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International Militäroperation zur Rückeroberung Mossuls gestartet

Die Offensive auf Mossul ist eingeleitet worden: Die letzte grosse Stadt im Irak, die die Terrormiliz IS noch beherrscht, soll befreit werden. An der Operation sind die irakische Armee, Kurden und die US-geführte Koalition beteiligt. Gelingt der Sturm, ist der IS im Irak weitgehend geschlagen.

Legende: Video Offensive auf IS-Hochburg Mossul gestartet abspielen. Laufzeit 2:21 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.10.2016.

Die lange erwartete Militäroffensive zur Befreiung der IS-Hochburg Mossul im Irak hat begonnen, wie der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi in der Nacht zum Montag im Fernsehen sagte. Der Regierungschef rief die Einwohner der Stadt auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren. Angeführt wird die Offensive demnach von der Armee und der Polizei des Landes.

Mossul ist die letzte Hochburg der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) im Irak. Die Millionenstadt steht seit Juni 2014 unter Kontrolle der Extremisten. Sollte Mossul befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Im Nachbarland Syrien beherrscht die sunnitische Terrormiliz allerdings noch immer grosse Gebiete.

Karte mit Irak, eingezeichnet sind Bagdad und Mossul.
Legende: Die Offensive auf die vom IS besetzte nordirakische Stadt Mossul ist gestartet worden. srf

4000 Kämpfer des IS in der Stadt

Kräfte der irakischen Armee und der Polizei hatten in den vergangenen Wochen und Tagen im Umland von Mossul Stellung bezogen. Unterstützt werden sie bei der Offensive von kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die allerdings nicht in die Stadt eindringen sollen. Die von den USA geführte internationale Koalition fliegt Luftangriffe gegen den IS. In Mossul sollen sich noch rund 4000 IS-Kämpfer befinden.

Erdogan will auch türkische Truppen schicken

Ebenfalls beteiligen will sich die Türkei: «Es ist nicht möglich, dass wir aussen vor bleiben», sagte deren Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Türkei hat gegen den Willen der irakischen Regierung in Baschika nahe Mossul Soldaten stationiert. Sie bilden dort Peschmerga und sunnitische Milizen aus. Der Irak fordert den Abzug der türkischen Soldaten.

Umstritten ist auch der Einsatz schiitischer Milizen. Diese hatten angekündigt, sich an der Offensive beteiligen zu wollen. Die Sunniten lehnen das jedoch ab, weil sie befürchten, dass die schiitischen Milizen ihren Einfluss im Land noch weiter ausbauen könnten. Mossul ist die wichtigste sunnitische Stadt im Irak. Viele Sunniten fühlen sich von der Mehrheit der Schiiten im Land diskriminiert.

Wer kämpft im Irak gegen die IS-Terrormiliz?

Wer kämpft im Irak gegen die IS-Terrormiliz?
Irakische Armee
Das von den USA mit ausgebildete Militär soll die Offensive anführen und auch in die Stadt einrücken, vorneweg Spezialeinheiten, die schon andernorts gegen den IS gekämpft haben. An der Seite der Armee kämpfen auch Einheiten der Polizei.
Peschmerga
Die Kämpfer der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak kontrollieren grosse Teile des Umlands von Mossul. Sie sollen die Operation nach einer Absprache mit der Zentralregierung unterstützen, aber nicht in die Stadt selbst einrücken. Dafür dürften sie mehrere Orte im Umland von Mossul unter ihre Kontrolle bringen.
Internationale Koalition
Die Flugzeuge des von den USA geführten Bündnisses sind bereits seit mehr als seit zwei Jahren im Irak im Einsatz. Sie unterstützen die Mossul-Kampagne mit Luftangriffen.
Lokale Milizen
An der Seite der Armee kämpfen mehrere Tausend Mitglieder von lokalen sunnitischen Milizen sowie von Stammeseinheiten. Sie sind unter anderem vom türkischen Militär ausgebildet worden.
Schiitische Milizen
Auch diese berüchtigten Milizen erklärten im Vorfeld, sie würden an dem Feldzug teilnehmen. Allerdings ist ihr Einsatz hochbrisant. Mossul ist im Irak die grösste Hochburg der Sunniten. Diese lehnen einen Einsatz schiitischer Milizen ab.
TürkeiDas türkische Militär hat unweit von Mossul Soldaten stationiert, die sunnitische Milizen und Peschmerga ausbilden. Der Irak fordert den Abzug der Einheiten, was Ankara jedoch ablehnt.
PKKNordwestlich von Mossul sind auch Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK stationiert, die von der Türkei bekämpft wird. Sie könnten auf den Plan gerufen werden, wenn auch die türkischen Soldaten in die Operation eingreifen sollten.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    In der Aufzählung fehlt eine Liste von Mächten, die den IS unterstützen. Sie sind ja schliesslich nicht aus dem Nichts von Anfang an so gut ausgebildet und ausgerüstet gewesen. Die Heinzelmännchen waren's sicher nicht. Und auch Aliens sind auszuschließen. Es gibt etliche Gruppen, die sowohl den IS unterstützen als auch von diversen Aktivitäten und lukrativen Geschäften profitieren.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Angeblich gibt ein Deal zwischen USA und IS. IS hat von Qatar 1 Mlrd. $ bekommen um ihre Einheiten von Mossul nach Raqqa in Syrien zu verlegen. Wir werden sehen wie schnell werden irakische Kräfte vorrücken?
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Und in Syrien werden die dann friedliebende Rebellengruppen genannt.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Stanic ihr Kommentar hat einen Anflug von Verwirrtheit. Wenn der IS das Geld von Qatar erhält hat er somit einen Deal mit Qatar, nicht mit den USA.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Es droht eine humanitäre Katastrophe epischen Ausmasses und die Welt schaut tatenlos zu. Viele einheimische Kämpfer in Mossul sind sunnitische Widerstandskämpfer gegen das von der USA mit Waffen, Logistik und Luftangriffen unterstützte irakische Regime mit seinen vom Iran unterstützten schiitischen Milizen. Die Grenzen zwischen sunnitischen "Rebellen" und dem Al-Qaida Ableger IS in Mossul sind fliessend; die Bevölkerung welche jetzt noch in Mossul ist, will dort auch bleiben, in ihrer Heimat.
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