Milliarden Menschen geht es besser

Kriege, Krisen und gewaltige Migrationsströme beherrschen die Schlagzeilen. Es entsteht der Eindruck von einer Welt am Abgrund. Doch insgesamt leben Milliarden Menschen immer besser. Zu diesem Schluss kommt die UNO in ihrem Bericht über die Entwicklung der Menschheit.

Drei Frauen aus Tansania arbeiten auf einem Feld.

Bildlegende: Regierungen sollten sich auf die Arbeitsmarktpolitik fokussieren, fordert die UNO. IMAGO

Am besten geht es den Menschen in Norwegen, Australien und der Schweiz. Am schlechtesten jenen in Niger, Zentralafrika und Eritrea. Soweit – so erwartbar.

An der Spitze und am Ende der UNO-Tabelle bewegt sich wenig. Dazwischen aber verändert sich viel. Vor allem wenn man die Zahlen über mehrere Jahre hinweg vergleicht: So haben sich Nationen wie Singapur, die Türkei, China oder Saudi-Arabien sehr positiv entwickelt. Andere wie Kuba, Libyen, Jamaika oder Syrien sind jedoch regelrecht abgestürzt.

Nicht nur Wohlstand gemessen

Dennoch ist das Gesamtbild ein überraschend Positives. Vor allem in Asien, in Lateinamerika, aber eben auch in Afrika hat sich die Lage für Milliarden von Menschen verbessert. In manchen Ländern natürlich von einem sehr tiefen Niveau aus, aber umso markanter. Rund zwei Milliarden Menschen schafften binnen zweieinhalb Jahrzehnten den Sprung von einem tiefen auf ein mittleres Wohlfahrtsniveau.

Interessant sind die UNO-Angaben, weil sie sich nicht nur auf das Pro-Kopf-Einkommen, also den Wohlstand stützen. Sie messen auch Schlüsselfaktoren wie Lebenserwartung, Bildung, Gleichberechtigung der Geschlechter, menschliche Sicherheit oder die Selbstwahrnehmung von Menschen über ihr eigenes Wohlergehen.

Die Gefahr vom «Working Poor»

Als entscheidend für die Entwicklung bezeichnet die UNO die Arbeit. Wo die meisten Menschen arbeiten können gibt es Fortschritte. Wo Arbeit fehlt, krass ungleich verteilt oder miserabel bezahlt wird, stagnieren Gesellschaften. Von den 3,2 Milliarden Menschen, die weltweit eine Stelle haben, ist jeder und jede Vierte ein «Working Poor» und muss pro Tag mit weniger als zwei Dollar auskommen.

Dazu kommt eine riesige Zahl von Menschen, vornehmlich Frauen, die eine Arbeit haben, allerdings eine unbezahlte. Die UNO fordert deshalb mit Nachdruck, dass Regierungen die Arbeitsmarktpolitik zur Priorität machen. Es dürfe nicht sein, dass die Globalisierung die Welt zum Bonanza für Hochqualifizierte mache, aber die übrigen stellenlos blieben oder nicht von ihrer Arbeit leben könnten. Denn dann wären die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte akut in Gefahr.