Zum Inhalt springen

International Milliarden und Abwasserreinigungen für den vergifteten Fluss

Es war die grösste Umweltkatastrophe Brasiliens: Der Dammbruch eines Minenunternehmens, der den «Rio Doce» mit giftigem Schlamm verseuchte. Die zuständige Firma muss fünf Milliarden Schadenersatz zahlen und dafür sorgen, dass es dem Fluss nach der Reinigung besser geht als vor der Katastrophe.

Legende: Video Schadenersatz in Milliardenhöhe in Brasilien abspielen. Laufzeit 0:20 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.03.2016.

Der Dammbruch in einem brasilianischen Eisenerzbergwerk im letzten November kommt das dafür verantwortliche Mineunternehmen Samarco teuer zu stehen: Es muss 20 Milliarden Real (rund fünf Milliarden Euro) bezahlen. Die brasilianische Regierung, Samarco und die Regierungen der betroffenen Staaten Minas Gerais und Espírito Santo unterzeichneten ein entsprechendes Abkommen für einen Hilfsfonds. Damit sollen auch die Opferfamilien entschädigt werden.

Durch den Dammbruch bei der Stadt Mariana am 5. November in Minas Gerais starben 17 Menschen. Über Hunderte Kilometer wurde der Rio Doce vergiftet, ein Teil des giftigen Schlammes gelangten sogar bis in den Atlantik.

Grösste Umweltkatastrophe Brasiliens

Präsidentin Rousseff verglich den verheerenden Dammbruch mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010. «Der Rio Doce ist tot», sagte sie und betonte, das unverantwortliche Handeln eines Unternehmens habe die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens verursacht.

Dem Rio Doce soll es nach den Aufräumarbeiten besser gehen als davor
Autor: Dilma RousseffPräsidentin Brasiliens

Der Rio Doce solle sich so gut erholen, dass es ihm besser gehe als vor dem Unglück, sagte Rousseff weiter. «So muss Samarco für eine neue Trinkwasserversorgung aufkommen und diejenigen Gemeinden, die noch keine Abwasserreinungsanlagen haben – und das sind die meisten – sollen welche bauen», weiss SRF-Lateinamerikakorrespondent Ulrich Achermann. Allerdings bleibt für ihn fraglich, wie nachhaltig diese Massnahmen wirklich sind. «In Brasilien weiss man nie, wie lange so etwas anhält.»

Signal an andere Bergbaufirmen

Rousseff spricht von einem «historischen Abkommen» mit der Minenfirma. Die Strafzahlung von knapp fünf Milliarden sei ein Präzedenzfall und ein Signal an andere Bergbaufirmen, dass sie mehr in Umweltschutz und Sicherheit investieren müssten, sagt Achermann.

Als Ursache für den Dammbruch im Rückhaltebecken des Bergwerks wird ein leichtes Erdbeben vermutet. «Sicher ist, dass die Firma bezüglich Sicherheit fahrlässig gehandelt hat», sagt SRF-Korrespondent Achermann.

Zwar bestätigten sich nach Wasserproben die Befürchtungen nicht, dass massenhaft Giftstoffe in den Rio Doce gelangt sein könnten. Aber viele Tiere, vor allem Fische, starben durch die Schlammmassen. «Am Rio Doce wurde viel gefischt», sagt Achermann. Die Fischerei sei vollständig zusammengebrochen und es gebe Tausende von arbeitslosen Fischern.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Der austretende Klärschlamm begrub ein Dorf unter sich und verseuchte das Tal des Flusses Rio Doce. 19 Menschen kamen ums Leben, Hunderte verloren ihre Häuser. Tausende Tiere verendeten, Hunderttausende Menschen wurden von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten und noch an der Atlantikküste erlitten Tourismus und Fischerei Einbussen. 20 Milliarden Real (rund 4,6 Milliarden Euro) sind zu wenig für die sozialen, ökonomischen und ökologischen Schäden zu beheben. Rousseff verhandelte schlecht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Die Opferfamilien werden mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit kaum etwas, und wenn dann sicher viel zu wenig erhalten! Der Grossteil der Mittel wird wie gewohnt in korrupten Kanälen versickern. Ein wunderbarer Selbstbedienungsladen!! Da reiben sich viele Funktionäre und 'Unternehmer' die Hände!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von H Gemperle (HGA)
      Und was sagen da die grössten globalen Rohstoffhändler dazu (hat es da nicht einen in der Schweiz !!!). Garnieren, garnieren - garnieren, egal mit welch windig, schlechten Methode die Rohstoffe gewonnen werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen