dem Militärputsch in Simbabwe abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 16.11.2017.

Wie präsentiert sich derzeit die Lage in Simbabwe? Nach der Machtergreifung des Militärs im südafrikanischen Land steht Simbabwes Präsident Robert Mugabe nach wie vor unter Hausarrest. Zudem patrouillierten in der Nacht zum Donnerstag Soldaten an wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Hauptstadt Harare. Bisher wurden keine Zwischenfälle gemeldet.

Wie geht es Robert Mugabe? Das Militär beteuert, dass es dem 93-Jährigen gut geht – genauso wie seiner Familie. Bislang hat sich Mugabe aber nicht öffentlich zu den Geschehnissen geäussert. Beobachter rechnen allerdings für Donnerstag mit einer Erklärung. Darin soll das Militär oder Mugabe informieren, wie es an der Staatsspitze des Landes weitergehen soll. Die führende Oppositionspartei wollte sich nach Beratungen ebenfalls am Donnerstag über den weiteren Kurs äussern.

Insidern zufolge gibt Mugabe im Machtkampf mit dem Militär nicht nach. Der 93-Jährige bestehe darauf, seine Amtszeit als Präsident zu vollenden. In Geheimdienstkreisen hiess es am Donnerstag, auch eine Vermittlung durch einen katholischen Geistlichen in dem Konflikt lehne Mugabe ab.

Weshalb hat das Militär die Macht überhaupt an sich gerissen? Die Militärs stellen sich auf den Standpunkt, gegen «Kriminelle» aus dem Umfeld von Präsident Mugabe vorgegangen zu sein – und dass es sich bei der Machtergreifung nicht um einen Putsch handle. Beobachter gehen davon aus, dass der Machtkampf um die Nachfolge Mugabes eskaliert ist – zwischen der Fraktion des Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwe und Grace Mugabe, der 52-jährigen Gattin von Präsident Robert Mugabe.

Vergangene Woche wurde demnach der Vizepräsident entlassen. Es wird vermutet, dass Grace Mugabe hinter dieser Anordnung steckt. Sie möchte selber das Amt ihres Mannes übernehmen. Eine Gruppe von 40 Minister und Politiker der Regierungspartei ZANU-PF hat sich denn auch um Grace Mugabe geschart. Das Militär unterstützt offenbar den Vizepräsidenten Mnangagwe – und hat nun offenbar in seinem Namen zurückgeschlagen. Dabei sollen auch einige Unterstützer von Grace Mugabe verhaftet worden sein.

Wer wird Mugabes Nachfolger? Beobachter mutmassen, dass die Streitkräfte die Macht nicht langfristig behalten wollen. Vielmehr plane das Militär, dem ehemaligen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwe den Weg zur Macht zu ebnen.

Wie reagiert die Weltgemeinschaft? UNO-Generalsekretär António Guterres rief alle Beteiligten zu «Ruhe, Gewaltfreiheit und Zurückhaltung» auf. «Die Bewahrung der Grundrechte, inklusive der Rede- und Versammlungsfreiheit, ist von grundlegender Bedeutung», sagte sein Sprecher Farhan Haq am Mittwoch in New York. Ausserdem beobachte Guterres die Situation und betone die Bedeutung der Lösung politischer Differenzen durch friedliche Mittel und Dialog.

Neben dem UNO-Generalsekretär nahm auch Guineas Präsident Alpha Condé zur Lage im südafrikanischen Land Stellung: «Wir sind davon überzeugt, dass die Simbabwer die Verfassung respektieren werden und die Nachfolge von Präsident Mugabe demokratisch vor sich gehen wird», sagte der Präsident der Afrikanischen Union am Mittwochabend in einem Interview mit der «Deutschen Welle».

Wie reagiert die Bevölkerung? Nach dem ersten Schock gingen die meisten Menschen bereits am Mittwoch wieder einfach friedlich ihren Geschäften nach. Kinder gehen zur Schule, die Erwachsenen gehen zur Arbeit.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Es sind zwei Volksgruppen die Zimbabwe beherrschen; die Mashona zu der R. Mugabe gehört, und die Ndebele. Es ist in Afrika immer das gleiche Schauspiel. Demokratische Grundsätze können sich nicht entfalten weil die Menschen jeweils nach der Zugehörigkeit zu Volksgruppen wählen, anstatt nach politischen Angeboten und Programmen.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Seit der Entlassung von den Kolonialmächten in eigene Verantwortung ist es den Länderführungen nicht gelungen, das Prinzip der Gewaltenteilung auch und gerade an der Mitbeteiligung von Minderheiten, oder in dem Fall Volksgruppen, zu organisieren. Dafür herrscht ein Nepotismus, wo es nur darum geht, möglichst nahe an die Macht zu kommen und die eigenen Leute zu bevorteilen. Die "Anderen" werden restlos abgedrängt, was dann irgendwann meist in kriegerische Handlungen umschlägt.
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    2. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      3) Es wird noch lange dauern, bis die Menschen in diesem Teil Afrikas erkennen, dass es nur mit Mitbeteiligung und Ausgleich geht. Führer vom Schlage eines R. Mugabe sind und bleiben der Ruin dieses an sich reichen Kontinentes.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    «Die Bewahrung der Grundrechte, inklusive der Rede- und Versammlungsfreiheit, ist von grundlegender Bedeutung» ... das ist wirklich zum Lachen! Wie wenn so etwas in den letzten 37 Jahren je Realität gewesen wäre.
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Nachdem Robert Mugabe es geschafft hat, mit Vetternwirtschaft und Folter eine der einstmals reichsten in die Unabhängigkeit entlassene Britische Kolonie in das Armenhaus Afrikas zu verwandeln, wäre es angebracht den Herrn bis zum Tode in Haft zu lassen oder nach Den Haag auszuliefern..
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