Militärmaschine stürzt auf Wohngebiet in Indonesien

Ein Transportflugzeug ist auf der indonesischen Insel Sumatra kurz nach dem Start abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Offenbar kamen dabei mindestens 72 Menschen ums Leben. Die Zahl der Opfer könnte jedoch noch zunehmen – an Bord der Unglücksmaschine befanden sich über 100 Menschen.

Video «Flugzeugcrash in Indonesien» abspielen

Flugzeugcrash in Indonesien

0:26 min, aus Tagesschau vom 30.6.2015

Eine Militärmaschine mit wahrscheinlich 113 Menschen an Bord stürzte in der indonesischen Millionenstadt Medan ab und verwandelte ein Wohngebiet in ein flammendes Inferno.

Über die Zahl der Opfer gibt es unterschiedliche Angaben. Laut einem Militärsprecher gab es mindestens 72 Tote. Der Luftwaffenchef rechnet indes mit über 100 Toten. Nach einem Besuch des Unglücksortes meinte er: «Nein, keine Überlebenden. Ich komme gerade von der Absturzstelle».

Widersprüchliche Angaben

Die Angaben über die Zahl der Insassen der Maschine gingen zunächst auseinander: Die Streitkräfte sprachen anfangs lediglich von zwölf Besatzungsmitgliedern an Bord des mit Militärgütern beladenen Flugzeugs.

Dann sagte ein Sprecher des Luftwaffenstützpunktes in Medan, es seien weitere 31 Menschen in Medan zugestiegen – hauptsächlich Familien von Offizieren; möglicherweise seien aber zuvor bereits bei anderen Zwischenstopps weitere Passagiere an Bord gegangen. Später teilte die Armee mit, es hätten sich wohl 113 Menschen an Bord der Maschine befunden, darunter zwölf Besatzungsmitglieder.

Pilot wollte umkehren

Offenbar hatte der Pilot wegen technischer Probleme kurz nach dem Start angefragt, zum Flughafen zurückzukehren, wie Medien berichteten.

Einer Augenzeugin zufolge kreiste die in Brand geratene Maschine mehrmals sehr niedrig über der Stadt, krachte dann in ein Hoteldach und explodierte. Die Maschine war gerade erst gestartet und hatte volle Benzintanks.

Sumatra: Viele Tote und gewaltige Verwüstung bei Flugzeugabsturz

Alte Flugzeuge für die Soldaten?

Die Lockheed C-130 ist ein propellergetriebenes Transportflugzeug, das seit Jahrzehnten auch bei Katastrophenhilfen eingesetzt wird. Die nun verunglückte Maschine soll seit mehr als 50 Jahren im Dienst gewesen sein, berichteten Nachrichtenportale.

Direkt nach dem Absturz forderten Politiker neues Fluggerät für die Luftwaffe. «Die Flotte besteht fast nur aus alten, qualitätsschwachen Maschinen», sagte der Parlamentsabgeordnete Pramono Anung nach Angaben der «Jakarta Post». «Es ist eine Schande, dass unsere Soldaten damit fliegen müssen.»

Medan auf der Insel Sumatra ist die grösste indonesische Stadt ausserhalb der Hauptinsel Java und ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum. Der Polonia-Flughafen liegt mitten in der Stadt.